Tiefschürfende Frage : Geht’s nicht auch ohne Keller?

Immer mehr Bauherren verzichten aufs Tiefgeschoss. Was dafür spricht und was dagegen.

Veronika Csizi

95 Prozent der deutschen Eigenheim-Bauer glauben: Ein Haus benötigt in jedem Fall einen Keller. Trotzdem verzichten Bauherren immer häufiger auf die Räume unter der Erde – inzwischen ist es jeder Dritte. Vor allem Fertighäuser werden häufig mit dem Hinweis „ab O. K.“ (ab Oberkante Keller) angeboten und auch gekauft.

Doch was spricht eigentlich im Einzelnen für oder gegen einen Keller? Viele Bauherren verzichten vor allem aus finanziellen Gründen auf ihn: Nach Berechnungen des Instituts für Bauforschung in Hannover (IFB) im Auftrag der Initiative Pro Keller kostet ein knapp 100 Quadratmeter großer Keller eines freistehenden Einfamilienhauses je nach Beschaffenheit des Bodens zwischen gut 50 000 und gut 70 000 Euro. Im günstigeren Fall handelt es dabei um einen gemauerten, gut einen halben Meter aus der Erde ragenden Hochkeller ohne Drainage, im teureren um einen Betonkeller für ein Haus, das im Grundwasser steht und deshalb wasserdicht sein muss – gerade in Berlin mit seinem hohen Grundwasserpegel ein häufig auftretendes Problem.

Verzichtet ein Bauherr auf den Keller, so muss er stattdessen eine frostsichere Bodenplatte legen lassen sowie anderweitig Platz schaffen, etwa für die Haustechnik, für Waschmaschine und Trockner, Fahrräder, Koffer, Vorräte und vieles mehr. In ihrer Beispielrechnung setzen die Bauforscher aus Hannover statt des Kellers vier bis sechs Quadratmeter mehr Grundfläche im Haus sowie weitere 18 Quadratmeter Fläche in einer Fertiggarage oder einem Holzschuppen an.

Während die Variante Bodenplatte/Zusatzraum/Schuppen dabei mit durchschnittlich 28 700 Euro veranschlagt wird, kostet der Kellerersatz mit einer Fertiggarage laut IFB etwa 33 700 Euro. Damit schrumpft die Ersparnis eines kellerlosen Hauses beispielsweise von gut 70 000 auf nur noch gut 40 000 Euro. Wer keine Probleme mit dem Grundwasser hat, spart bei einem Haus ohne Keller nur noch zwischen 18 000 und 23 000 Euro, je nach Art der Ersatzfläche – Geld, das sich ebenso in einen ebenerdigen und damit praktischeren Hauswirtschaftsraum oder in eine hochwertigere Innenausstattung investieren lässt.

Keller-Befürworter führen dagegen ins Feld, dass eine größere Grundfläche oder größere Anbauten als Kellerersatz angesichts immer weiter steigender Grundstückpreise wenig sinnvoll und teuer seien. Zudem sei ein Keller weit mehr als Abstellplatz, Waschküche und Technikraum. Immer häufiger nutzten Bauherren ihn als Partyraum, als Sauna, als Wellness-Oase, Fitness-Studio, Arbeitszimmer oder Hobbyraum. Wer geschickt plane, heißt es etwa bei der Initiative, könne einen Hochkeller oder ein Souterrain später sogar zur Einliegerwohnung umfunktionieren. Keller-Gegner dagegen weisen darauf hin, dass Einsparungen unter der Erde ausreichend Platzangebot über der Erde schaffen könnten. So sei auch das Dach als Hobby- oder Gästezimmer oder zur Unterbringung einer Gastherme geeignet, zumal die Haustechnik immer platzsparender geworden sei

Allerdings: ein geplatzter Waschmaschinenschlauch verursacht in einem Keller mit Sicherheit weniger Schaden als wenn das Wasser in kleinen Bächen durch die Wohnräume fließt. Außerdem haben Häuser mit Keller tendenziell einen höheren Wiederverkaufswert. Die Entscheidung für oder gegen den Platz unter der Erde dürfte also von den konkreten Bedürfnissen und örtlichen Gegebenheiten abhängen – und ein bisschen vom eigenen Geldbeutel.

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