Lehrerbildung : Migranten vor die Klasse

Politiker werben um Pädagogen mit ausländischen Wurzeln, auch nach dem Bundesländervergleich von Viertklässlern wird der Ruf nach mehr Lehrern mit Migrationshintergrund lauter werden. Die Forschung dazu steht jedoch am Anfang.

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Gute Vorbilder gesucht. Die Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund wächst. Doch jetzt hat die neue Grundschulstudie gezeigt, dass die Schulen ihnen häufig nicht gerecht werden. Viele Initiativen werben darum, dass mehr Migranten Lehrer werden.
Gute Vorbilder gesucht. Die Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund wächst. Doch jetzt hat die neue Grundschulstudie gezeigt,...Foto: DAVIDS

1990 betrat Yalda zitternd vor Aufregung mit einer bunten Schultüte im Arm zum ersten Mal die Grundschule Mümmelmannsberg im Hamburger Osten. Vier Jahre zuvor war sie mit ihren Eltern aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, erst in ein Asylbewerberheim, dann zu einer Tante nach Hamm, schließlich nach Hamburg. Heute steht Yalda Ghahreman in dieser Schule als Referendarin vorne am Lehrerpult und erklärt den Kindern der 2d in akzentfreiem Deutsch einen Arbeitsbogen, auf dem Fußbälle in Fünfergruppen eingekreist werden sollen. 20 Schüler sitzen an den Tischen, nur zwei davon sind deutsch. Der Migrantenanteil in Mümmelmannsberg beträgt knapp 47 Prozent; die Zahl der Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfänger ist überdurchschnittlich hoch.

Die 28-jährige Afghanin ist das, was sich alle Bildungspolitiker wünschen und alle Schuldirektoren händeringend suchen: eine Lehrerin mit Migrationshintergrund. In Wahrheit ist sie eine Exotin. Nur schätzungsweise ein Prozent der Lehrer in Deutschland stammt aus Zuwandererfamilien, während in der Schülerschaft fast jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund hat, in manchen Städten jedes zweite. Auch bei den Lehramtsstudierenden ist gerade mal jeder fünfzigste ein Bildungsinländer, hat also an einer deutschen Schule Abitur gemacht, aber ist kein deutscher Staatsbürger.

Von Pädagogen mit ausländischen Wurzeln verspricht man sich viel. Sie machten „Vielfalt in der Schule bewusst“, heißt es in dem Integrationsprogramm, das Innenminister Thomas de Maizière 2010 auf dem Höhepunkt der Sarrazin-Debatte vorstellte. Sie hätten häufig einen „besseren Blick für die verborgenen Ressourcen von Schülern mit Migrationshintergrund“. Sogar Bundespräsident Joachim Gauck ermutigte unlängst junge Menschen mit ausländischer Herkunft, den Lehrerberuf zu ergreifen: „Es gibt so viele Schulen, die Unterstützung brauchen.“ Nach dem am vergangenen Freitag veröffentlichten Bundesländervergleich von Viertklässlern wird der Ruf nach mehr Lehrern mit Migrationshintergrund noch lauter werden. Wieder wurden den Schülern mit ausländischen Wurzeln große Rückstände zu ihren Mitschülern attestiert.

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