8. Deutscher Archäologiekongress in Berlin : Was Archäologen umtreibt

800 Archäologen sind in dieser Woche in Berlin zu Gast - beim Archäologiekongress an der Freien Universität. Die Öffentlichkeit darf auf der "Forschungsinsel" dabei sein, einer langen Nacht am Donnerstag.

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Drei Skulpturen stehen in einer Glasvitrine.
Berliner Skulpturenfund. 2010 wurden die einst von den Nazis verfemten Kunstwerke erstmals wieder gezeigt. Zum Archäologiekongress...Foto: dpa

„Die Archäologie ist mit ihren Grabungen im 20. Jahrhundert angekommen“, sagt Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Ein herausragendes Beispiel dafür sei der spektakuläre Skulpturenfund des Jahres 2010: 16 Skulpturen der klassischen Moderne, von den Nazis 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und beim U-Bahnbau gegenüber des Roten Rathauses aus dem Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges geborgen. Zum 8. Deutschen Archäologiekongress, der am Montagabend an der Freien Universität (FU) begann, wird der Berliner Skulpturenfund in dieser Woche noch einmal im Neuen Museum gezeigt.

Nachts im Museum: So wird auf der Museumsinsel geforscht

Offensichtlich wollen die Organisatoren des Kongresses die 800 Teilnehmer auch für Berlin als „Hauptstadt der Archäologie“ begeistern – und die interessierte Öffentlichkeit gleich mit. Die Museumsinsel wird am Donnerstag, 9. Oktober, von 18 bis 22 Uhr zur „Forschungsinsel“ (hier geht es zum Programm). Neben dem Skulpturenfund präsentieren Wissenschaftler 25 weitere Projekte der Museen von der Bronzezeit bis ins Mittelalter. Im Neuen Museum geht es unter anderem um „Ostpreußische Fundlandschaften“ und um die Skythenforschung in den Steppen Eurasiens. Im Museum für Islamische Kunst erläutern Archäologen die Rekonstruktion einer Kulturlandschaft im pakistanischen Baluchistan und ein Digitalisierungs-Projekt zum Schutz des syrischen Kulturerbes. Im Alten Museum wird etwa zu Vergoldungstechniken an antiken Silbergefäßen geforscht.

Zwischen Medienhype und Sparzwang - ein Fach im Umbruch

Manfred Nawroth, Geschäftsführer des Deutschen Verbands für Archäologie, sieht sein Fach im Umbruch. Einerseits ist es mit spannenden Funden ständig in den Medien präsent, andererseits leiden Teildisziplinen als „Kleine Fächer“, stehen unter dem Spardiktat der Länder vielfach vor dem Aus. Neue naturwissenschaftliche Methoden etwa zur Altersbestimmung haben die Archäologie vorangebracht, aber schon wird ihr kulturwissenschaftlicher Ertrag infrage gestellt. Ist Archäologie heute „ein technischer Prozess, in dem abgearbeitet wird, was da ist?“, fragt Nawroth. Was die Archäologen umtreibt, diskutieren sie am Donnerstagabend um 20 Uhr öffentlich im Bode-Museum. Vertreten wird die Zunft dabei unter anderem von Peter Funke, Althistoriker in Münster und Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Georg Graffe, beim ZDF Leiter der Redaktion Geschichte und Gesellschaft, sowie Sabine Wolfram, Direktorin des neuen Archäologie-Museums in Chemnitz.

Entdeckungstouren mit einem archäologischen Ausflugsführer

In Berlin können die Kongressteilnehmer auch jenseits der Museen ein weites Feld erkunden, etwa die Vielzahl der archäologischen Fächer an den Unis und das von FU und Humboldt-Uni betriebene Exzellenzcluster Topoi zur Formation von Raum und Wissen in antiken Kulturen, das ab 2015 ins Antikezentrum überführt wird. Wer länger in der Region bleibt oder gar hier zu Hause ist, kann die greifbare Archäologie von Ausgrabungsstätten bis zu Museen auch mit einem neuen Ausflugsführer erkunden (Berlin, Ausflüge im Spree-Havel-Gebiet; Theiss- Verlag, 21,95 Euro).

Für die Veranstaltungen am Donnerstagabend auf der Museumsinsel müssen Eintrittskarten zu den üblichen Preisen erworben werden (10 Euro pro Museum, 18 Euro für alle Museen).

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