Europacity in Berlin : Die Entwicklung des Quartiers Heidestraße geht in die nächste Runde

"Robertneun Architekten" sollen das Projekt am Hauptbahnhof vorantreiben. Jede vierte Wohnung soll sozial gefördert werden.

Nördlich des Hauptbahnhofs wächst die Europacity heran, ein neues Geschäfts- und Wohnviertel.
Nördlich des Hauptbahnhofs wächst die Europacity heran, ein neues Geschäfts- und Wohnviertel.Visualisierung: promo

Die Europacity, mit rund vierzig Hektar Berlins größte innerstädtische Entwicklungsfläche, wächst weiter und nimmt jetzt auch im nördlichen Teil des Planungsareals deutlichere Konturen an. Denn noch gleicht das Areal links und rechts der Heidestraße größtenteils einer Mondlandschaft – mitten in der Stadt. Wo einst ein Güterbahnhof war, erstreckt sich eine sandige Brache. Einzig der alte Hafenspeicher am Ufer des Kanals, der den Nordhafen mit dem Humboldthafen und der Spree verbindet, erinnert an die Emsigkeit um den Lehrter Kopfbahnhof.

Am Montag geht die Entwicklung des Quartiers Heidestraße in die nächste Runde. Der Gewinner des Architektenwettbewerbs für eines der Herzstücke der Europacity soll bekannt gegeben werden. Was bereits jetzt an vielen Stellen der Europacity sichtbar ist, konnte auch hier beobachtet werden: International renommierte Architektenbüros beteiligen sich an den Wettbewerben. Die letzten Büros in diesem Wettbewerb sind indes beide in Berlin verortet: Gerkan, Marg und Partner und Robertneun Architekten, die den Wettbewerb nach Informationen des Tagesspiegels gewannen und nun mit der Realisierung ihres Entwurfs beauftragt werden.

Die Auslobung galt für ein Teilprojekt der zentralen Fläche des Quartiers Heidestraße. Hier sollen nun auf einer Grundfläche von 9490 Quadratmeter großflächiger Einzelhandel, Wohnen und Gewerbe realisiert werden. Aufgabe war es, die Gestaltung der Fassaden zu entwerfen sowie Grundrisse für die jeweiligen Nutzungsbereiche zu entwickeln. (Siehe dazu die Verortung des Projekts als Nr. 32 in der aktuellen Karte zum Entwicklungsstand des Quartiers Heidestraße).

Karte zum Entwicklungsstand des Quartiers Heidestraße.
Karte zum Entwicklungsstand des Quartiers Heidestraße.Grafik: Tsp/Schmidt

Das Quartier Heidestraße soll ein lebendiges Stadtviertel werden

Vis-à-vis wird die Europacity nicht nur einen Stadtplatz erhalten, der über eine markante Fuß- und Radbrücke direkt mit dem gegenüberliegenden Kanalufer verbunden sein wird, sondern vielmehr sollen hier insgesamt in Platznähe Wohn-, Einzelhandels- und Gastronomieflächen über insgesamt 37900 Quadratmeter entstehen (Wohnfläche 22700 Quadratmeter, Bürofläche 9500 Quadratmeter, Einzelhandelsfläche 5700 Quadratmeter). Das knapp 9500 Quadratmeter große Sondergebiet gehört der 2014 gegründeten Quartier Heidestraße GmbH.

Die Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, das Projekt Quartier Heidestraße als Teil der Europacity zu einem lebendigen Stadtviertel zu entwickeln. Im Sinne der „Berliner Mischung“ sollen hier Wohn- und Bürogebäude, Gewerbeflächen, öffentliche Straßen und Plätze entstehen. Insgesamt sind im Quartier Heidestraße rund 175000 Quadratmeter Bruttogeschossflächen (Gewerbe- und Einzelhandel) sowie rund 860 Wohnungen geplant.

Geschäftsführer der GmbH ist Thomas Bergander. Gerade die Vernetzung sei wichtig, sagt Elke Pahl-Weber, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin. „Für die Bewohner der umgebenen Quartiere ist es wichtig, fußläufige Verbindungen zu haben, Freiraum und auch Kinderspielangebote, von denen in den bestehenden Quartieren zu wenig vorhanden sind“, sagt sie. „Hier ist die Vernetzung des neuen Gebiets mit dem Bestand gefragt und das erscheint mir als gut zu lösende Aufgabe. Möglicherweise ist hier auch ein stärker kooperativer Ansatz in der Planung hilfreich.“

Im Quartier Heidestraße soll der Entwurf des Berliner Architekturbüros "Robertneun Architekten" realisiert werden.
Im Quartier Heidestraße soll der Entwurf des Berliner Architekturbüros "Robertneun Architekten" realisiert werden.Visualisierung: promo

„Besonders erfreulich ist, dass hier, wie auf allen Grundstücken westlich der Heidestraße, das Kooperative Baulandverfahren greift“, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf Anfrage. „25 Prozent der Wohnungen werden als bezahlbarer Wohnraum gefördert. Das ist wichtig für die soziale Nachhaltigkeit des Quartiers.“ Bei den ersten Entwicklungen auf der Ostseite sei das noch nicht möglich gewesen, weil die Liegenschaftspolitik damals noch eine andere gewesen sei. „Man darf nicht vergessen, dass wir 2006 angefangen haben, die Europacity zu planen, als Berlin noch keine wachsende Stadt war. Auch 2009, als der Masterplan beschlossen wurde, war noch nicht abzusehen, mit welcher Geschwindigkeit die Stadt in den nächsten Jahren wachsen würde“, sagte Lüscher dem Tagesspiegel.

Die ersten Pläne gab es schon 1862

Heute steht die Europacity im Fokus von Investoren und Mietern. Seit Januar 2016 wurden im Rahmen von zehn Transaktionen nach Angaben des Immobilienberatungshauses Avison Young mehr als 425 Millionen Euro in der Europacity investiert. Darunter der sogenannte Forward Deal des Bürogebäudes The Cube.

Schon 1862 hatte James Hobrecht in seiner Funktion als Regierungsbaumeister Pläne für ein städtisches Quartier entlang der Heidestraße entwickelt. Doch statt eines zentralen Schmuckplatzes und gemischter Kieze wurde das Gelände damals von der fortschreitenden Industrialisierung und der notwendigen Infrastruktur vereinnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung der Stadt war die Heidestraße eine West-Berliner Randlage, wo schließlich 1983 ein Containerbahnhof angelegt wurde.

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