• Alternative für Deutschland (AfD): „Arrest für Schüler, Zwangsarbeit für Eltern“

",Mut zu' - eine Erkennungsformel für aggressive Rückwärtsgewandheit"

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Alternative für Deutschland (AfD) : „Arrest für Schüler, Zwangsarbeit für Eltern“

Das klingt erst mal unfreiwillig komisch. Wie ernst ist das zu nehmen?

Wir hatten diese „Pädagogik“ schon einmal vor hundert Jahren mit den Korrektionsanstalten. Noch 1978 fand ein Kongress statt, der eine Rückkehr in die Pädagogik der Sekundärtugenden und der Disziplinierung forderte. Der Kongress hieß übrigens „Mut zur Erziehung“. „Mut zu ...“ ist eine Erkennungsformel aggressiver Rückwärtsgewandtheit. Wir finden eine ähnliche Denkweise auch bei Thilo Sarrazin in „Deutschland schafft sich ab“.

Für Eltern von Kleinkindern fordert die AfD Sachsen ein „Betreuungshonorar“. Was hat es damit auf sich?

Es sollen alle Kosten, die staatlicherseits für Kleinkinderbetreuung ausgegeben werden, anteilig als „Honorar“ für Eltern von Kleinkindern ausgegeben werden. Das heißt, Länder und Kommune halten sich fortan komplett aus der Betreuung von Kleinkindern raus. Sie zahlen nur Eltern dieses Honorar.

Die AfD in Sachsen und in Thüringen behauptet, es gebe „indoktrinäre Beeinflussungen“ der Lehrinhalte in der Schule durch Homosexuelle und Transgender. Im Schulalltag hängt es aber von einzelnen Lehrkräften ab, ob diese Gruppen überhaupt erwähnt werden. Und auf den Schulhöfen ist „schwul“ ein beliebtes Schimpfwort. Welches Ziel verfolgt die AfD damit, eine Bedrohung durch Homosexuelle heraufzubeschwören?

Da müsste man differenzieren. Bei den normalen AfD-Mitgliedern, die gegen Homosexuelle vorgehen, liegt wohl einfach Homophobie vor. Bei den politisch vernetzten Aktivisten und Aktivistinnen sehe ich eher, dass sie langfristig eine andere bevölkerungspolitische Familienpolitik anstreben, durch die reproduktive Rechte massiv zurückgedrängt werden sollen.

Auch in der Auseinandersetzung um den Bildungsplan in Baden-Württemberg hat sich die AfD stark engagiert. Sie lehnte ab, dass Schüler zur Reflektion über sexuelle Identitäten angeregt werden sollten. Die Landesregierung hat ihre Pläne inzwischen modifiziert. Ist sie vor dem Protest eingeknickt?

Ich halte diese Modifizierung für einen Fehler. Sie hat diese Demonstrationen eher gestärkt als geschwächt. Wahrscheinlich zeigten sich die zuständigen Politiker und Politikerinnen beeindruckt von den Protesten, den Massenmails und Leserbriefen. Die Organisationen hinter den Demonstrationen werden aber erst aufgeben, wenn ihre Vorstellungen von Bildungspolitik umgesetzt werden – und die sind fundamentalistisch-christlich.

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