Patenschaft für Berliner Schüler : Im Tandem zum Erfolg

Die studentische Initiative "100 Paten für Berlin" sucht engagierte Berliner, die ein Patenkind mit besonderem Förderbedarf im Alltag unterstützen. Gefragt ist nicht nur Nachhilfe in der Schule, sondern auch gemeinsame Freizeitaktivitäten.

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Gemeinsam lernen. Jura-Doktorand Gernot (links) gab Hassan Nachhilfe in kritischen Fächern.
Gemeinsam lernen. Jura-Doktorand Gernot (links) gab Hassan Nachhilfe in kritischen Fächern.Foto: Schülerpaten Berlin e.V.

Dass aus Hassan einmal ein hoffnungsvoller Mechatronik-Lehrling werden würde, war in der Realschule noch nicht unbedingt abzusehen. Mit 15 war seine Versetzung stark gefährdet. Seine Schullaufbahn nimmt eine erfolgreiche Wende, als der Jura-Doktorand Gernot (damals 25) eine Patenschaft für Hassan übernimmt. Einmal die Woche gibt Gernot Hassan Nachhilfe in besonders kritischen Fächern. Schon bald gibt es erste Erfolge: Eine Eins in einer Mathearbeit etwa. Hassan beschließt, unbedingt seinen mittleren Schulabschluss bestehen zu wollen. Auch Hassans Eltern - die Familie stammt aus dem Libanon und wohnt mit ihren sieben Kindern in Schöneberg – sind begeistert über die Nachhilfe.

Das war vor mehreren Jahren. Inzwischen hat Hassan nicht nur den Schulabschluss bestanden, sondern auch seine Wunsch-Ausbildungsstelle als KFZ-Mechatroniker gefunden. Gernot kann dabei nicht mehr helfen, als Freunde treffen sie sich aber immer noch regelmäßig. Hassans Geschichte findet sich als „Erfolgsstory“ auf der Webseite „100 Paten für Berlin“. Dahinter steckt eine Kampagne von Studierenden der TU, FU und der UdK. Das Ziel: Hundert engagierte Berlinerinnen und Berliner finden, die eine ähnliche Patenschaft für ein förderbedürftiges Kind übernehmen. „Viele Kinder in Berlin wachsen auf, ohne ihre Potenziale ausschöpfen zu können“, heißt es in einer Mitteilung der Studierenden.

Ziel der Aktion: Pate und Patenkind treffen sich einmal in der Woche. Dabei soll es nicht nur um Nachhilfe gehen; auch die Freizeit können Paten mit ihren Patenkindern verbringen, um diese über ihren  bisherigen Horizont blicken zu lassen. „Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten stärken das Selbstbewusstsein des Kindes“, erklärt Laura Bauer. Bauer arbeitet im Verein „PaSch – Paten für Schüler“, der mit anderen Vereinen im „Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften“ zusammengeschlossen sind. Das Netzwerk unterstützt die studentische Initiative „100 Paten für Berlin“.

Auf der Webseite finden Interessierte Ansprechpartner für mögliche Patenschaften. Paten werden in einem Workshop auf ihre Aufgabe vorbereitet, während der Patenschaft steht ein Ansprechpartner des jeweiligen Vereins zur Verfügung. Auch Fortbildungen und Treffen mit anderen Tandems sind möglich.

Die Webseite „100 Paten für Berlin“ entstand im Rahmen eines Projektseminars zu Online-Campaigning an der TU. Interessierte können sich direkt auf der Webseite anmelden und werden dann an passende Patenschaftsvereine weitervermittelt.  Zusätzlich wollen die Studierenden durch eine Facebook-Seite, Flyer und weitere Aktionen auf das Vorhaben aufmerksam machen.

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