Käuferportal : Ein Start-up wird erwachsen

2008 gründeten Robin Behlau und Mario Kohle in einer Berliner Küche das Käuferportal. Heute haben sie 200 Mitarbeiter - und tausende Kunden, die Rat bei Bauen, Wohnen und Sanieren suchen.

von
Noble Adresse. Mario Kohle (l.) und Robin Behlau sind mit ihrem Unternehmen an die Friedrichstraße in Mitte gezogen.
Noble Adresse. Mario Kohle (l.) und Robin Behlau sind mit ihrem Unternehmen an die Friedrichstraße in Mitte gezogen.Foto: Mike Wolff

Es gibt Dinge, die kauft man nur ein- oder zweimal im Leben: eine Solaranlage etwa, einen Wintergarten oder auch einen Treppenlift. Das Problem daran ist, dass es sich dabei um erklärungsbedürftige Produkte handelt, bei denen man eine fachgerechte Beratung braucht und am besten einen Tipp, welcher Anbieter auch eine gute Leistung abliefert. Normaler Weise würde man zu einem Fachhändler gehen, aber wo gibt es Fachhändler für Solaranlagen? „Wir wollen dieses Fachgeschäft für komplexe und beratungsintensive Produkte im Internet sein“, sagt Robin Behlau.

Gemeinsam mit seinem Schulfreund Mario Kohle gründete der 29-Jährige im Jahr 2008 das Käuferportal. Das ist eine Vermittlungsplattform im Internet, auf der Kunden den passenden Anbieter von hochwertigen Produkten rund um die Themen Bauen, Wohnen und Sanieren finden und zwar ganz in ihrer Nähe.

Die Zwei-Mann-Unternehmung von einst, die am Küchentisch in Mario Kohles Wohnung in Hellersdorf gegründet wurde, ist inzwischen fast aus dem Stadium des Start-ups herausgewachsen. Mehr als 200 Mitarbeiter arbeiten heute auf drei Etagen in einem repräsentativen Bürogebäude. Der Namenszug Käuferportal steht in goldenen Lettern an der Eingangstür in der Friedrichstraße. Geld von einer Bank gibt es trotzdem noch nicht. „Wir können denen nicht genug Sicherheiten bieten“, sagt Kohle. Die Finanzierung des weiteren Wachstums ist dennoch gesichert: Gerade hat die Investitionsbank Berlin (IBB) im Rahmen ihres Förderprogramms „Profit“ 3,3 Millionen Euro in Käuferportal investiert, drei Millionen als Darlehen und 300 000 Euro als Forschungszuschuss. Damit will Käuferportal seine Technologie, Angebot und Nachfrage optimal aufeinander abzustimmen, weiterentwickeln und mehr als 50 weitere Arbeitsplätze schaffen.

Inzwischen mehr als 1,3 Millionen Anfragen

Es ist der zweite große Wandel in der noch jungen Unternehmensgeschichte, sozusagen Käuferportal 3.0. Gestartet war Käuferportal nämlich als ein Dienstleister für Geschäftskunden. Auf der Plattform wurden also anfangs vor allem Telefonanlagen und Kopierer vermittelt. Doch Ende 2010 öffnete das Portal für alle Kunden. „Der Markt ist einfach viel größer“, sagt Behlau. Mehr als 1,3 Millionen Produktanfragen sind bereits bei Käuferportal eingegangen. Im vergangenen Jahr wurden Anfragen mit einem Auftragsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro vermittelt. 9300 Partnerunternehmen hat das Portal inzwischen, zum Anbieternetzwerk gehören dabei mittelständische Unternehmen genauso wie Möbel Höffner, Ikea, Bosch oder Siemens. Käuferportal sieht sich damit als Marktführer in Deutschland.

Kunden können auf dem Portal kostenlos eine Produktanfrage stellen. Ein Mitarbeiter von Käuferportal ruft dann zurück, um im Gespräch mit dem Kunden seine Wünsche genau zu klären. Anschließend wird der passende Anbieter in der Region gesucht und der Kunde erhält bis zu drei qualifizierte Angebote zu seiner Anfrage. Käuferportal bekommt dafür von den anbietenden Unternehmen eine Vermittlungsgebühr – aber keine Provision. „So bleiben wir unabhängig und haben nicht so einen hohen administrativen Aufwand“, sagt Behlau.

Der Kunde hat den Vorteil, dass er nur Angebote von geprüften Unternehmen erhält. „Jeder, der über unsere Plattform anbieten will, muss sich hier vorstellen“, sagt Behlau. Zusätzlich haben bereits auch mehr als 270 000 Kunden die Fachfirmen bewertet.

"Wir wollen keine Anteile abgeben"

Für die Unternehmen wiederum hat das Portal den Vorteil, „dass wir die Anfragen genau prüfen und nur Kunden vermitteln, die auch wirklich kaufen wollen“, erklärt Behlau. „Wir sind das Tor zum Internet für regionale Anbieter.“ Oft seien gerade Handwerker nicht sehr internetaffin, wollten aber dennoch nicht auf die Kunden aus dem Netz verzichten. In einigen Fällen schickt Käuferportal sogar seine Berater aus, um die Mitarbeiter zu schulen. „Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Kunde zu ihnen ins Geschäft kommt, oder ob ihr Mitarbeiter beim Kunden anrufen und sein Produkt anpreisen muss“, sagt Kohle.

Seit knapp sechs Jahren arbeiten Behlau und Kohle nun am Aufbau des Unternehmens. Bis 2010 sammelten sie drei Millionen Euro Startkapital – unter anderem vom Investor Lukasz Gadowski und Team Europe. „Wir haben aber von Anfang an Geld verdient“, sagt Behlau. „Und es immer wieder ins Unternehmen gesteckt.“ Einen Risikokapitalgeber ins Unternehmen zu holen, mache dagegen keinen Sinn, meint Behlau. „Wir wollen keine Anteile abgeben und nachher in der eigenen Firma nichts mehr zu sagen haben.“ Auch ans verkaufen dächten er und sein Partner nicht. „Wir bauen die Firma langsam auf und haben Spaß dabei“, sagt Kohle. „Und wir sehen noch viel Potenzial, auch in anderen Ländern.“ Das frische Kapital der IBB soll für einen weiteren Wachstumsschub sorgen.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben