Bildungsmobilität : In der Schule nach unten durchgereicht

30.10.2012 20:16 Uhrvon
Die richtige Schulform finden. Deutschland verwendet darauf viel Energie. Foto: dpa Foto: dpa
Die richtige Schulform finden. Deutschland verwendet darauf viel Energie. Foto: dpa - Foto: dpa

Das deutsche Schulsystem ist durchlässig. Doch vor allem nach unten: Auf jeden Aufsteiger kommen zwei Absteiger, wie eine neue Studie ermittelt hat.

So ist es Tradition in Deutschland: Lehrer und Eltern bemühen sich, nach der Grundschule jeden Schüler derjenigen Schulform zuzuordnen, die zu seinen Leistungen am besten zu passen scheint. Die Entscheidung ist jedoch korrigierbar, das Schulsystem ist durchlässig. Dabei geht es jedoch für die meisten Schüler nach unten, sie werden „abgeschult“, wie es in der Pädagogensprache heißt. Im Schuljahr 2010/2011 kamen auf einen Aufsteiger zwei Absteiger: Rund 50 000 Schüler zwischen Klasse fünf und Klasse zehn wurden auf eine niedrigere Schulform herabgestuft, während nur 23 000 Schülern der Aufstieg gelang. Das geht aus der Studie zum „Schulformwechsel in Deutschland“ hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

„Die Erfahrung schulischen Scheiterns“ könne sich langfristig negativ „auf die Motivation und das Selbstvertrauen des Jugendlichen“ auswirken, erklärt Gabriele Bellenberg, Professorin für Schulforschung und Schulpädagogik in Bochum, in ihrer von der Bertelsmann-Stiftung beauftragten Untersuchung. Die meisten herabgestuften Schüler seien an der Schulform gescheitert, für die sie eine Grundschulempfehlung hatten.

Zwischen den Bundesländern stellt Bellenberg deutliche Unterschiede fest. So kommen in Niedersachsen auf einen Aufsteiger mehr als zehn Absteiger – bundesweit ist Niedersachsen damit führend beim „Abschulen“. In Niedersachsen, Hessen und NRW habe sich die Hauptschule anders als in Bayern und Baden-Württemberg zur „Restschule“ entwickelt. Die anderen elf Länder haben sich von der Hauptschule als eigener Schultyp inzwischen verabschiedet.

In Bayern und Baden-Württemberg gehen noch 25 Prozent der Schüler auf die Hauptschule, die inzwischen mit der Option des mittleren Schulabschlusses aufgewertet wurde. Doch Baden-Württemberg schneidet in der Studie weit besser ab als Bayern. Im Südwesten kommen auf einen Aufsteiger nur 1,5 Absteiger. Die Sitzenbleiberquote ist in Baden-Württemberg deutlich niedriger als in Bayern, das dortige System „deutlich weniger selektiv als das in Bayern“. Baden-Württemberg führe fast 54 Prozent zur Studienberechtigung, Bayern nur 41,2 Prozent.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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