Antisemitismus und Islamfeindlichkeit : Weiter Streit um Historiker Wolfgang Benz

Wer hat Wolfgang Benz im Streit um den Vergleich von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit den Rücken gestärkt? Publizist Henryk M. Broder wirft ihm vor, es „mit der Wahrheit nicht ganz genau zu nehmen“.

Amory Burchard

Die Kontroverse um eine Tagung des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung über „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ geht weiter. Wie berichtet hatten sich Islamkritiker gegen den Vergleich von Antisemitismus und Islamfeindschaft ausgesprochen. Der Hamburger Politologe Matthias Küntzel sieht darin eine „Trivialisierung des Holocaust“ und fürchtet, das Berliner Zentrum sei mit seinem neuen Forschungsthema „auf Abwegen“. Wolfgang Benz, seit 1990 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, dagegen verteidigt die Beschäftigung auch mit der Islamophobie. Dies sei Teil der „allgemeinen Vorurteilsforschung“ und als Arbeitsfeld des Zentrums seit langem anerkannt.
 
Jetzt wird Benz wegen Äußerungen in der Presse angegriffen. Im Internetforum „Die Achse des Guten“ wirft der Publizist Henryk M. Broder Benz vor, es „mit der Wahrheit nicht ganz genau zu nehmen“. Als er sich auf Unterstützer seines Forschungsansatzes berief, habe er falsche Namen genannt. In der „Tageszeitung“ (Taz) wurde Benz am 5. Dezember (Online-Ausgabe) folgendermaßen zitiert: „ZfA-Leiter Wolfgang Benz reagierte im Gespräch mit der taz empört auf die Vorwürfe Küntzels. Sie seien ,völlig lachhaft’. Das Ganze sei ,nicht ernst zu nehmen’, wie ihm auch Ilan Mor, der Gesandte der israelischen Botschaft in Berlin, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde der Hauptstadt, Lala Süsskind, und der SPD-Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen, Beauftrager des OSZE-Vorsitzenden zur Bekämpfung des Antisemitismus, zugesichert hätten.“
 
Im Interview mit dem Tagesspiegel (Ausgabe vom 6. Dezember) hatte Benz keine Namen genannt, sondern von „Vertretern der israelischen Botschaft, der Berliner Jüdischen Gemeinde und aus dem Bundestag“ gesprochen, die ihm „den Rücken gestärkt“ hätten. Lala Süsskind ließ gegenüber dieser Zeitung erklären, sie lege Wert auf die Feststellung, dass sie „bei dieser Tagung nicht mit Benz gesprochen hat". Sie wolle dies richtig stellen, „da es dazu einige Anfragen gab“. Auch Ilan Mor habe sich auf Anfrage von "Die Achse des Guten" davon distanziert, mit Benz über die Vorwürfe gesprochen zu haben, schreibt Broder. Gert Weisskirchen wollte sich am Donnerstag gegenüber dem Tagesspiegel nicht zu dem Streit äußern.
 
Jetzt hat Wolfgang Benz zu den Vorwürfen Stellung genommen. Er bedauere es, wenn er sich „missverständlich geäußert habe“, sagte Benz dem Tagesspiegel. Er wolle Frau Süsskind schreiben, und sich für das Missverständnis entschuldigen.

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