Tag der Putzfrau : Die Putzfrau wird männlich

Der 8. November ist der internationale Tag der Putzfrau. Noch immer hat der Beruf ein geringes Sozialprestige und noch immer arbeiten viele Reinigungskräfte schwarz, daran konnte auch die Minijob-Regelung nichts ändern. Doch eines ändert sich zunehmend: Das Geschlecht der Reinigungskräfte.

Fritz Zimmermann
Legal weggewischt. Die Zahl der offiziell angemeldeten Putzfrauen steigt. Foto: dpa
Legal weggewischt. Die Zahl der offiziell angemeldeten Putzfrauen steigt. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Karo Rutkowsky ist schuld. Ohne sie gäbe es keinen Tag der Putzfrau. Rutkowsky ist Privatdetektivin in den Kriminalromanen der Autorin Gesine Schulz – und arbeitet nebenher schwarz als Putzfrau. Wegen ihrer Protagonistin habe sie sich stärker mit Putzfrauen beschäftigt, sagt die Autorin Schulz. Beim Recherchieren im Internet stieß sie 2004 auf eine Wikipedia-Liste mit Aktionstagen. „Selbst den Tag des Butterbrots gab es“, sagt sie. „Da dachte ich mir, die Putzfrauen haben auch einen verdient.“ Kurzerhand rief sie den Aktionstag aus und schrieb ihn in die Liste im Internet: Internationaler Tag der Putzfrau am 8. November, dem Geburtstag ihrer Romanheldin Rutkowsky.

Rund 600 000 Personen in Deutschland arbeiten als Reinigungskraft in entsprechenden Unternehmen, 37 500 davon in Berlin. Sie putzen Krankenhäuser, Schulen und Büros, für mindestens neun Euro die Stunde im Westen und 7,56 Euro im Osten. Weitere 100 000 Putzfrauen und -männer arbeiten als Minijobber in privaten Haushalten. Hinzu kommen viele freiberuflich und vor allem schwarz arbeitende Menschen, die für Privatpersonen putzen.

Zum Beispiel Katrin Meier (Name geändert). Seit gut fünf Jahren putzt sie als selbstständige Kleinunternehmerin Wohnungen. Vorher arbeitete sie knapp zehn Jahre schwarz. Erst als sie sich von ihrem Mann trennte und drohte, in Hartz IV abzurutschen, machte sie sich selbstständig. Heute verdient sie 1100 Euro im Monat, davon gehen gut 300 Euro an die Krankenkasse, Steuern zahlt sie nicht. Meier nimmt zehn Euro die Stunde. „Ich kann nur zu Schwarzmarktpreisen arbeiten“, sagt sie. Die Konkurrenz sei groß und gerade Rentner könnten häufig nicht mehr zahlen. Wichtig sind ihr verlässliche Kunden: Selbstständigkeit funktioniere nur mit Stammkunden.

Das Problem der Schwarzarbeit

Die meisten Putzfrauen arbeiten schwarz. Wie viele genau, lässt sich nur schätzen: Laut einer aktuellen Umfrage beschäftigen drei bis vier Millionen Haushalte in Deutschland ihre Haushaltshilfe illegal. Immerhin hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der angemeldeten Minijobber mehr als verdoppelt. „Und die neuen Minijobs kommen zu 99,9 Prozent aus der Schwarzarbeit“, sagt Erik Thomsen, der Leiter der in Bochum ansässigen Minijobzentrale.

Dass immer mehr „Arbeitgeber“ ihre Putzkräfte anmelden, liege auch an öffentlichen Aufregern, wie vor einigen Monaten bei Peer Steinbrück: Der SPD-Politiker war im Wahlkampf erpresst worden, weil er seine Putzfrau angeblich schwarz bezahlt hatte. „Dadurch wird den Leuten bewusst, dass es illegal ist, die Putzfrau schwarz zu beschäftigen“, sagt Thomsen. Oder den Putzmann.

Immer mehr Männer - aber nicht im Haushalt

Nach aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes sind mittlerweile 31 Prozent der Beschäftigten im Reinigungsgewerbe Männer. Allerdings wurden dabei auch Personen mitgezählt, die zum Beispiel in der Fensterreinigung arbeiten oder die öffentlichen Verkehrsmittel putzen. Bei den Minijobbern hat Erik Thomsen in solchen gewerblichen Reinigungsbereichen einen größer werdenden Männeranteil festgestellt, in Privathaushalten dagegen stagniere der seit Jahren bei zehn Prozent.

Für den Tag der Putzfrau ist das Geschlecht egal: „Bei mir sind auch die Männer mit gemeint“, sagt Romanautorin Gesine Schulz. Geschlechtsneutral gendern werde sie den Namen allerdings nicht. Das Entscheidende sei vielmehr, dass an diesem Tag auf eine Welt aufmerksam gemacht werde, „die uns alle irgendwie berührt, denn auch unser Arbeitsplatz wird gereinigt.“ Am Aktionstag könne jeder ja eine Blume für die Putzfrau auf dem Büro-Schreibtisch stehen lassen.

Auch Thomsen hofft, dass sich der Tag der Putzfrau etabliert: Es ginge um eine Bevölkerungsgruppe, die zu unrecht ein „schlechtes Sozialprestige“ habe. Darauf mache der Aktionstag aufmerksam. Katrin Meier selbst hat von dem Tag der Putzfrau überhaupt erst vor einer Woche gehört: Bei einem Quiz im Internet ging es um absurde Jahrestage. Eine Imageverbesserung für ihren Beruf braucht sie aber nicht: „Mir macht meine Arbeit Spaß“, sagt sie.

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