Archäologie-Museum "smac" in Chemnitz : Mit den Urmenschen am Lagerfeuer

Das neue Chemnitzer Archäologie-Museum smac weist mit spektakulären Inszenierungen und interaktiven Angeboten weit über Sachsen hinaus.

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Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zeigt im „smac“ die Entwicklung des Menschen vom Neandertaler bis heute.
Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zeigt im „smac“ die Entwicklung des Menschen vom Neandertaler...Foto: epd

Ein mächtiger europäischer Bison und ein Auerochse schauen in kühler Landschaft den Besucher an. Gegenüber schimmern simulierte Eiswände, in der Mitte dreht sich ein Klimaglobus, im Hintergrund zucken CO2-Werte über die Wand. Auch die Verbreitung des Menschen über die Erdteile wird auf einem illuminierten Globus gezeigt, drum herum sind Schädel von Hominiden und Neandertalern auf Plexiglassäulen arrangiert. Der Charakter dieses Museums ist nicht sofort auszumachen – und das ist gewollt im neu eröffneten „smac“, dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz. Im ehemaligen Kaufhaus Schocken, einem Monumentalbau Erich Mendelsohns aus dem Jahr 1930, will man alles anders machen als bisher in archäologischen Museen.

Neandertaler im alten Kaufhaus
Gleich im ersten Stock des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac) empfangen Tiere der Altsteinzeit den Besucher. Das blaue Licht symbolisiert die Kaltzeit.Weitere Bilder anzeigen
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21.05.2014 11:41Gleich im ersten Stock des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac) empfangen Tiere der Altsteinzeit den Besucher. Das...

Das Konzept für die Ausstellung mit 6200 Exponaten stammt vom Sächsischen Landesamt für Archäologie und vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Die innovative Präsentation aber verdankt sich wesentlich dem Atelier Brückner aus Stuttgart, einem Team von Architekten und Designern, die zuvor unter anderem das Darwineum im Rostocker Zoo und das Parlamentarium in Brüssel gestalteten.

Der interdisziplinäre Ansatz des Museums besticht, die Präsentation ist zuweilen atemberaubend. Gekonnt werden Tierpräparate, multimediale Elemente, Touchscreens, bunt beleuchtete Vitrinen, Modelle und Objekte kombiniert. Das ist keineswegs Spielerei, jegliche Gestaltung dient der Information, auch der emotionalen. Die Einbeziehung des Fußbodens und des Treppenhauses mit seinem Profilschnitt durch die Erde von 21 Meter Höhe an der Stirnwand des Treppenhauses bewirken, dass man der Geschichte der Menschheit nirgends entkommt.

Im ersten Stock blickt der Betrachter in einen fächerförmigen Ausstellungsraum, an dessen hinterer Wand ein 40 Meter langes Panorama einer von einigen Tieren spärlich bewohnten Landschaft zeigt. Man erwandert sich den Zeitraum von 220 000 vor Christus bis 7500 v. Chr., einer Periode, in der das Klima Schwankungen unterlag, kältere Zeiten sich mit wärmeren abwechselten. Daher die Ecke mit der Eiszeit und dem Klimaglobus. Ein Glaskubus birgt die ersten Schritte der Tiefenforschung, der Geologie und der Archäologie. Zu entdecken sind auch Objekte, die Ida Wilhelmine von Boxberg gefunden hat, Sachsens erste Archäologin für die Steinzeit. Eisfuchs und Rentier stehen frei im Raum, Pflanzen in Glaskästen und aufgespießte Feuersteine stehen für das, was die ersten Menschen gesammelt und gejagt haben.

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