Neue Ausbildungsmesse : Berlins Firmen umwerben deutsch-türkische Azubis

Die Kammern organisieren in Berlin erstmals eine Ausbildungsmesse speziell für deutsch-türkische Jugendliche. Im Idealfall sollen andere Bundesländer sich daran ein Beispiel nehmen.

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Deutsch-türkische Jugendliche sollen besser über die Ausbildungsmöglichkeiten in Berliner Betrieben informiert werden.
Deutsch-türkische Jugendliche sollen besser über die Ausbildungsmöglichkeiten in Berliner Betrieben informiert werden.Foto: ullstein bild - CARO/Ponizak

Am kommenden Samstag findet im Türkischen Haus an der Urania die erste Deutsch-Türkische Ausbildungsmesse statt: 35 Betriebe stellen sich türkischen Jugendlichen und solchen mit Migrationshintergrund vor, die bis jetzt noch keine Lehrstelle haben. Die Messe soll die Jugendlichen aber nicht nur mit Betrieben zusammenbringen, die noch keinen Azubi gefunden haben. Sie soll ihnen auch aufzuzeigen, welche Möglichkeiten ihnen das duale Ausbildungssystem in Deutschland überhaupt bietet.

Veranstaltet wird die Messe von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, der Deutsch-Türkischen IHK, dem türkischen Generalkonsulat, der Bundesagentur für Arbeit und der Handwerkskammer Berlin. Betriebe wie die BVG, die AOK oder auch die Polizei sind dabei, aber auch kleinere Betriebe, die für den Beruf des Maler und Lackierers werben, für den des Glasers oder des Mechatronikers. Ein Großteil der Aussteller sind Betriebe, die von Deutschen geleitet werden. „Die ganze Welt schaut neidisch auf unser duales System“, sagte Christian Wiesenhütter von der IHK am Mittwoch in Berlin, „deshalb müssen wir es überall in der Gesellschaft durchsetzen.“

Die Berliner Unternehmen suchen händeringend Azubis

Nach Auskunft der IHK sind in Berlin und Brandenburg noch 7000 Ausbildungsstellen frei, quer durch alle Berufe. Die Messe geht zurück auf eine Idee des türkischen Generalkonsuls in Berlin, Ahmet Basar Sen. „Die Ausbildung in der türkischen Community läuft etwas holprig“, sagte er. „Da braucht es Informationen!“ Tamer Ergün Yikici, Vorstandsmitglied der Deutsch-Türkischen IHK, sieht das ähnlich: „Sprachkenntnisse sind mittlerweile weniger das Problem“, meint er. Tatsächlich fehle es vor allem an Informationen, denn auch eine Ausbildung kann die Jugendlichen auf eine Universität bringen – wenn sie wissen, wie. Stellenweise fehlt es aber auch an ganz banalem Wissen: Was trage ich in Deutschland zu einem Vorstellungsgespräch? Wie verhalte ich mich dort?

Die Messe ist kurzweilig gestaltet, es soll auch ein buntes Rahmenprogramm geben. Besonders stolz ist der Generalkonsul darauf, dass der in der Türkei sehr beliebte Popmusiker Rafet El Roman auftreten wird. Er lebt in Deutschland, singt türkisch mit deutschem Akzent und ist damit sehr erfolgreich in der Türkei. So wollen die Veranstalter auch Familienmitglieder locken, die Einfluss auf die Jugendlichen und deren Berufsentscheidung haben könnten.

Die Arbeitslosigkeit ist unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund groß

Ursprünglich sollte die Messe im Garten des Generalskonsulates stattfinden. Wegen der Wahl in der Türkei steht der aber gerade voller Container, in denen gewählt wird, deshalb musste ein anderer Ort gefunden werden. Auch Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) wird am Samstag kommen.

Die Veranstalter wollen türkische Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund für Ausbildungsberufe begeistern, weil die Jugendarbeitslosigkeit in dieser Gruppe besonders groß ist. Sie haben die Hoffnung, dass Berlin nur den Auftakt bildet und so eine Messe bald auch an anderen Orten in Deutschland stattfindet – so ähnlich, wie das auch mit dem Konzept der „Jugendberufsagentur“ geschehen ist: eine Idee, die ursprünglich aus Hamburg kommt. Diese Agenturen sollen eine Anlaufstelle für Menschen unter 25 Jahren sein, bei der sie Beratung und Unterstützung rund um Schule und Ausbildung bekommen können. Sie sollen helfen, Struktur und Übersicht in die Fülle an Fördermaßnahmen zu bringen. In Berlin werden im Herbst die ersten Ableger öffnen.

Doch bevor das Konzept der Türkisch-Deutschen Messe auch in anderen Bundesländer angeboten werden kann, muss die Premiere in Berlin erst einmal ein Erfolg werden. Deshalb ist Popsänger Rafet El Roman nicht die einzige Attraktion der Messe. „Vor der Tür wird es auch einen Dönerstand geben“, sagt Konsul Ahmet Basar Sen und lacht.

Die Türkisch-Deutsche Ausbildungsmesse findet am kommenden Samstag, den 30. Mai ab 12 Uhr im Türkischen Haus, An der Urania 15 in 10787 Berlin, statt.

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