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Weltbildungsbericht der Unesco : Fast 60 Millionen Kinder ohne formale Bildung

Weltweit gehen 50 Millionen mehr Kinder in die Schule als noch 1999. Dennoch sind die Ziele der Weltgemeinschaft nur zu einem Drittel erreicht, wie der Weltbildungsbericht der Unesco zeigt.

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Jugendliche mit Schultaschen auf dem Rücken gehen über einen Steg von einem Boot zum Flussufer.
Beschwerlicher Schulweg. Diese Mädchen und Jungen auf der Insel Java nehmen einen weiten Weg auf sich, um in ihre Schule zu...Foto: Reuters

Alle Kinder weltweit sollten eine Grundschule besuchen, die ihnen kostenfreie Bildung in guter Qualität bietet. Allen Jugendlichen und Erwachsenen sollte der Weg zum lebenslangen Lernen offenstehen. Und die weltweite Analphabetenquote sollte um 50 Prozent gesenkt werden. Das sind die globalen Bildungsziele, auf die sich Regierungen von 164 Ländern im Jahr 2000 beim World Education Forum in Dakar (Senegal) geeinigt haben. Erreichen wollte die Weltgemeinschaft sie binnen 15 Jahren. Mit dem Weltbildungsbericht, den die Unesco am Donnerstag in Paris, Neu-Delhi und New York vorstellte, wird jetzt eine ernüchternde Bilanz gezogen. Nur ein Drittel der Staaten habe die im UN-Aktionsprogramm „Bildung für alle“ formulierten Ziele erreicht.
Zwar besuchen heute etwa 50 Millionen mehr Kinder eine Grundschule als 1999. Aber nur die Hälfte der Länder kann allen Kindern eine Grundschulbildung garantieren, fast 60 Millionen bleiben ohne formale Bildung. Weltweit fehlen vier Millionen Lehrkräfte. Besorgniserregend ist denn auch die Qualität der Schulen: In 32 Ländern verlassen 20 Prozent der Jungen und Mädchen ihre Grundschulen vor der letzten Klasse. Betroffen sind davon etwa überproportional viele Schulen im subsaharischen Afrika.

Ein Drittel der Kinder in Krisenregionen besucht keine Schule

Kriege und andere regionale Konflikte werfen zudem viele Regionen bei ihren Bemühungen um ein umfassendes Bildungsangebot zurück. So lebt ein Drittel der Kinder, die nicht zur Schule gehen, in Krisenregionen. Folgenreich ist auch die Ebola-Epidemie. In Liberia waren die Schulen bis Anfang Februar monatelang geschlossen, um die Schüler zu schützen.
Besonders Kinder in schwierigen Lebensumständen werden häufig nicht ausreichend gefördert, kritisieren die Bildungsexperten der Unesco. In der Folge ist die Wahrscheinlichkeit, eine Grundschule abzuschließen, für Ärmere global fünfmal geringer als unter den Reichsten. Immerhin verbesserte sich die Schüler-Lehrer-Relation in 121 von 146 untersuchten Ländern. Aber mehr als ein Viertel der Lehrkräfte an Grundschulen war nicht gemäß den jeweiligen nationalen Standards ausgebildet.
Vorsichtig optimistisch sind die Aussagen zu den Bildungschancen von Jugendlichen. Besuchten 1999 nur 71 Prozent eine Sekundarschule, waren es 2012 schon 85 Prozent. In Afghanistan, China, Ecuador, Mali und Marokko verbesserte sich die Quote um mindestens ein Viertel, heißt es. Doch noch immer sind auch hier zu große Teile der Gesellschaft ausgeschlossen. So wechseln etwa auf den Philippinen nur 69 Prozent der Grundschüler aus den ärmsten Familien auf eine weiterführende Schule, bei den reichsten Familien sind es 94 Prozent.

In Subsahara- Afrika kann jede zweite Frau nicht lesen und schreiben

„Die Weltgemeinschaft braucht spezifische, mit ausreichend finanziellen Mitteln vorangebrachte Strategien, welche den Schwerpunkt auf die Ärmsten legen“, sagte Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova. Zusätzlich 22 Milliarden US-Dollar jährlich müssten aufgebracht werden, um eine ausreichende Bildung für alle Menschen sicherzustellen – von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung.
Dramatisch ist die Lage auch bei der Lese- und Schreibfähigkeit von Erwachsenen. Noch immer gelten 781 Millionen Menschen als Analphabeten. Von der fünfzigprozentigen Verringerung der Quote ist die Welt noch weit entfernt, sie sank seit dem Jahr 2000 lediglich von 18 auf 14 Prozent.

In Subsahara- Afrika kann jede zweite Frau nicht lesen und schreiben. In Guinea und Niger besuchen über 70 Prozent der Mädchen aus den untersten sozialen Schichten keine Grundschule. Das Ziel, Mädchen und Frauen die gleichen Bildungschancen wie Jungen und Männern zu bieten, hält die Unesco aber für erreichbar. Auf Grundschulniveau seien 69 Prozent der Länder so weit, bei den Sekundarschulen sind es 48 Prozent.
Wirkungslos sei die 1999 beschlossene Agenda keineswegs, resümieren die Bildungsforscher der Unesco. Dramatische Trends, die sich vor der Konferenz von Dakar abgezeichneten, hätten durchbrochen werden können. Jetzt brauche die Welt eine neue Agenda, um das hohe Ziel der „Bildung für alle“ in absehbarer Zeit erreichen zu können.

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