Förderung in der Grundschule : Lob des Hilfslehrers

04.01.2013 15:28 Uhrvon
Allein mit der Vielfalt. Drei Viertel der deutschen Lehrer haben der Iglu-Studie zufolge keine Helfer. Foto: Mike Wolff
Allein mit der Vielfalt. Drei Viertel der deutschen Lehrer haben der Iglu-Studie zufolge keine Helfer. - Foto: Mike Wolff

Bildungsforscher setzen auf Assistenten im Klassenraum, die Kinder individuell fördern. In England gibt es immer mehr von ihnen, in Deutschland sind sie selten. Vorreiter sind Bayern und Baden-Württemberg.

Fast ein Viertel der Grundschüler in Deutschland müsste im Lesen zusätzlich gefördert werden. Tatsächlich erhalten aber nur gut zehn Prozent der Viertklässler eine Leseförderung. Das hat wie berichtet die internationale Schulstudie Iglu 2011 ergeben, die im Dezember vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Lehrkräfte, die es mit 20 bis 25 Kindern zwischen acht und zehn Jahren aus Familien aus ganz unterschiedlichen sozialen Milieus und Bildungshintergründen zu tun haben, sind mit der individuellen Förderung oft überfordert.

Helfen könnten ihnen zusätzliche Leseexperten oder andere Hilfslehrkräfte, die sich einzelnen Schülern oder kleinen Gruppen widmen.

Doch die gibt es in Deutschland zu selten, kritisieren die Iglu-Forscher. Fast 75 Prozent der Lehrer geben an, dass sie keine Hilfe von Fachspezialisten wie etwa Leseexperten bekommen; knapp 66 Prozent können nicht auf zusätzliche Hilfslehrkräfte zurückgreifen. Damit gehört Deutschland in der EU zu den Schlusslichtern.

Anderswo ist das Verhältnis umgekehrt: In England, Finnland, Malta und Portugal stehen in mehr als 70 Prozent der Fälle Hilfslehrer zur Verfügung. Von Lesehelfern und anderen Spezialisten wird in Finnland und Irland nahezu jede Lehrkraft unterstützt, in England und den Niederlanden sind es noch je drei Viertel.

Eine lange Tradition haben Hilfslehrer in England, ein teaching assistant kommt auf zwei reguläre Lehrkräfte. Eine pädagogische Ausbildung brauchen die Assistenten nicht. Die Position gilt vielmehr als idealer Job für nicht berufstätige Elternteile, die sich in der Schule ihrer Kinder engagieren wollen. Sie machen Förderangebote, helfen bei Projekttagen. Vorausgesetzt wird eine gute Schulbildung, ein polizeiliches Führungszeugnis und ehrenamtliche Erfahrungen im Schulbereich. Dann kann das Engagement zu einem guten Zubrot werden; Vollzeitkräfte verdienen umgerechnet bis zu 18 000 Euro im Jahr.

Umstritten ist allerdings, dass die teaching assistants, deren Zahl sich seit der Jahrtausendwende fast verdreifacht hat, mehr und mehr regulären Unterricht übernehmen. Darüber hinaus kürzte die Regierung 2010 Zuschüsse für die Weiterbildung der Assistenten, die dadurch höhere Qualifizierungslevel und eine bessere Bezahlung erreichen können.

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