Schlank durch Wasser? : Mit Wasser gegen das Übergewicht

Angeblich bewirkt die Flüssigkeit wahre Wunder, wenn es darum geht, abzunehmen. Klinische Studien bestätigen das aber nur zum Teil.

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Das hilft sicher. Wer Durst mit Wasser statt Limonade löscht, erspart seinem Körper viele Kalorien.
Das hilft sicher. Wer Durst mit Wasser statt Limonade löscht, erspart seinem Körper viele Kalorien.Foto: picture alliance / dpa

Die Fastenzeit naht, viele sind derzeit aber aus rein weltlichen Gründen auf Diät. Als einer der großen Helfer beim Abnehmen gilt seit einigen Jahren das Wundermittel Wasser. „Schluck dich schlank!“, so heißt die Devise. Oder sogar: „Wasser trinken löscht Kalorien.“

Diese Hoffnung bekam Auftrieb, als ein Team um Michael Boschmann vom Franz-Volhard-Zentrum für Klinische Forschung der Charité vor gut zehn Jahren zunächst eine kleine Gruppe Normalgewichtiger, später auch eine Gruppe gesunder Übergewichtiger auf nüchternen Magen einen halben Liter Leitungswasser trinken ließ und feststellte, dass sie anschließend 30 bis 50 Kilokalorien mehr verbrannten als Probanden, die eine Salzlösung oder eine kleinere Menge Wasser getrunken hatten. Wer vor jeder Mahlzeit ordentlich kaltes Wasser trinkt, aktiviert die Verdauung und erhöht so seinen Energieverbrauch; das könnte sich binnen Jahresfrist in einer Differenz von einigen Kilos bemerkbar machen. So lautete zumindest die – nicht unumstrittene – Hypothese, die sich aus den Veröffentlichungen im „Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism“ ableitete.

Die Forscherinnen fanden verblüffend wenig gute Studien

Physiologische Grundlagenforschung ist das eine, klinische Studien, die untersuchen, was eine noch so plausible Maßnahme unter Alltagsbedingungen bringt, sind das andere. Eine Arbeitsgruppe um Rebecca Muckelbauer von der Berlin School of Public Health der Charité hat deshalb nach Studien gefahndet, die sich mit der Rolle des Wassertrinkens bei der Regulation des Gewichts befassen. Elf Originalarbeiten und zwei systematische Überblicksartikel genügten ihren methodisch strengen Anforderungen. „Angesichts der enormen Präsenz des Themas ist es erstaunlich, dass nur so wenige gute Studien den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Wassertrinken untersucht haben“, sagt Muckelbauer. Und, was noch erstaunlicher sein mag: Nur drei der elf Untersuchungen stützen die These, dass es beim Abnehmen hilft, viel Wasser zu trinken.

Zu diesem Schluss kommen die Autorinnen in ihrer Analyse, die im „American Journal of Clinical Nutrition“ erschienen ist. So belegt eine Studie, dass ältere Übergewichtige, die vor jeder Mahlzeit einen halben Liter Wasser getrunken hatten, nach drei Monaten rund zwei Kilo mehr abgenommen hatten als Teilnehmer der Kontrollgruppe, die ansonsten dieselbe Diät einhielten. Die Fortsetzungsstudie ist nicht ganz so eindeutig, gibt aber immerhin Hinweise darauf, dass der Trend danach anhielt. Sechs Querschnittstudien führten dagegen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Für Muckelbauer ist klar: „Ob es Erwachsenen beim Abnehmen hilft, viel Wasser zu trinken, ist längst noch nicht hinreichend untersucht.“

Ein Glas Wasser ist allemal besser als ein Softdrink

Noch weniger ist darüber bekannt, ob das Trinken von viel Wasser bei Erwachsenen vorbeugend wirkt und vor Übergewicht schützt. Muckelbauer hat, damals noch in Dortmund tätig, zumindest bei Kindern für etwas Klarheit gesorgt. Für die „TrinkFit“-Studie wurden in 17 Grundschulen Wasserspender aufgestellt, an denen sich die Schüler bedienen konnten. Die Kontrollgruppe bildeten Kinder aus 15 Grundschulen in Essen, die diesen Komfort nicht genossen. Am Ende des Schuljahrs wurden die Kinder gemessen und gewogen, und tatsächlich gab es in den Dortmunder Grundschulen weniger übergewichtige Kinder als in Essen.

Vermutlich haben die Kinder keine oder deutlich weniger Softdrinks und Säfte mitgebracht, weil es verlockend war und bald zum guten Ton gehörte, sich in den Pausen am Wasserspender mit einem Null-Kalorien-Drink zu bedienen, schätzt die Wissenschaftlerin. Sie müssen insgesamt nicht unbedingt mehr getrunken haben, nur haben sie sich nicht mit zuckerhaltigen Getränken zusätzliche Energie zugeführt.

Für die nächste Studie kommen Wasserspender ins Büro

Was die übergewichtigen Teilnehmer über 50 betrifft, die in den Interventionsstudien mehr getrunken und erfolgreicher abgenommen haben, so ist nach Einschätzung von Muckelbauer ein anderer Effekt in Betracht zu ziehen. „Das vor jeder Mahlzeit getrunkene Wasser könnte zumindest kurzfristig ein Sättigungsgefühl bewirkt haben“, sagt sie.

Die Forscherin plant nun eine Studie, für die einer größeren Gruppe von Arbeitnehmern Wasserspender zur Verfügung gestellt werden, wieder im Vergleich mit einer Kontrollgruppe aus anderen Firmen, die ihren Angestellten dieses Angebot nicht machen. Auch hier soll der Erfolg, ähnlich wie bei den Schülern, nach Jahresfrist anhand einer großen Wiege-Aktion ermittelt werden.

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