Wohnungsbau in Charlottenburg : Erwartet die Makler an der Biegung des Flusses

An der Spree entsteht mit „No. 1 Charlottenburg“ ein hochpreisiges Reputationsprojekt der Geschwister Cannon.

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Zwei unmittelbar am Wasser gelegene Hochhäuser und 13 traditionelle Stadthäuser bieten Platz für 272 Eigentumswohnungen. Simulation: promo
Zwei unmittelbar am Wasser gelegene Hochhäuser und 13 traditionelle Stadthäuser bieten Platz für 272 Eigentumswohnungen.Simulation: promo

So viel Frauenpower gibt es selten in der eher von Männern dominierten Berliner Immobilienwirtschaft: Am Spreeufer neben dem Gelände der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Charlottenburg lassen die irischen Unternehmerinnen Ann und Denise Cannon 272 Eigentumswohnungen errichten. Am Freitag feierten sie die Grundsteinlegung für ihr etwa 100 Millionen Euro teures Projekt „No. 1 Charlottenburg“ an der Englischen Straße / Ecke Wegelystraße. Als Ehrengast wurde unter anderem Irlands Ex-Premierminister Enda Kenny erwartet. Im übernächsten Jahr soll alles fertig sein, die Vermarktung über die Berliner Maklerfirma Ziegert Immobilien läuft bereits.

Für „Cannon + Cannon“, das Unternehmen der beiden Schwestern, ist das erste Bauvorhaben in Berlin ein „Flaggschiff“ und Reputationsobjekt. Es solle auch den Weg ebnen für weitere Investitionen in der Stadt, sagt Ann Cannon. „Wir haben zehn Jahre lang daran gearbeitet.“ Tatsächlich gehört das 11.300 Quadratmeter große Gelände schon seit 2007 den Schwestern, deren Vater Cathal Cannon seit mehr als 30 Jahren mit der Immobiliengruppe Cannon Kirk in Irland und Großbritannien aktiv ist. Die 32-jährige Denise Cannon hat Stadtplanung und Design studiert, ihre 39-jährige Schwester Ann ist Wirtschaftsprüferin und kümmert sich um alle finanziellen Angelegenheiten.

Gebaut wird nach Entwürfen der Architektin Caroline Stahl

Für die Gestaltung der 15 Häuser – darunter zwei „Riverside Towers“ mit neun Etagen direkt am Ufer – ist die Berliner Architektin Caroline Stahl zuständig. Sie verspricht „hohe Decken und bodentiefe Fenster“, komfortable Bäder und Balkone oder Terrassen. Das hat seinen Preis: Nach Auskunft der Firma Ziegert beginnen die Kaufpreise in den „Riverside Towers“ bei 8000 Euro pro Quadratmeter. Was die Penthäuser auf jenen Gebäuden kosten, können Interessenten auf Anfrage bei den Maklern erfahren.

In den kleineren Stadthäusern, die der Berliner Traufhöhe entsprechen, beträgt der durchschnittliche Preis 6945 Euro. Die niedrigsten Quadratmeterpreise beginnen bei 5600 Euro je Quadratmeter los. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 46 und 151 Quadratmetern.

Neu im Vertrieb ist ein Haus mit 50-Quadratmeter-Wohnungen, die laut Ziegert-Sprecher André Schlüter „aktuell stark nachgefragt“ werden. Diese Wohnungen sind ab 285.000 Euro beziehungsweise 5699 Euro pro Quadratmeter zu haben. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt bei 6955 Euro. Außerdem entsteht unter einer Grünfläche mit einem Spielplatz eine Tiefgarage mit 129 Stellplätzen. Innerhalb des Wohnquartiers soll es jedoch keinen Autoverkehr geben.

Gemeinsam unschlagbar: Anne Riney, Marketingchefin, mit Geschäftsführerin Ann Cannon (rechts). Foto: Cay Dobberke
Gemeinsam unschlagbar: Anne Riney, Marketingchefin, mit Geschäftsführerin Ann Cannon (rechts).Foto: Cay Dobberke

Das Beste an dem Standort „ist natürlich die Uferlage“, sagt Ann Cannon. Andernorts in Berlin gebe es ja kaum noch bebaubare Grundstücke an einem Gewässer. Außerdem wirbt sie gerne mit den kurzen Wegen in die aufstrebende City West, zum Zoo und dem Tiergarten, aber auch zum Potsdamer Platz und dem Regierungsviertel. Die Nähe zur Technischen Universität (TU) und der Universität der Künste (UdK) habe schon dazu geführt, dass Eltern für ihre studierenden Kinder Wohnungen kauften.

Mietwohnungen sind nicht geplant

Die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf lobt die Unternehmerin als „hervorragend“. Vielleicht liegt das auch an einem Zugeständnis an die Interessen der Allgemeinheit: Ein künftiger Uferweg soll öffentlich zugänglich werden. Überhaupt gehe es keineswegs um eine „Gated Community“ nur für die Bewohner, betont Ann Cannon. Mietwohnungen oder Läden sind hier nicht geplant. Das Berliner Modell der „kooperativen Baulandentwicklung“, wonach bei Neubauten ein Viertel der Wohnungen – seit Februar 2017 sind es 30 Prozent – als mietpreisgebundene Sozialwohnungen entstehen müssen, galt bei der Erteilung der Baugenehmigung noch nicht und spielt daher keine Rolle.

Eigentlich ist die sogenannte Spreestadt Charlottenburg hauptsächlich ein Gewerbegebiet. Zu den bekanntesten Unternehmen dort gehört neben der KPM auch die „Mercedes Welt“ am Salzufer. Wie es heißt, soll die Berliner Mercedes-Benz-Niederlassung vor vielen Jahren sogar auch mal an dem jetzigen Wohnungsbaugelände interessiert gewesen sein.

Kooperation mit der KPM

Bis Anfang 2016 hatten auf dem Areal Hallen des Keramischen Instituts der TU gestanden, die aber schon nicht mehr genutzt wurden, als die Cannon-Schwestern das Grundstück kauften. Ihr Finanzierungspartner ist die Bank DG Hyp.

„Wir kannten Berlin früher nur aus dem Urlaub“, sagt Ann Cannon, inzwischen aber seien sie und ihre Schwester „jede Woche hier“, um das Projekt mit einem 20-köpfigen Team voranzubringen.

Zur Königlichen Porzellan-Manufaktur nebenan pflegt man ein freundschaftliches Verhältnis. Diese hat den Investorinnen erlaubt, ihre Markennamen mitzunutzen. So kommt es, dass jedes Haus nach einer KPM-Kollektion benannt wird. Und sicherlich werden die Bewohner des neuen Quartiers auch zu den Stammgästen bei den sommerlichen „Hoffesten“ der Porzellanmanufaktur gehören.

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