Pisa-Studie : Deutsche Schüler beim Problemlösen nur leicht über OECD-Schnitt

Deutsche Schüler können Alltagsprobleme laut einer Pisa-Sonderauswertung nur leicht besser als der OECD-Schnitt lösen. Ein Fünftel scheiterte sogar am Basisniveau - dabei erinnert dort eine Frage an eine Shoppingtour bei einem schwedischen Möbelhaus.

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Problemlöser: Deutsche Schüler sind "gutes Mittelfeld"
Problemlöser: Deutsche Schüler sind "gutes Mittelfeld"Foto: dpa

Im "guten Mittelfeld" liegen die deutschen Schüler, wenn es um das Lösen von Alltagsproblemen geht. So steht es in der Sonderauswertung der aktuellen Pisa-Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse seien aber niedriger, als angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften zu erwarten seien. An der Spitze des internationalen Vergleichs liegen demnach Singapur, Südkorea und Japan. Ähnlich wie Deutschland schneiden zum Beispiel Österreich, Großbritannien, Frankreich und die USA ab.

Eine Aufgabe: Billige Möbelstücke aus einem Katalog suchen

Unter "Problemlösen" versteht die Pisa-Studie die Fähigkeit, "Alltagsaufgaben zu lösen, wo eine Lösungsmethode nicht unmittelbar ersichtlich ist". Bei einer sehr einfachen Aufgabe sollten die Schüler zum Beispiel herausfinden, welches das billigste Möbelstück in einem Möbelkatalog ist, in dem mehrere verschiedene Modelle und Preisklassen abgebildet sind. In Deutschland schneiden laut der Ergebnisse vor allem die schwächeren Schüler noch einmal schwächer ab, als zu erwarten gewesen wäre. Fast 20 Prozent erreichen nicht einmal das Basisniveau (Level 2). In Japan und Südkorea hat diese Gruppe nur einen Anteil von sieben Prozent. Getestet werden bei Pisa 15-Jährige.

In der Spitzengruppe landen mehr Jungen

Zu den leistungsstärksten Problemlösern (Level 5 und 6) gehören in Deutschland 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler. In anderen Ländern ist diese Gruppe deutlich größer: In Japan und Südkorea liegt sie bei über 20 Prozent. Auffällig für Deutschland ist, dass in den Spitzengruppe Jungen mit 60 Prozent überrepräsentiert sind. Der soziale und ökonomische Hintergrund ist beim Problemlösen weniger prägend als bei den anderen in der Pisa-Studie erhobenen Leistungen. Anders als in der Mathematik würden Problemlösungsfähigkeiten offenbar auch in "nicht schulbezogenen Kontexten erworben", heißt es bei den Pisa-Forschern.

In den anderen Bereichen hatten sich die Deutschen verbessert

Die Ergebnisse in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften waren bereits im Dezember des vergangenen Jahres veröffentlicht worden. Die deutschen Schülerinnen und Schüler hatten dabei zugelegt und lagen erstmals in allen drei Bereichen über dem internationalen Durchschnitt.

Für Pisa wurden im Jahr 2012 weltweit 510.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren getestet, in Deutschland nahmen im April und Mai 2012 rund 5000 Jugendliche aus 228 Schulen teil. Beispielaufgaben für die Mathematik finden Sie hier, fürs Lesen hier, für die Naturwissenschaften hier. Die Studie erscheint im Drei-Jahres-Rhythmus, die aktuelle Veröffentlichung ist die fünfte Auflage der Untersuchung. Die erste Veröffentlichung im Jahr 2001 hatte in Deutschland wegen schwacher Ergebnisse einen Schock ausgelöst und zu zahlreichen Reformanstrengungen in der Schule geführt.

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