Finanz-Kompetenz : Jugendliche sind ahnungslos in Geldangelegenheiten

Denn sie wissen nicht, was sie tun – Deutschlands Jugendliche kennen sich zu wenig mit Wirtschaft und Finanzen aus, ergab eine Studie.

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Jugendliche sind in Sachen Geld interessiert, aber unwissend.
Jugendliche sind in Sachen Geld interessiert, aber unwissend.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - „Von dem, was an der Börse passiert, habe ich keine Ahnung“ – das gibt die Hälfte der Jugendlichen offen zu. Fast ebenso viele der 15- bis 20-Jährigen wissen nicht, welche Möglichkeiten sie haben, ihr Geld anzulegen. Und nur ein Drittel fühlt sich grundsätzlich über finanzielle Dinge gut informiert. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Kreditauskunftei Schufa und die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) am Dienstag in Berlin vorgestellt haben.

Dabei zeigen die Jugendlichen durchaus Interesse an Wirtschafts- und Finanzthemen. 86 Prozent der Jugendlichen sagen, für sie seien „Informationen rund um das Thema Geld wichtig“. Bei allgemeinen Wirtschaftsthemen steigt das Interesse mit dem Alter. Bei den 15- bis 17-Jährigen sind es 25 Prozent, die sagen, sie seien an solchen Themen interessiert. Bei den 18- bis 20-Jährigen sind es bereits 43 Prozent. Dass sie trotzdem nicht besser informiert sind, liegt nach Angaben der Studienautoren vor allem an der Komplexität und an der Masse von Informationen, die die Jugendlichen überfordert. Und daran, dass ihnen niemand hilft, die Informationen einzuordnen.

„Die meiste Hilfestellung in puncto Finanzen erhoffen sich die Jugendlichen von der Schule“, sagt GFK-Forscher Karsten John. 60 Prozent der 15- bis 20- Jährigen wünschen sich laut der Umfrage mehr Aufklärung zu Wirtschaftsthemen im Unterricht.

Wirtschaft als Schulfach

Angeboten wird das aber bislang nur in den wenigsten Schulen, kritisiert Klaus Hurrelmann, Professor an der Hertie School of Governance in Berlin. Auch er untersucht regelmäßig die Einstellung von Jugendlichen zu Finanzen. Er fordert: „Wirtschaft müsste in der Schule selbstverständlich ein Pflichtfach sein.“ Die Lehrer hätten zwar längst erkannt, dass die Schüler mehr Bildung bei Themen wie Wirtschaft und Finanzen bräuchten. Doch statt ein eigenes Fach anzubieten, würden die Schulen in der Regel nur Angebote von Banken oder Versicherungen in Anspruch nehmen, die ihre Mitarbeiter in die Schulen schicken. „Doch diese Angebote sind stark interessengeleitet“, sagt er. Wenn ein Banker den Jugendlichen erkläre, wie sie Geld sparen könnten, sei das „kein neutraler Unterricht“. Daher könnten solche Veranstaltungen nur eine Ergänzung sein und dürften nicht, wie es vielfach passiere, den eigentlichen Unterricht ersetzen.

Das Internet, in dem die Jugendlichen von heute wie selbstverständlich unterwegs sind, halten die meisten 15- bis 20-Jährigen für ungeeignet, um sich über Wirtschaft zu informieren. Jeder Zweite gab in der GFK-Befragung an, bei Finanzthemen durch die Flut an Informationen im Netz den Überblick zu verlieren. Wirtschaftsprofessor Hurrelmann sagt, das sei kein Wunder. „Das Internet ist bei Finanzthemen nur für bereits aufgeklärte, entscheidungsfähige Nutzer hilfreich“, meint er. Und zu diesen aufgeklärten, entscheidungsfähigen Nutzern müssten die Jugendlichen erst mal ausgebildet werden.

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