Urban Gardening : Gründer setzen auf Berliner Fisch-Gemüse

Bisher lässt sich mit Urban Gardening kaum Geld verdienen. Die Firma ECF will das ändern – mit Fisch, Gemüse und Farmen mitten in der Hauptstadt.

Luca Spinelli
Rot-Grün. Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat sich schon davon überzeugt, dass die ECF-Idee Früchte trägt.
Rot-Grün. Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat sich schon davon überzeugt, dass die ECF-Idee Früchte trägt.Foto: dpa

Am Moritzplatz in Kreuzberg gedeihen inmitten der Stadt Kräuter und Gemüse. In den dort ansässigen Prinzessinengärten werden Tomaten, Kürbisse oder Petersilie verkauft, mitpflanzen darf hier jeder. „Urban Gardening“ heißt der Trend, der den Anbau von Lebensmitteln wieder zurück an den Ort des Konsums holt. In Berlin gibt es etliche solcher kleinen Projekte, auf Häuserdächern oder Freiflächen wie dem Tempelhofer Feld. Das Berliner Start-up Efficient City Farming (ECF) will das urbane Gärtnern nun in großem Stil aufziehen und kommerzialisieren – über städtischen Farmen.

ECF, Anfang 2012 gegründet vom Trio Karoline vom Böckel, Nicolas Leschke und Christian Echternacht, vertreibt Container, in denen man zugleich Gemüse und Fisch produzieren kann. Dafür nutzen die Gründer ein vom Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei entwickeltes Aquaponik-System. Dabei düngen die Fische die Pflanzen und reinigen zugleich das Abwasser, das Ökosystem versorgt sich also selbst. Angebaut werden kann fast alles – bis auf Wurzelgemüse.

In dem sechs Meter langen ECF-Container, von dem ein Prototyp auf dem Gelände der Malzfabrik in Tempelhof steht, werden Fische in einem Tank gezüchtet. Auf dem Container steht ein Gewächshaus, in dem Tomaten, Gurken und Chilischoten gedeihen. Das Wasser zirkuliert zwischen beiden Teilen. Neben dem Prototypen in Berlin steht mittlerweile auch ein Container der ECF im niederbayerischen Pocking. Kommerziellen Erfolg haben die drei Gründer mit dem System bisher noch nicht erzielt, dafür ist das bisherige Modell zu klein. „Der Container ist etwas für Enthusiasten, aber wirtschaftlich funktioniert er nicht“, räumt Christian Echternacht ein.

Vorteil Direktvertrieb

Deshalb will das Unternehmen nun in den Aufbau von so genannten Aquaponik-Farmen investieren. Allein 1,25 Millionen Euro sollen in den Bau einer 2000 Quadratmeter großen Farm auf einer Freifläche der Malzfabrik fließen – als Prototyp. Gebaut wird diese von zwei Unternehmen, einem Spezialisten für Aquakulturanlagen und einem für Gewächshäuser. Derzeit verhandelt ECF mit Investoren für die Anlage. Ab Sommer 2014 soll die Farm dann 24 Tonnen Fisch und 35 Tonnen Gemüse pro Jahr produzieren. Kunden könnten vor Ort für 15 Euro ein Kilo Fisch kaufen oder einen wöchentlichen Gemüsekorb bestellen. Den großen Vorteil sieht ECF im Direktvertrieb, durch den sich die Stadt-Bauern die Kosten für Zwischenhändler sparen können. Echternacht verspricht sich einen jährlichen Umsatz von 550 000 Euro, bei knapp der Hälfte soll der Gewinn liegen. Solche Zahlen machen Eindruck: „Wir haben etwa 50 Interessenten, die unsere Farm nachbauen wollen. Darunter ein Scheich aus den Emiraten“, erzählt Echternacht.

Sollte das Modell Schule machen, plant Echternacht den Aufbau eines Franchisesystems. Gemeinsam mit zwei Subunternehmen würde ECF dann die Farmen für die Franchisenehmer bauen. Um Einstiegshürden möglichst niedrig zu halten, will ECF dabei auf Lizenzgebühren für das Aquaponik-System verzichten. Im Gegenzug müssten sich die Abnehmer der Farm verpflichten, Fischfutter und Pflanzensetzlinge direkt bei ECF zu kaufen. Über diesen Verkauf möchte Echternacht dann in Zukunft Geld verdienen.

2014 soll die erste Franchise-Farm entstehen, zwei weitere sollen 2015 folgen. „Mit jedem Jahr wollen wir das Volumen steigern“, sagt Echternacht. Für die erste Anlage 2014 gibt es nach Angaben des Unternehmens bereits fünf Anfragen von potentiellen Franchisenehmern, die an einem Bau ernsthaft interessiert sind. Wo ECF die erste Aquaponik-Farm außerhalb der Malzfabrik bauen wird, entscheidet sich im kommenden Jahr.

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