Bildung für Flüchtlingskinder : Gewerkschaften fordern mehr Geld für die Schulen

Der DGB fordert ein Bundesprogramm, um die Schulen für die Aufnahme von Flüchtlingskindern zu stärken. Der Philologenverband sieht Bedarf in zweistelliger Milliardenhöhe.

von
Syrische Flüchtlingskinder, die gerade in Celle (Niedersachsen) ankommen.
Unterwegs. Syrische Flüchtlingskinder, die gerade aus Ungarn in Celle (Niedersachsen) ankommen - und demnächst in Schulen und...Foto: Alexander Körner/dpa

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert, dass das Thema Bildung beim Koalitionsgipfel zur Flüchtlingskrise zu kurz gekommen sei. Dabei stünden Länder und Kommunen auch bei der Beschulung von 400 000 Flüchtlingskindern, die allein 2015 neu an die Schulen kommen, vor einem organisatorischen und finanziellen Kraftakt. „Wir müssen deshalb unsere Schulen stärken“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack am Dienstag dem Tagesspiegel.

Die Schulen seien jetzt gefordert, mit zum Teil schwer traumatisierten Kindern zu arbeiten und Kinder mit vielen verschiedenen Sprachen in einer Klasse zu unterrichten. Es fehlten Sozialarbeiter und Psychologen. Nötig seien zusätzliche Klassenräume und Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache, sagte Hannack. Zudem müssten die Themen Flucht und Asyl in die Lehrerbildung integriert werden. Hannack fordert ein finanzielles Engagement des Bundes, um Länder und Kommunen dabei zu unterstützen. Dafür müsse das Kooperationsverbot aus der Verfassung gestrichen werden.

"Nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen"

Auch der Deutsche Philologenverband forderte am Dienstag dauerhafte Hilfen des Bundes. Um die Flüchtlingskinder ins Schulsystem zu integrieren seien Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe nötig, erklärte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Deutschland dürfe nicht die „Fehler der Vergangenheit“ wiederholen, die dazu geführt hätten, dass viele Kinder der zweiten und dritten Generation von Familien mit Migrationshintergrund bildungsmäßig schlechter dastünden als die der ersten Einwanderergeneration.

Bücher für Kinder in Flüchtlingsheimen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) kündigte an, das Programm „Lesestart“ auf Flüchtlingskinder auszuweiten. Ab März 2016 sollten alle Kinder bis fünf Jahre in den Erstaufnahmeeinrichtungen ein Lesestart-Set mit einem Buch und mehrsprachige Vorlese-Tipps für ihre Eltern erhalten. Außerdem bekämen die Heime eine Lese- und Medienbox für die pädagogische Arbeit. Wankas Ministerium verweist zudem darauf, dass die vom Bund und von der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderten Programme und Projekte zur Alphabetisierung Erwachsener Flüchtlingen offenstehen, um sie beim Deutschlernen zu unterstützen.

Anlässlich des gestrigen Welt-Alphabetisierungstags haben Wanka und KMK-Präsidentin Brunhild Kurth (CDU) eine „Dekade der Alphabetisierung“ ausgerufen. In den kommenden zehn Jahren werde der Bund mit bis zu 180 Millionen Euro Alphabetisierungsprojekte fördern, hieß es.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben