DAAD-Förderung in Ägypten und Tunesien : In Zeiten des Aufruhrs

Seit drei Jahren fördert der Deutsch-Akademische Austauschdienst Universitäten in Ägypten und Tunesien - mit einer intensiven Transformationspartnerschaft. Doch der ständige politische Wandel drückt auf die Lehr-Initiativen.

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Studium unter Attacke: Ein Anschlag im Dezember 2013 an der Wirtschaftsfakultät der Azhar-Uni Foto: dpa
Studium unter Attacke: Ein Anschlag im Dezember 2013 an der Wirtschaftsfakultät der Azhar-UniFoto: dpa

Es sieht beinahe so aus, als wäre Ägypten wieder am Anfang: Das Land hat eine Revolution hinter sich, hat unruhige Wahlen und die Absetzung der Muslimbrüder hinter sich. Nun hat Ägypten wieder das Militär vor sich. Doch : „Egal, ob manche meinen, wir seien wieder dort, wo es vor drei Jahren losging", sagt Hebatallah Fathy, "die Investitionen in die Jugend sind nachhaltig.“ Fathy ist Germanistik-Professorin an der Universität Kairo und Alumna des Deutsch-Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Mit den „Investitionen“ meint sie die Arbeit des DAAD in der seit drei Jahren bestehenden Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft „Wandel durch Austausch“.

Die Partnerschaft, initiiert kurz nach Beginn des Arabischen Frühlings 2011, unterstützt Forschungsprojekte in Ägypten und Tunesien. Mit einer am Dienstag begonnenen Diskussionsreihe zieht der DAAD nun eine Zwischenbilanz: Bislang sind zwei binationale Studiengänge entstanden, 30 Hochschulpartnerschaften wurden aufgesetzt. Vor allem die Geistes- und Sozialwissenschaften stärkt das Förderprojekt – als Reaktion auf die demokratischen Bewegungen seit dem Arabischen Frühling. Auch arabische Studenten sollen verstärkt zum Austausch an deutsche Universitäten geholt werden.

Mit as-Sisi als möglichem neuen Präsidenten Ägyptens kehren auch Ängste an die Unis zurück

Das verläuft nicht immer reibungslos. So wie der politische Wandel kein geradliniger Prozess ist, muss sich auch das Programm des DAAD ständig anpassen. Und mit veränderten Machtstrukturen arrangieren: „Sozialwissenschaftler gelten ja unter Politikern immer als potenzielle Gefahr“, scherzt Oliver Schlumberger und zielt damit auf den Argwohn der ägyptischen Generäle, die derzeit die Macht im Land innehaben. Der Politikwissenschaftler Schlumberger verantwortet einen gemeinsamen Master-Studiengang der Uni Tübingen und der American University in Kairo. Er hofft, dass die Partnerschaft langfristig erhalten bleibt. Sollte sich Feldmarschall Abdalfattah as-Sisi zur Präsidentschaftswahl im Juni aufstellen lassen, droht den Universitäten eine Rückkehr zu Mubarak-Zeiten.

Unkomplizierter gestaltet sich die Wissenschaftsförderung derzeit in Tunesien, das sich zum zögernden Vorbild des arabischen Aufstandes entwickelt hat. Anis Ben Amor leitet in Karthago die Forschungsgruppe „Tunisia in Transition“. Die Gruppe sei ein Pilotprojekt der tunesischen Forschungswelt: Erstmals werden Nachwuchswissenschaftler ernst genommen und in Kolloquien betreut.

Diese akademische Nachwuchsarbeit ist wichtigstes Ziel der Transformationspartnerschaft. Die Ägypterin Fathy hofft auf einen langfristigen Effekt: Aus den Revolutionären von gestern wurden Studenten – und werden die Lehrer und Dozenten von morgen.

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