AhA : Warum helfen Antibiotika nicht gegen Viren?

Thomas de Padova

Bakterien sind die kleinsten bekannten Lebewesen. Viren sind zwar noch kleiner, aber sie fressen nichts, wachsen nicht und können sich nicht einmal aus eigener Kraft vermehren. Daher gelten sie gemeinhin nicht als lebendig.

Man kann das allerdings infrage stellen. Denn mit fremder Hilfe pflanzen sich die winzigen Gebilde, die aus dürftig eingepackter Erbsubstanz bestehen, munter fort. Sie machen sich Wirtszellen gefügig, verbrauchen deren Ressourcen und richten sie dabei meist zugrunde. Anpassungsfähig wie sind, befallen sie Bakterien, Pflanzen und Tiere. In unserem Körper verursachen sie Grippe und Mumps, aber auch Krankheiten wie Aids, wenn sie Zellen des Immunsystems angreifen.

Viren lassen sich nur schwer bekämpfen. Am besten ist es, wenn das Immunsystem selbst mit ihnen fertig wird und sie an der Vermehrung hindert, etwa weil man sich mit einer Impfung auf die Eindringlinge vorbereitet hat. Für Medikamente jedoch bieten Viren, da sie so einfach gestrickt sind, nur wenige Angriffspunkte.

Anders Bakterien. Sie ernähren sich, wachsen heran, ständig laufen lebensnotwendige und für jede Bakterienart spezifische biochemische Prozesse ab, gegen die ein Arzt mit Antibiotika vorgehen kann. „So kann man in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen, ohne dabei menschliche Zellen zu beeinträchtigen“, sagt Norbert Suttorp, Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie der Berliner Charité.

Ein Angriffspunkt für Antibiotika ist zum Beispiel ihre Zellwand. „Bakterien haben eine Hülle, die sie als stützende Struktur brauchen.“ Penicillin verhindert eine korrekte Quervernetzung dieser Zellwand. Ohne stabile Hülle gehen die neu heranwachsenden Bakterienzellen ein.

Leider sind viele Bakterien inzwischen gegen Penicillin und Co resistent. Je häufiger die Arzneien eingesetzt werden, umso eher passen sich die Mikroorganismen an. Hausärzte verschreiben zu oft Antibiotika, ohne zu wissen, welche Art der Infektion vorliegt – auf Drängen der Patienten auch gegen Virusinfektionen, gegen die Antibiotika nachweislich nichts ausrichten können. Eine universelle Keule gegen Bakterien, gegen Virus- und Pilzinfektionen gibt es nicht.

Eine Sammlung der „Aha-Kolumnen“ ist im März unter dem Titel „Wissenschaft im Strandkorb“ (160 Seiten, 14 Euro 90) im Piper-Verlag erschienen.

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