Wirtschaft : Von Berlin ins Morgenland

Der Dienstleister Dussmann berät einen saudi-arabischen Caterer bei der Verpflegung von Mekka-Pilgern

Jana Gioia Baurmann
Essen für Mekka. Dussmann will Millionen Pilger versorgen. Foto: Reuters
Essen für Mekka. Dussmann will Millionen Pilger versorgen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Reiseführer über Saudi-Arabien stehen beim Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße im dritten Stock. Einige Mitarbeiter der Dussmann-Gruppe werden sich dort womöglich schon bald das ein oder andere Exemplar kaufen, um sich über Klima, Lebensgewohnheiten und Traditionen zu informieren – denn ihr Arbeitgeber expandiert ins Morgenland.

Bereits Mitte August erhielt Dussmann einen „millionenschweren“ Beratungsauftrag aus Saudi-Arabien, teilte das Dienstleistungsunternehmen mit. Der Vertrag sei bereits unterzeichnet. Für die saudi-arabische Firma „Hijaz Catering“ wird Dussmann eine Machbarkeitsstudie zur Planung, zum Bau und zum Betrieb einer industriellen Produktionsanlage für die Verpflegung der Mekka-Pilger erstellen. Ein internationales Projektteam – darunter auch deutsche Mitarbeiter – wird sich damit befassen. Khalil Fatta, Präsident von Hijaz, spricht von einem „wichtigen Schritt auf dem Weg, den Traum von einer hochqualitativen Pilgerversorgung wahr werden zu lassen.“

Die Dussmann-Gruppe setzte mit ihren Dienstleistungen im vergangenen Jahr rund 1,5 Milliarden Euro um. Über die Tochterfirma DussmannService bieten die Berliner Gebäudereinigung sowie Sicherheits- und Empfangdienste an. Dussmanns zweitgrößter Geschäftsbereich Kursana sorgt für Betreuung und Pflege von rund 14 000 Senioren. Jährlich produziert das Dienstleistungsunternehmen weltweit 135 Millionen Mahlzeiten, beispielsweise für Krankenhäuser, Unternehmen und Schulen.

Eine Ausschreibung für den saudischen Beratungsauftrag hatte es nicht gegeben. Nach Gesprächen mit verschiedenen Anbietern habe man sich relativ schnell für Dussmann entschieden, heißt es. In Mekka soll nun die Verpflegung von sieben bis acht Millionen Muslimen organisiert werden, die jährlich zur Kaaba pilgern.

Mekka zählt neben Medina zu den heiligsten Stätten des Islams. Sie zu besuchen, ist für viele gläubige Moslems ein Lebensziel. Die Zahl der Pilger steigt jedes Jahr um vier bis fünf Prozent. „Es ist eine Kombination aus verschiedenen Herausforderungen“, sagte eine Sprecherin der Dussmann Gruppe dem Tagesspiegel. „Zum einen ist es eine riesige Zahl an Mahlzeiten, zum anderen sind es Herausforderungen, die das Land mit sich bringt, allen voran das Klima.“ Die Speisen müssen bei Temperaturen von 45 Grad Celsius und mehr produziert werden – und halal sein. Halal bedeutet, dass die Produkte für jeden Moslem zum Verzehr geeignet sein müssen. So darf etwa kein Schweinefleisch verarbeitet werden. Auch dürfen die Produkte weder Alkohol noch Blut enthalten. Zwar essen alle Pilger halal, die Geschmäcker sind trotzdem verschieden. Es gebe durchaus Unterschiede bei den einzelnen Nationen, sagte die Dussmann-Sprecherin. Vor allem der Schärfegrad der Speisen variiere, aber auch der Anteil von Fisch und Fleisch. Manche Länder seien vegetarisch geprägt, in anderen sei Fleisch ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

Die Studie bildet die Grundlage für den späteren Bau und Betrieb der Produktionsanlage von Mahlzeiten für die Pilger. Hijaz und Dussmann gehen davon aus, dass der Bau und Betrieb vom „Saudi Industrial Development Fund“ unterstützt wird. Ob sich Dussmann auch an der Produktionsanlage beteiligen wird, ließ die Sprecherin offen. Jana Gioia Baurmann

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