Umfrage beim Lehrerkongress in Berlin : Was Lehrer aus Europa und der Welt umtreibt

Ständige Reformen, Einzelkämpfertum, zu volle oder zu leere Lehrpläne und schwache Schüler – wir haben beim internationalen Lehrerkongress in Berlin mit Teilnehmern gesprochen.

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Wie alle am besten fördern? Lehrer sollten sich häufiger austauschen, finden manche von ihnen. Das Foto zeigt Kinder von Einwanderern in der Schule PS 45 in Buffalo im Bundesstaat New York, USA im Januar 2016 während eines Geigenkonzerts.
Wie alle am besten fördern? Lehrer sollten sich häufiger austauschen, finden manche von ihnen. Das Foto zeigt Kinder von...Foto: picture alliance / dpa

Wie sehen Lehrkräfte im Ausland ihren Beruf, vor welchen Herausforderungen stehen Lehrerinnen und Lehrer? Wir haben einige der 400 Schulexperten aus 23 Staaten befragt, die am „International Summit on the Teaching Profession 2016 (ISTP)“ in Berlin teilnehmen. Im Berliner Congress Center (bcc) am Alexanderplatz geht es zwei Tage lang um das Thema „Professionalisierung von Lehrkräften: Voraussetzungen für gute Unterrichtsqualität und beste Lernergebnisse“. Der Kongress wird gemeinsam von der OECD, Education International (Internationale Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften) und dem jeweiligen ausrichtenden Land (2011 und 2012 USA, 2013 Niederlande, 2014 Neuseeland, 2015 Kanada) veranstaltet.

Karuna Skariah, 48, unterrichtet Naturwissenschaften an einer Grundschule in Maryland, USA. Sie ist Bildungskoordinatorin ihrer Schule

Zu mir kommen in meiner Funktion als Koordinatorin manchmal aufgebrachte, frustrierte Kollegen, die sagen, ein bestimmter Schüler könne überhaupt nichts. Ich frage dann immer: Wirklich nichts? Dann fordere ich sie auf, erst einmal alles aufzuzählen, was dieser Schüler eben doch kann – sozial, emotional, fachlich. Vielleicht bringt er seine Mitschüler zum Lachen, vielleicht ist er ein toller Geschichtenerzähler? Das sind dann genau die Stärken, an denen die frustrierte Lehrkraft wieder ansetzen kann, um den Schüler zu fördern – vor allem, indem sie selbst wieder an ihn glaubt.

An dieser Geschichte sieht man auch, was wir auf der Systemebene leisten müssen: Jedes Kind bringt seine eigenen Fähigkeiten, seine eigene Geschichte und seine spezifische Motivation mit. Da muss man es abholen. Das kommt im Klassenverband oft zu kurz.

Internationaler Dialog ist wichtig, um zu verstehen, welche Infrastruktur wir für individuelle Förderung brauchen. An meiner Schule leite ich zum Beispiel ein Programm für hochbegabte Kinder. Sie werden zu viel glücklicheren Menschen, wenn man ihre Bedürfnisse früh erkennt.

Karuna Skariah.
Karuna Skariah.Foto: Luisa Hommerich

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