Serie: Gender in der Forschung (9) : Ökonomie fängt im Haushalt an

Warum Frauen trotz Gleichberechtigung stärker für Küche und Kinder zuständig sind als Männer.

Christine Bauhardt
Zuständig. Ob die Mutter oder der Vater im Job kürzertritt, ist nicht nur eine individuelle Entscheidung. Denn Männer verdienen mehr Geld.
Zuständig. Ob die Mutter oder der Vater im Job kürzertritt, ist nicht nur eine individuelle Entscheidung. Denn Männer verdienen...Foto: picture alliance / dpa

Ökonomie ist die Kunst der Haushaltsführung, so hieß es im antiken Griechenland. Das verstaubte Leitbild der Hausfrau und Mutter hat im 21. Jahrhundert längst ausgedient. Aber trotz Emanzipationsideal und der Forderung nach Chancengleichheit der Geschlechter besteht die einseitige Zuständigkeit von Frauen für die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit fort.

Die kürzlich erschienene Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes zeigt erneut: Sorgearbeit für Menschen, die noch nicht oder nicht mehr für sich selbst sorgen können, wird in unserer Wirtschaftsordnung weitgehend von Frauen geleistet. Auch wenn Väter von kleinen Kindern sich mehr Zeit für ihre Kinder wünschen, ist die tatsächliche Beteiligung von Männern an Haus- und Versorgungsarbeit nach wie vor gering: Im Schnitt verbringen Männer drei Stunden pro Woche in der Küche, Frauen sieben – ganz ähnlich sieht es beim Putzen und Waschen aus.

Väter spielen hauptsächlich mit ihren Kindern

Väter verbringen täglich durchschnittlich fünfzig Minuten mit ihren Kindern, wobei sie hauptsächlich mit ihnen spielen oder Sport treiben. Mütter kümmern sich in den hundert Minuten des täglichen Zusammenseins mit ihren Kindern um deren Körperpflege, sie beaufsichtigen die Kinder, während gleichzeitig andere Haushaltstätigkeiten erledigt werden, und sie begleiten die Kinder zur Schule oder Freizeitaktivitäten. Auch die Betreuung der Hausaufgaben liegt ganz wesentlich in der Verantwortung der Mütter.

Überholt geglaubte Muster wiederholen sich

Zwar verweist die Zeitbudgetstudie auch auf Veränderungen der Zeitnutzung. Dabei fällt die Zunahme der Erwerbstätigkeit von Frauen ohne Kinder besonders ins Auge. Aber sobald Kinder zu versorgen sind, wiederholen sich überholt geglaubte Muster der Arbeitsteilung: Mütter reduzieren ihre Erwerbstätigkeit, Väter verbleiben in der Vollzeiterwerbstätigkeit. Nicht selten erhöhen Väter sogar ihre tägliche Arbeitszeit, um den Verdienstausfall der Partnerin zu kompensieren. Während die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen also direkt abgeleitet ist von der Sorgeverantwortung für andere Menschen, verbringen Männer zwei Drittel der täglichen Zeit mit bezahlter und ein Drittel mit unbezahlter Arbeit – und zwar unabhängig davon, ob sie mit Kindern im Haushalt leben oder nicht.

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