Erzieherinnen und Kindheitspädagoginnen : Mehr Studierte in die Kita

In der Bildung für die Jüngsten wachsen die Ansprüche. Doch die Ausbildungsgänge erfüllen nicht alle Wünsche - auch nicht die Aufstiegshoffnungen des Kita-Personals.

von
Eine junge Frau und ein kleines Mädchen kleckern Farbe auf eine Glasscheibe.
Konzentriert auf das Kind. Eine zu enge Ausrichtung der Erzieherausbildung an Fachschulen, aber auch von Kindheitspädagoginnen an...Foto: Waltraud Grubitzsch/picture alliance/dpa

In der Kita werden die Weichen gestellt. Je höher die Qualität der Kindertagesstätte ist und je länger die Kinder dort betreut werden, desto besser sind die Chancen, in der Grundschule gut zu lernen und den Sprung auf eine weiterführende Schule zu schaffen. Das haben Studien gerade für Kinder aus bildungsfernen Familien bestätigt. Durch den Rechtsanspruch auf Krippen- und Kitaplätze wurden die Einrichtungen im vergangenen Jahrzehnt stark ausgebaut, wodurch der Bedarf an Fachkräften weiter gestiegen ist. Seit dem Pisa-Schock von 2001 werden Kitas zunehmend als Bildungseinrichtungen gesehen. An ihr Personal richten sich höhere Ansprüche – und die Frage, wer sie besser erfüllen kann: Erzieherinnen und Erzieher mit Fachschulausbildung oder studierte Kindheitspädagoginnen und -pädagogen?

Erst 5,4 Uni- oder FH-Abolventinnen beim Kita-Personal

Voraussetzung für die eine Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik ist heute mindestens der Realschulabschluss. Die Kultusminister legten 2010 und 2011 Kompetenzen fest, über die Erzieher und Erzieherinnen nach ihrer dreijährigen Ausbildung (davon ein Jahr Berufspraktikum) verfügen sollten. Gleichzeitig sind neuartige Studiengänge in Pädagogik der Kindheit entstanden. Seitdem die ersten Bachelorabsolventinnen auf dem Arbeitsmarkt sind, hat sich der Anteil der einschlägig akademisch gebildeten Fachkräfte in den Kitas dem „Fachkräftebarometer“ zufolge von 2006 bis 2015 auf 29455 Personen mehr als verdoppelt. Knapp 4000 davon kommen aus den Studiengängen für Kindheitspädagogik. Der Anteil der Uni- oder FH-Absolventen an der Gesamtzahl der pädagogischen und leitenden Kitakräfte ist aber mit 5,4 Prozent weiter sehr gering.

„Von einer generellen Professionalisierung des Erzieher_innenberufs sind wir augenblicklich noch weit entfernt“, urteilt die Berliner Politologin Helga Ostendorf in einer neuen Studie über „Bildungschancen von Erzieher_innen“ für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Ihre Kritik bezieht sie vor allem auf die Fachschulen, deren Absolventinnen noch immer 95 Prozent des pädagogischen Kita-Personal ausmachen. Doch sie übt auch massive Kritik an den Studiengängen.

Kita-Erzieherin - ein weiblicher Sackgassenberuf?

Die Anforderungen der Schulen seien noch immer sehr unterschiedlich, stellt Ostendorf fest. Zum Mittleren Schulabschluss muss eigentlich eine Berufsausbildung kommen. Anerkannt würden aber auch gleichwertige Qualifizierungen wie die Arbeit als Au Pair oder ein soziales Jahr. Ob die Fachschulen tatsächlich die nötigen Kompetenzen für die Betreuung und Bildung der Kinder vermittelten, werde von der Kultusministerkonferenz nicht überprüft. Die Arbeit in der Kita gelte trotz der Ausbildungsreformen und der großen Nachfrage als „weiblicher Sackgassenberuf“: 95 Prozent sind Frauen und sie haben kaum Aufstiegschancen, weil die Ausbildung sie auf die Arbeit mit Kindern festlegt, stellt Ostendorf fest. Stattdessen wählen viele den Ausstieg: Nur ein Drittel der Ausgebildeten arbeitet tatsächlich in ihrem Beruf. Insbesondere Männer kehren der Kita den Rücken.

Mehr als die Hälfte der Kitas ohne Leitungsstellen

Ostendorf führt dies auf die Gehälter zurück. Trotz der 2015 erkämpften Lohnerhöhungen erreichen Erzieher erst im vierten Berufsjahr mit 2890 Euro das Durchschnittsgehalt aller Rentenversicherungspflichtigen. Dabei verdient nicht einmal die Hälfte das volle Gehalt, die Mehrzahl hat (oft unfreiwillig) Teilzeitstellen. Überdurchschnittlich gut ist die Bezahlung erst für Leitungskräfte großer Kitas mit mehr als 180 Plätzen – je nach Berufserfahrung 3445 bis 5197 Euro. „Die Chance jemals eine solche Position zu erreichen, ist jedoch äußerst gering“, schreibt Ostendorf. Mehr als die Hälfte der Tagesstätten habe gar keine „offizielle“ Leitung, die Koordinatorinnen würden dort wie Erzieher mit schwierigen Tätigkeiten entlohnt.

Finanziell zahlt sich ein FH-Abschluss kaum aus

Ein Fachhochschulabschluss zahle sich dabei kaum aus. Zwar seien die Jobchancen wegen der großen Nachfrage nach Erzieherinnen sehr gut. Hinsichtlich unerwünschter Befristungen und dem Aufstieg auf Leitungspositionen stünden die Bachelorabsolventinnen etwas besser da. Bei der Bezahlung aber seien beide Ausbildungsgänge gleichgestellt. Ostendorf folgert, dass sich die Studiengänge der Frühpädagogik „nicht bewährt“ hätten. Mit einem Studentinnen-Anteil von 93 Prozent und mangelnden Aufstiegschancen seien auch sie typische „Frauen-Ausbildungen“, die nur für ein enges Tätigkeitsfeld qualifizierten. Die Studiengänge hätten „denselben Konstruktionsfehler wie die Erzieher_innenausbildung“.

Ostendorf plädiert dafür, für Positionen mit konzeptionellen Aufgaben – wie etwa die Gruppenleitung – einen Hochschulabschluss zur Bedingung zu machen. Langfristig aber solle das Kitapersonal nur noch an Hochschulen ausgebildet werden – allerdings nicht in den bislang existierenden frühpädagogischen Studiengängen. Um Sackgassen zu vermeiden, wäre ein umfassender qualifizierendes Studium der Sozialpädagogik mit Spezialisierung in Frühpädagogik sinnvoller.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben