Nord-Süd-Grünzug : Ein grünes Band durch Berlin

Grüntangente statt Westtangente - das war in den 80er Jahren noch eine Utopie. Jetzt ist sie Wirklichkeit geworden: Das letzte Teilstück wurde Anfang des Jahres eröffnet, statt einer Autobahn durchzieht nun ein Grünzug Berlin.

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Jogger im Natur-Park Schöneberger Südgelände. Von diesem südlichsten Teil aus soll der Grünzug in Zukunft noch weiter nach Lichterfelde geführt werden.
Jogger im Natur-Park Schöneberger Südgelände. Von diesem südlichsten Teil aus soll der Grünzug in Zukunft noch weiter nach...Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Es war ein langer Kampf. Jetzt ist er gewonnen. Der Nord-Süd-Grünzug ist so gut wie fertig. Wie an einer Perlenkette verbinden Parks und Grünflächen halb Berlin vom Spreebogen bis zum Schöneberger Südgelände. Es ist ein großer Sieg über das Konzept einer autofreundlichen Stadt und ein Triumph der alternativen Szene West-Berlins – den sie ohne die Wiedervereinigung wohl nicht errungen hätte.

Rückblende: Anfang der 70er Jahre formiert sich der Widerstand gegen die sogenannte Westtangente, eine Autobahn mitten durch den Westteil der Stadt. Sie sollte von der Stadtautobahn Richtung Norden verlaufen, den Tiergarten unterqueren und im Wedding den Stadtring kreuzen – also ungefähr auf der gleichen Trasse verlaufen, wo sich heute der Grünzug befindet. Ein Stummel der geplanten Trasse wurde gebaut, er endet als A<ET>103 am Sachsendamm.

Das vorerst letzte Teilstück wurde Anfang des Jahres fertig

Gegen diese Pläne brachte die Bürgerinitiative Westtangente die Idee einer Grüntangente ins Spiel. Nicht nur dagegen sein, sondern Alternativen vorschlagen, das war der Plan.

Auf der Höhe des Gleisdreieck-Parks hätte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg gern eine Schleife geschlossen.
Auf der Höhe des Gleisdreieck-Parks hätte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg gern eine Schleife geschlossen.Grafik: TSP/Ulla Schilli

Mit dem Nord-Süd-Grünzug ist er jetzt Wirklichkeit geworden. Das letzte Teilstück zwischen Monumentenbrücke und Alfred-Lion-Steg – der neuen Verbindung zwischen Schöneberger Insel und Tempelhof – wurde ohne großes Zeremoniell Anfang dieses Jahres freigegeben.

Eröffnung des Alfred-Lion-Steg 2012 mit Blickrichtung Schöneberger Insel. Auf der Verbindung gelangen Fußgänger und Radfahrer von Schöneberg nach Tempelhof.
Eröffnung des Alfred-Lion-Steg 2012 mit Blickrichtung Schöneberger Insel. Auf der Verbindung gelangen Fußgänger und Radfahrer von...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Beate Profé hat die Diskussionen um die Grüntangente seit den 80er Jahren verfolgt, als sie noch Studentin der Landschaftsplanung war. Heute leitet Profé die Abteilung Stadt- und Freiraumplanung beim Senat. Gerade erst hat sie die Strecke wieder vom Norden bis zum Priesterweg im Süden durchfahren. „Es ist ein tolles, tolles Gefühl, wenn Ideen so in die Realität umgesetzt werden“, sagt sie.

"Das Gleisdreieck ist der Quantensprung gewesen"

Ohne die Wiedervereinigung wäre das Projekt aber wohl nicht gekommen. Klar, natürlich auch deshalb, weil ein kleiner Teil des grünen Bandes durch den ehemaligen Ostteil der Stadt verläuft. Aber auch weil die Investoren am Potsdamer Platz je nach Größe ihrer Grundstücke Geld für Ausgleichsmaßnahmen zahlen mussten. Dafür konnte das Land den späteren Park am Gleisdreieck von der Bahn kaufen. Das Gelände lag, Kuriosum der Geschichte, zwar im Westteil der Stadt, gehörte aber der Reichsbahn Ost. „So konnte sich die Natur entwickeln“, sagt Beate Profé.

So sah der Park am Gleisdreieck 2010 aus.
So sah der Park am Gleisdreieck 2010 aus.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nicht das ganze Gleisdreieck blieb für den Grünzug erhalten. Ein Teil – Naturschützer sagen, ein zu großer Teil – wurde für Baumaßnahmen freigegeben. Dicht stehen die Gebäude heute an der Flottwellstraße.
Trotzdem: „Das Gleisdreieck ist der Quantensprung gewesen“, sagt Manfred Sperling vom Fachbereich Stadtplanung im Bezirk Tempelhof-Schönberg. Für diesen Bezirk seien die Grünflächen besonders wichtig. „Der Norden von Schöneberg ist hochgradig unterversorgt. Das hat sich extrem verbessert.“ Umgesetzt wurde der Wunsch der Bürgerinitiative, den Wildwuchs im Park möglichst zu erhalten.

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