Neues Wohnquartier in Prenzlauer Berg : Ein Kiez im Kiez

Trockland baut in ehemaliges Krankenhaus in der Danziger Straße Mini-Apartments zur Miete ein.

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Paragon Apartments. Das Dach wurde vom Altbau abgenommen und durch zwei neue Stockwerke ersetzt.
Paragon Apartments. Das Dach wurde vom Altbau abgenommen und durch zwei neue Stockwerke ersetzt.Foto: Trockland Management GmbH

Die Lage könnte kaum besser sein – oder doch? Kollwitz- und Helmholtzplatz sind fußläufig erreichbar, Straßenbahnhaltestellen gleich an der Kreuzung Prenzlauer Allee, Ecke Danziger Straße – und bei Sonnenschein grüßt der Fernsehturm mit seiner glänzenden Kugel. Doch es ist laut hier. Die Straßen lärmen. Die Architekten von Graft haben für die Projektentwickler der Trockland Management GmbH aus dieser Not- eine Tugendlage gemacht. Auf die Ecke Danziger Straße 73-77 zeichneten sie keine Wohnungen. Das Areal erschließt sich Besuchern und Bewohnern über einen großen Platz: Ein grünes Entree dominiert die ringsrum mit Stein versiegelten Flächen.

Das Wohnquartier Paragon Apartments entstand aus dem Umbau und der Erweiterung eines ehemaligen Krankenhauses in Prenzlauer Berg. Mit 217 hochwertigen Mietwohnungen soll es verschiedenen Ansprüchen gerecht werden und den Mietern einen Mehrwert bieten: Der Wohnkomplex mit einem 140 Quadratmeter großen Clubraum, mit Kita, Café und Supermarkt soll als eine Art Kiez im Kiez zur Heimat werden.

Es war sicher eine Herausforderung, für die Architekten, ein ehemaliges Schulgebäude und Krankenhaus zu Wohnzwecken umzubauen.

Ein Investor wollte das Altbau zum Altenheim umbauen

Der Altbau der Paragon Apartments Prenzlauer Berg gehörte zu den wenigen Gemeindedoppelschulen – mit getrennter Jungen- und Mädchenschule –, die während des Ersten Weltkrieges durch den bekannten Architekten Ludwig Ernst Emil Hoffmann (1852-1932) errichtet wurden. Als Stadtbaurat prägte Hoffmann von 1896 bis 1924 maßgeblich die kommunale Bautätigkeit in Berlin mit Bauwerken wie zum Beispiel dem Rudolph-Virchow-Krankenhaus oder dem Märkischen Museum.

Als Schule sollte der Bau aber nur für zwei Jahre genutzt werden. 1921 zog hier das Bezirksamt Prenzlauer Berg ein. Dem folgte, ab 1934, die Reichsluftschutzschule. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Anlage zum Behelfskrankenhaus und später zum städtischen Krankenhaus Prenzlauer Berg. Ein Krankenhaus blieb es dann bis 2005.

2009/2010 begann ein Investor mit dem Umbau des Altbaus zum Altenheim: Teile der alten Seitenflügel wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Das Areal wurde nur zu sechzig Prozent fertig, sagt Trockland-Kommunikatorin Marion Schumacher. Schließlich wurde die Baustelle weiterverkauft. Die gekachelten und altersgerecht eingerichteten Bäder ließ Trockland wieder herausreißen; die Anbauten blieben aber stehen. Das alte Giebeldach wurde abgetragen – zugunsten von Wohnungen.

Ende 2016 wurden die Paragon Apartments in der Kategorie Wohnen Bronze-Gewinner des international angesehenen Preises FIABCI Prix d'Excellence Germany. Ausgezeichnet wurde das Zusammenwachsen von Altem und Neuem in einem integrierten Gesamtensemble. „Der integrierte Altbau wirkt durch die geschaffene Kleinteiligkeit der kubistischen Architektur nicht erschlagend, sondern fügt sich städtebaulich hervorragend ein und erweitert das Quartier um ein vielseitig nutzbares Gebäude,“ urteilte die Jury.

Der Quadratmeter liegt um 15 Euro kalt

So etwas hat seinen Preis. Die 37-Quadratmeter-Wohnungen hier kann man nicht kaufen, nur mieten. Die Mikro-Wohnungen mit abgetrenntem Schlafabteil – eingebaut in einen Grundkubus – kosten um die 1000 Euro warm pro Monat. Es gibt auch einige größere Einheiten, die eben fertig gestellt wurden. Der Quadratmeter liegt um 15 Euro kalt.

Die Mikro-Wohnungen mit abgetrenntem Schlafabteil kosten um die 1000 Euro warm pro Monat.
Die Mikro-Wohnungen mit abgetrenntem Schlafabteil kosten um die 1000 Euro warm pro Monat.Foto: Trockland Management GmbH

Mieter aus 31 Nationen haben sich auf dem Gelände zusammengefunden, sagt Danielle Shapira, bei Trockland Leiterin der Entwicklungsabteilung vor dem Gang durch das loftartige Ensemble. Äther und Odor vergangenen Zeiten sind längst verflogen – allenfalls ein Deckenrundbogen im Flur hier und ein Steinfußboden dort erinnern mit Treppengeländern an vorherige Nutzungen. Die als Mieter umworbene Klientel hat ihre berufliche Heimat in der Startup-Szene. Man ist jung und mobil: Es gibt 450 Fahrradstellplätze. Einen Spa-Bereich mit Fitnessraum und Tartanbahn auf dem Dach hat man sich allerdings gespart. Dergleichen darf man weiterhin nur bei Eigentumswohnungen im Luxussegment erwarten.

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