Ratgeber für Abiturienten : Vom schlechten Schüler zum 1,0-Abi

Pauken, lesen, melden: Eine knallharte Anleitung zum Schulerfolg. Geschrieben von einem, der erst in der Oberstufe beschlossen hat, sich anzustrengen.

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Ein junger Mann sitzt schreibend an einem Tisch.
Jeder kann es schaffen. Das will Buchautor David Weinstock seinen Lesern vermitteln. Im ersten Semester lernte er nach der Schule...Foto: Felix Kästle; picture alliance / dpa

Schüler träumen vom Nürnberger Trichter. Manche legen immer noch das Buch unters Kopfkissen, weil das Wissen vielleicht doch osmotisch durch die Federn ins Gehirn dringt. Die Beschwörungsrituale von Pubertisten sind ungezählt. Auch in digitalen Zeiten machen sie sich noch ausgeklügelte Spickzettel, andere versuchen es mit dem Knopf im Ohr. Lernen für die Klassenarbeit oder die Klausur, der direkte Weg vom Lesen der Texte zum Begreifen des Stoffs gilt dagegen als mühsam.

Ein staubtrockenes Patentrezept, ohne Tricks und Drogen

Und da kommt David Weinstock mit einem staubtrockenen Patentrezept daher und verspricht die magische 1,0 bei überschaubarem Einsatz und altmodischem Lernverhalten, alles ohne Tricks, Drogen, Medikamente und auch ohne den direkten Draht vom Pult zum besten Freund mit dem Mathehirn auf dem Schulhof. David Weinstock nämlich kennt die Welt des schlechten Schülers, er war mal einer. Heute studiert der 21-Jährige im dritten Semester Business Management am Touro College in Berlin.

Irgendwann vor Beginn der Oberstufe ging dem Schüler, der eher mit Dreien, Vieren und Fünfen unterwegs war, der seinen Lehrern auf die Nerven ging, einmal sogar schon vor dem Rauswurf stand, ein Licht auf. Ihm wurde klar, dass er unter seinen Möglichkeiten blieb. Er war keiner von den Jungs, die ein besonderes Talent hatten und sonst Durchschnitt waren. Er war einfach insgesamt ein uninspirierter, fauler Schüler, der auch gern mal schwänzte. Und dann beschloss er, ein gutes Abitur zu machen.

Andere tummelten sich im Schwimmbad, er füllte Wissenslücken

Als er sich in den Sommerferien vor der Oberstufe an den Schreibtisch setzte, schwor er sich, „alles zu tun, um mein Ziel zu erreichen … Ich war bereit, meine komplette Freizeit aufzugeben, falls mein Ziel dies verlangte. Hätte ich jeden Nachmittag sechs Stunden lernen müssen, hätte ich es ohne mit der Wimper zu zucken getan.“ Radikal? Er hielt durch.

Während die anderen sich im Schwimmbad tummelten, füllte er seine Wissenslücken auf, die sich in den früheren Jahren aufgetan hatten. Die ersten Monate des Semesters waren noch kein Zuckerschlecken, immer wieder musste er Grundlagenstoff nachlernen, um die angepeilten Punkte schaffen zu können. So saß er schon drei, vier Stunden jeden Nachmittag in seinem Zimmer und lernte. Kein Trichter, kein Schleichweg, keine Abkürzung, einfach nur pauken. Warum gab er nicht auf? Was war sein Geheimnis? „Dass ich die Schule zu meiner obersten Priorität machte und alles andere hintanstellte.“

Schon im zweiten Semester hatte er wieder "massig Freizeit"

Wenn man dem jungen Autor glauben darf, dann waren seine sich bald einstellenden guten und sehr guten Noten nicht dem plötzlichen Aufbrechen seiner unerhörten Intelligenz geschuldet, sondern wirklich nur harter, systematischer Arbeit zu verdanken. Im zweiten Semester zahlte sich die einer Spaßbremse würdige Arbeitseinstellung bereits aus, es reichten fortan anderthalb Stunden, um trotzdem eine Eins mit Sternchen zu erzielen. Weinstock beteuert, er hatte „massig Freizeit“, engagierte sich als Schulsprecher und zog ganz nebenbei noch eine kleine Internetfirma mit gebrauchten Golfbällen hoch.

In einem freilich unterscheidet sich der zielstrebige Junge von den meisten Quartalsarbeitern: „Ich wusste aber die ganze Zeit über, dass ich auf der Stelle mit all den netten Freizeitaktivitäten aufhören würde, sobald meine Leistungen in der Schule nachließen.“ Der einst schlechte Schüler entwickelte eine „I will do it at any cost“-Mentalität, um auch für Rückschläge gewappnet zu sein und ständige Kurskorrekturen vornehmen zu können, wenn das Ziel, die besagte 1,0, aus dem Visier zu geraten drohte.

Tipps bis hin zum opportunistischen "Passe dich dem Lehrer an"

Weinstocks Anleitung liest sich bisweilen etwas unheimlich, weil er wie ein emotionsloser, hypereffektiver Streber klingt, den nichts von seinem Ziel abbringen kann. Und doch ist das Buch für Schüler ein nützlicher Leitfaden, weil Weinstock nicht nur Verzicht und Planung predigt, sondern handfeste Tipps gibt bis hin zum nahezu opportunistischen „Passe dich deinem Lehrer an“.

Zu den Arbeitsanleitungen gehört sein Rat, viel zu lesen, mindestens ein Buch pro Woche. „Das hat den Vorteil“, erklärt er großväterlich, „dass man das tägliche Lesen damit zum Ritual macht.“ Doch die praktischen Konsequenzen für den lesenden Schüler zählt er gleich mit auf: „Jeden Tag liest man ein wenig schneller, jeden Tag wird man intellektuell leistungsfähiger, jeden Tag schreibt man selber bessere Texte, jeden Tag benutzt man treffendere Vokabeln.“

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