Wirtschaft : Fortbildung für Lehrer: Damit Schüler das All verstehen

Manuela Ellmers (ddp

Das Orbit, das All – wie bringt man Schülern darüber etwas bei? Im Olbers-Saal im Haus der Wissenschaft in Bremen herrscht gebannte Aufmerksamkeit: 19 Lehrerinnen und Lehrer aus fünf Nationen drücken hier drei Tage lang die Schulbank. Parallel zur weltweit größten Konferenz für Weltraumforschung in Bremen, der Cospar, heißt auch ihr Thema Raumfahrt. Eine der Seminar-Teilnehmerinnen aus Spanien, Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland ist Viktoria Zoeger. Die Mathe- und Informatiklehrerin am Schulzentrum Bremen-Walle erhofft sich von der Fortbildung Anregungen für ihren Unterricht.

Zwar gehöre ihre Schule nicht zu den beiden bereits bestehenden Raumfahrt-Profilschulen in der Hansestadt. Dennoch finde sie es für den Raumfahrt-Standort Bremen wichtig, „dass die Schüler darüber etwas mitbekommen“. Das vom Ariane-Städtebund organisierte Seminar wird in Kooperation mit dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bremen, EADS Astrium sowie der Hochschule und der Universität ausgerichtet.

Teilnehmer Daniel Borowski gibt Mathe und Physik in der Oberstufe des Gymnasiums Vegesack. Hier ist Luft- und Raumfahrttechnologie bereits seit Jahren Teil des Stundenplans. „Wir beginnen das Profil etwa mit einem Schnupperkurs im Segelfliegen“, sagt er. „Mit einer kleinen Kamera nehmen wir dabei den Start eines Flugzeugs auf und analysieren ihn später am Computer.“ So könne die Beschleunigung statt an Autos an Flugzeugen berechnet werden. Das gefalle den Schülern. Schwierig sei aber, dass es so spannend nicht weitergehe. „Es gibt ganz viel normalen, auch trockenen Unterricht“, räumt er ein. Mathematik, Physik, technisches Englisch und Betriebswirtschaftslehre sind die vier Leistungs- und Prüfungsfächer des Oberstufenprofils. Ziel sei nicht, dass nach dem Abitur alle Luft- und Raumfahrt studieren, sagt Borowski. Es reiche, das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken. Er selbst bringe außer den physikalischen Grundlagen keine spezielle Luft- und Raumfahrtkenntnis mit. Um den Unterricht zu gestalten, bilde er sich fort.

Referent ist an diesem Nachmittag Rüdiger Kledzig vom Raumfahrtunternehmen Astrium. Der 64-Jährige berichtet von der Entstehung, der Entwicklung und dem Betrieb des europäischen Weltraumlabors Columbus, an dem er als verantwortlicher Ingenieur lange gearbeitet hat. Für ihn sind Lehrer auch gefordert, die beruflichen Perspektiven hinter Fächern wie Mathe und Physik zu vermitteln.

Den Jugendlichen in den westlichen Ländern fehle oft das Interesse für Technik und Wissenschaft, sagt Juan de Dalmau, Generalsekretär des Ariane-Städtebundes mit Sitz in Paris. In den Seminaren könne den Mathe- oder Physiklehrern Beispiele an die Hand gegeben werden, wie sie „den Weltraum in den Klassenraum reinbringen“ können, sagt der Ariane-Städtebund-Vertreter. Von Manuela Ellmers (ddp)

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