Immobilien : Stadtplanung hetzt der Realität hinterher

Besonders im Osten wächst die Stadt so schnell, dass die Infrastruktur kaum Schritt hält. In Treptow-Köpenick sollen die Radwege ausgebaut werden, in Lichtenberg beteiligen sich Jugendliche an der Spielleitplanung.

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Blick über den Gartenzaun: Wie idyllisch Karlshorst ist, entdecken immer mehr Familien.
Blick über den Gartenzaun: Wie idyllisch Karlshorst ist, entdecken immer mehr Familien.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin wächst – vor allem im Osten. Zwischen Friedrichshain und Friedrichsfelde werden eifrig Eigentumswohnungen und Häuser gebaut. Insgesamt 51 Projekte sind im Neubaukompass gelistet, wobei die Quadratmeterpreise je nach Lage und Qualität variieren, von rund 2000 Euro bis über 12.000 Euro. Darüber hinaus entstehen auch Mietwohnungen – von Studentenapartments über Familienwohnungen bis zu Senioren-WGs. Vor allem die landeseigenen Wohnungsunternehmen bauen.

Endlich, könnte man sagen.

Bei der Howoge entstehen zwischen Heinersdorf und Rummelsburg rund 360 neue Wohnungen, weitere 1450 sind als Teil der Neubauoffensive bis 2019 geplant. In Köpenick rollen die Bagger für die ersten 90 von rund 1000 neuen Wohnungen der Stadt und Land. Bis 2018 baut auch die Degewo 1200 Wohnungen in Teptow-Köpenick und Marzahn. Je nach Wohnung und Lage kann man mit Mieten zwischen 6,50 Euro und 11,50 Euro pro Quadtratmeter rechnen. Es ist also für jeden etwas dabei.

Und genau das spiegelt sich auch in den Zuzügen. Nach Prognosen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird Pankow bis 2030 um 16 Prozent zulegen, Treptow-Köpenick und Lichtenberg je um fast zehn Prozent und Marzahn-Hellersdorf um neun Prozent. Damit nehmen sie einen Großteil der Neuberliner auf, die die Stadt zu einer 3,8Millionen-Metropole anwachsen lassen.

Viele Projektentwickler bauen Spielplätze und Kitas gleich mit

Auch wenn die Prognose von einem Anstieg des Durchschnittsalters ausgeht, wird in den kommenden Jahren die Zahl der Kinder und Jugendlichen kräftig ansteigen. Und das zieht Konsequenzen in der Infrastrukturplanung nach sich. Viele Projektentwickler planen im Rahmen von städtebaulichen Verträgen in ihren Bauvorhaben Spielplätze und Kitas ein. „Das ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern ein Gewinn für alle“, sagt Sabine Pentrop, Sprecherin der Howoge.

Aber das reicht bei Weitem nicht. Schulplätze sind bereits knapp. Hier sind das Land und die Bezirke gefordert. „Wir diskutieren über verschiedene Standorte, die wir als Bezirk für solche Zwecke vorhalten müssen“, sagt Wilfried Nünthel (CDU), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Lichtenberg.

Zwar sei der Druck in Lichtenberg noch nicht so hoch wie in Pankow, aber die Suche nach kommunalen Flächen für Flüchtlingsunterkünfte verschärfe die Situation. „Wir wollen schließlich nicht nur Provisorien bauen, sondern auch Schulen für die Zukunft.“ Die richtigen Flächen und Konzepte zu haben, sei das eine, die finanziellen Mittel das andere. Obwohl Gelder aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt“ (SIWA) für Schulbauten zur Verfügung stehen, staut es sich in der Verwaltung.

"Oft können wir nur noch reagieren"

Aber klassische Infrastruktur allein reicht nicht aus, wie Ulrike Zeidler, verantwortlich für Stadtentwicklung in Treptow-Köpenick, festhält. „Wir müssen schauen, wo wir noch was brauchen, etwa Volkshochschulen oder Freizeiteinrichtungen – sowohl für Kinder und Jugendliche wie für Senioren.“

Das Infrastrukturkonzept des Bezirks helfe, die Potenziale aufzudecken, und sei eine gute Entscheidungsgrundlage für die Liegenschafts- und Haushaltsplanung. „Oft werden wir aber von der Realität überholt und können eigentlich nur noch reagieren“, sagt sie. Das sei einerseits auf die rasante Entwicklung zurückzuführen, andererseits auf den Personalmangel im Bezirk.

Da wirkt die Verkehrsplanung wesentlich einfacher. Auch wenn nicht jedes Nadelöhr zu aller Zufriedenheit aufgelöst werden kann. Wer will schließlich an einer großen Straße wohnen, nur weil zwei Kilometer weiter eine Großsiedlung entsteht und sich der Verkehr zweimal am Tag kilometerlang staut?

„Wir legen daher unser Augenmerk auf den ÖPNV und den Ausbau der Radwege und Abstellmöglichkeiten an den S-Bahn-Stationen“, sagt Zeidler. Die BVG sei auch intensiv in der Planung hinsichtlich neuer Linienführungen und einer Taktverdichtung. Das gilt auch für Lichtenberg, wo Wilfried Nünthel die gute Nahverkehrsanbindung als Standortvorteil für den Bezirk wertet, vor allem für Familien.

Wenn man aber Kinder und Jugendliche fragt, entdeckt man noch weitere Potenziale. In Lichtenberg hat eine Spielleitplanung für die Region „Frankfurter Allee Nord“ in Zusammenarbeit mit dem Büro „Die Raumplaner“ gezeigt, dass sich die Jugendlichen gerne und weitblickend in die Umgestaltung ihres Kiezes einbringen. Die von ihnen entwickelten Leitziele und vorgeschlagenen Maßnahmen wie die Umgestaltung des Schulhofs der Grundschule auf dem lichten Berg, eine hellere Gestaltung des Bahnhofs Frankfurter Allee und neue Radwege würden allen Bewohnern des Stadtteils zugutekommen.

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