Digitale Bildung in der Schule : Bremen und Hamburg besser als Berlin

Ländervergleich zur digitalen Bildung an Schulen: Lehrer sind mit Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz am zufriedensten. Berlin liegt im Mittelfeld.

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Mit Tablets können im Unterricht auch Schaubilder erstellt werden. Fehlendes W-Lan schränkt die Einsatzmöglichkeiten extrem ein.
Mit Tablets können im Unterricht auch Schaubilder erstellt werden. Fehlendes W-Lan schränkt die Einsatzmöglichkeiten extrem ein.Foto: dpa

Die meisten Lehrer sind digitalen Medien gegenüber positiv eingestellt: Sie halten die Chancen, die der Einsatz von Computern, Smartphones und Co. in der Schule bietet, für größer als die Risiken. Allerdings ist der regelmäßige Einsatz der digitalen Technik im Unterricht noch lange keine Selbstverständlichkeit. Viele Lehrer sehen deutliche Defizite bei der Ausstattung der Schulen und wünschen sich mehr Unterstützung und Fortbildungen.

Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Studie zum Stand der digitalen Schulbildung in Deutschland. Für den „Länderindikator 2015 – Schule digital“, die von einem Team des Dortmunder Bildungsforschers Wilfried Bos im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung erstellt wurde, wurden 1250 Lehrkräfte interviewt (Hier geht es zum PDF-Download der Studie). Gefragt wurde nach Nutzungshäufigkeit, Ausstattung und Konzepten, Chancen und Risiken und Kompetenzen.

Berliner Lehrer mit der IT-Wartung unzufrieden

Insgesamt am besten bewerten die Lehrer den Stand der digitalen Bildung in Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz. Die Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein schnitten am schlechtesten ab. Berlin landet im Mittelfeld. Schlechter als im Bundesdurchschnitt schätzten die Berliner Lehrer unter anderem die technische Unterstützung bei der IT-Wartung ein. Auch mit der Ausstattung der Schulen mit transportablen Geräten wie Laptops oder Tablets sind die Berliner Lehrer eher unzufrieden, ebenso wie mit der Unterstützung durch landeseigene Medieninitiativen.

Digitalisierung in der Schule.
Digitalisierung in der Schule.Grafik: Tsp/PM

Rund die Hälfte der Lehrkräfte (47,6 Prozent) gab an, mindestens einmal die Woche digitale Medien im Unterricht einzusetzen. Am häufigsten geschieht dies in Bayern: Rund 70 Prozent arbeiten mindestens einmal die Woche damit. In Brandenburg und Hessen tun dies dagegen nur rund ein Viertel der Lehrkräfte.

Da sei noch viel Luft nach oben, sagte Wolfgang Schuster von der Telekom-Stiftung bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag. Nach der internationalen Vergleichsstudie ICILS von 2013 liegt Deutschland bei der Häufigkeit der Computernutzung im Unterricht auf dem letzten Platz. „Der Umgang mit digitalen Medien ist eine Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, sagte Schuster. Ohne Computerkompetenzen sei eine berufliche Teilhabe nicht mehr möglich.

"Einfach nur die Geräte in die Schule bringen, das reicht nicht"

Am meisten habe ihn überrascht, dass die Lehrer die Chancen digitaler Medien inzwischen deutlich positiver einschätzen als noch vor zwei Jahren, sagte Bildungsforscher Wilfried Bos. Rund 90 Prozent der Lehrer glauben demnach, dass Computer ihren Schülern den Zugang zu besseren Informationsquellen ermöglichen. Und über 70 Prozent der Lehrer glauben, der Einsatz von Computern könne Schülern dabei helfen, besser auf ihrem individuellen Lernniveau zu arbeiten. Skeptischer sind die Lehrer allerdings bei der Frage, ob digitale Medien die schulischen Leistungen verbessern. Das glauben nur 55 Prozent der Befragten. Und fast die Hälfte ist der Meinung, dass der Einsatz von Computern zu schlechteren Schreibfähigkeiten führt.

„Einfach nur die Geräte in die Schule zu bringen, das reicht nicht“, sagt denn auch Wilfried Bos. Die Schulen müssten didaktische Konzepte ausarbeiten, und dann die dazu passende Technik einsetzen. Dafür bräuchten sie Unterstützung: Fortbildungen für die Lehrkräfte, geeignete Unterrichtsmaterialien und Lernplattformen, funktionierende Hard- und Software und außerdem Personen, die sich um Konzept und Wartung kümmern. „Das geht nicht nebenbei“, betont Bos.

Manchmal helfen auch schon Kleinigkeiten, etwa wenn in allen Klassenzimmern das W-Lan funktionieren würde. Das ist an deutschen Schulen noch lange keine Selbstverständlichkeit.

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