Nach Super-Deal mit Etihad : Air Berlin schreibt erstmals wieder schwarze Zahlen

Air Berlin hat sein Vielfliegerprogramm Topbonus mit drei Millionen Kundendaten verkauft - ausgerechnet an den eigenen Großaktionär Etihad. Das schräge Geschäft scheint so lukrativ, dass Air Berlin wohl nun erstmals seit 2007 ein Geschäftsjahr positiv abschließen kann.

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Halber Kopf größer. Die Stewardessen von Etihad überragten die von Air Berlin auf der Veranstaltung in Berlin.
Halber Kopf größer. Die Stewardessen von Etihad überragten die von Air Berlin auf der Veranstaltung in Berlin.Foto: dpa

BerlinBerlin - Die Show, auf der Hartmut Mehdorn fast beiläufig erwähnt, dass Air Berlin erstmals seit 2007 wieder Gewinn einfliegen wird, beginnt mit Paukenschlägen in Dolby Surround: Aus den Boxen donnert Musik, als tobe der Kampf um Mittelerde oder drohe ein Fluch der Karibik. Die Leinwand zeigt in schnellen Schnitten das Reich des Großaktionärs Etihad Airways: Formel 1 in Abu Dhabi, Jeep-Safari in der Wüste, die Ruinen von Angkor Wat in Kambodscha, die Petronas Towers in Kuala Lumpur. Alle paar Sekunden lächeln auch Air-Berlin-Stewardessen durch die Sitzreihen, schenken Sekt von der Sylter Sansibar nach, Mehdorn schneidet eine Schleife durch.

Darf man diesem Imagefilm glauben, der am Dienstag im Berliner Hotel Interconti gezeigt wurde, soll Air Berlin im Netzwerk der arabischen Airline Etihad zumindest eine größere Nebenrolle spielen. Dass es nicht die zweite Hauptrolle ist, macht der australische Etihad-Chef James Hogan indirekt deutlich – etwa, als er Journalistenfragen, die klar an Mehdorn gerichtet sind, selbst beantwortet. Im Saal stehen auch Flugzeugmodelle beider Airlines, die Etihad-Maschinen sind etwas größer. Auch die Etihad-Stewardessen, die links und rechts neben den Managern Haltung beweisen, sind jeweils einen halben Kopf größer als ihre neben ihnen stehenden Kolleginnen aus Berlin.

Diese Symbolik täuscht darüber hinweg, dass die erst neun Jahre junge Fluglinie des Königshauses von Abu Dhabi deutlich kleiner ist als Air Berlin: 2011 beförderte sie 8,3 Millionen Passagiere, Air Berlin mehr als viermal so viele. Etihad hat 68 Flieger, Air Berlin noch 158. Doch während Etihad 90 Maschinen bei Boeing und Airbus bestellt hat, muss Air Berlin derzeit erneut einige verkaufen, um sich gesundzuschrumpfen.

Etihad begleitet diesen Sanierungsprozess nun seit genau einem Jahr. Ende 2011 kaufte die Gesellschaft knapp 30 Prozent der Air-Berlin-Anteile, wurde so zum größten Einzelaktionär. Die Airlines fliegen seither die Drehkreuze des jeweiligen Partners an und stimmen Flugpläne ab. Das allein habe beiden Fluggesellschaften 300 000 Fluggäste und rund 100 Millionen Euro Extraumsatz gebracht, heißt es. Zudem wirke sich die Partnerschaft positiv aus, weil beide gemeinsam Material und Treibstoff beschaffen, Piloten schulen, Flieger warten.

Welche Airline davon bisher mehr profitiert hat, bleibt offen – und spielt nun wohl auch keine Rolle mehr. Denn spätestens mit dem jüngsten Geschäft, das nun auch von Kartellbehörden und Datenschützern abgesegnet worden ist, wird Air Berlin auf Dauer abhängig von dem kleinen starken Partner aus dem Orient: Air Berlin hat, wie angekündigt, sein Vielfliegerprogramm Topbonus mit den Daten von rund drei Millionen Kunden in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. 20 Mitarbeiter, die das Programm bisher betreuten, sind nun Angestellte der Topbonus Limited (Ltd), die wie die Air Berlin plc unter britischer Rechtsform in England sitzt. De facto wird das Geschäft aber weiter in Berlin betrieben.

Air Berlin behält 30 Prozent an dieser Gesellschaft, Etihad übernimmt 70 – und zahlt dafür den spektakulären Preis von 200 Millionen Euro. 184 Millionen fließen direkt in die Air-Berlin-Bilanz. Laut Mehdorn hat man „einen Diamanten, der so vorher nicht sichtbar war, freigelegt“. Man könnte auch sagen, dass die Manager einen juristisch eleganten Weg gefunden haben, Air Berlin eine Finanzspritze zu verschaffen. Es dürfte bisher nicht vielen Firmen gelungen sein, einen Haufen Daten und 20 Verwalter derselben zu verkaufen und damit pro abgegebenem Mitarbeiter zehn Millionen Euro zu erlösen.

Bei dem Kaufpreis habe man sich an den wenigen anderen Fällen in der Luftfahrtbranche orientiert, in denen die Vielfliegerprogramme ausgegliedert worden sind, beteuert Etihad-Chef Hogan. Für die Kunden werde es keine Nachteile geben, es würden sich aber „vielfältige Möglichkeiten“ auftun, ihre erflogenen Meilen umzuwandeln. Künftig sollen sie mit Punkten nicht nur Autos und Hotelzimmer mieten können, sondern in bis zu 30 Millionen Annahmestellen weltweit quasi wie mit Bargeld einkaufen können, heißt es.

„Diese Transaktion ermöglicht es uns, unser Unternehmen finanziell zu restrukturieren“, sagt Mehdorn über dieses kuriose Geschäft. „Wir werden 2012 einen Gewinn darstellen.“ Ob das vor oder nach Steuern ist, lässt er offen. Sein Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer wird nach der Show deutlicher: „Wenn alles gut geht, haben wir am Ende ein gutes zweistelliges Ebit“ – also Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Wenn an Weihnachten kein Schneechaos oder Streik ausbreche, bleibe auch netto für 2012 ein positives Ergebnis, sagt Hüttmeyer.

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