• Wissenschaftspolitik von Rot-Rot-Grün in Berlin: Unis reichen die Mittel für die Lehrerausbildung nicht

Wissenschaftspolitik von Rot-Rot-Grün in Berlin : Unis reichen die Mittel für die Lehrerausbildung nicht

Die Berliner Hochschulen sind verhalten optimistisch, was die Pläne von Rot-Rot-Grün für die Wissenschaft angeht. Sorgen bereitet aber die geforderte Steigerung der Lehramtsabsolventen.

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Volle Hörsäle: Die Berliner Universitäten sollen künftig 2000 statt 1300 Lehrer im Jahr ausbilden.
Volle Hörsäle: Die Berliner Universitäten sollen künftig 2000 statt 1300 Lehrer im Jahr ausbilden.Foto: Jens Kalaene/dpa

Das Paket ist erst einmal geschnürt für die Wissenschaft – und in dem, was die Berliner Koalitionäre für Universitäten und Fachhochschulen und die Unimedizin ausgehandelt haben, steckt eine Menge drin. Den Hochschulen wird für 2018 bis 2022 ein pro Jahr um 36 bis 40 Millionen höherer Landeszuschuss als bislang in Aussicht gestellt – und für die Fachhochschulen will man über das Promotionsrecht nachdenken. Zudem soll Berlin Hauptstadt für Alternativen zu Tierversuchen werden. All das haben die Wissenschafts-Unterhändler von Rot-Rot-Grün wie berichtet am Montag verkündet. Die Reaktionen der Hochschulen fallen verhalten optimistisch aus.

Die jährliche Steigerung der Landeszuschüsse würde bedeuten, dass es bei der Grundfinanzierung bis 2022 insgesamt ein Plus von rund 200 Millionen Euro gibt. „Das ist ungefähr die Zahl, mit der wir in die Verhandlungen gehen wollten“, sagt Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität. Doch mit diesem Mittelzuwachs würden allein die Mehrkosten für steigende Pensionslasten, Personal- und Energiekosten abgedeckt. Die Hochschulen bräuchten darüber hinaus eine Verdoppelung des Landeszuschusses für ihre Investitionen in die Bauunterhaltung, IT- und Laborausstattungen – von 36 auf 72 Millionen Euro jährlich.

Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität, sagt: „Jedes Geld, das die Unis mehr bekommen, ist gutes Geld.“ Abzuwarten bleibe, ob die Steigerung der Zuschüsse wirklich ausreiche.

Unis fordern mehr Mittel für Sanierungen

Auch für TU-Präsident Christian Thomsen ist die Steigerung der Zuschüsse eine „sehr gute Nachricht“: „Das erlaubt uns, den Betrieb weiterzuführen.“ Sollte Rot-Rot-Grün allerdings im Gegenzug auch deutlich mehr Studierende in den Ingenieur- und Naturwissenschaften wünschen, könne es schwierig werden: „Das würde zu großen Kosten etwa für zusätzliche Labore führen, die durch die angekündigte Steigerung nicht gedeckt wären.“

Thomsen wünscht sich ebenso zusätzliche investive Mittel für Sanierungen und Neubauten: „Die Mittel sind in den vergangenen zehn Jahren nicht erhöht worden.“ HU-Präsidentin Kunst fordert die Koalitionäre auf, sich noch in den Verhandlungen auf eine Summe für Investitionen zu einigen. „Der Bedarf ist krachend hoch. Es wäre großartig, wenn da bei den Koalitionären der Mut besteht, sich zu einer konkreten Zahl durchzuringen.“ Ein Teil der Probleme der HU ließen sich lösen, wenn derzeit nicht nutzbare alte Liegenschaften in Mitte saniert würden, sagt Kunst. Das sei umso dringender, weil die Miete für Ersatzgebäude in Mitte in die Höhe schießen und so das Unibudget belasten.

Das gilt auch für die Fachhochschulen. Massive Raumnöte hätten etwa die Beuth-Hochschule, die händeringend auf den Flughafen Tegel als Ausbaugelände wartet, und die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR), die zwei Drittel ihrer Flächen mieten muss, sagt HWR-Präsident Andreas Zaby, der aktuell Sprecher der Berliner Fachhochschulen ist. Die investiven Zuweisungen an die FHs seien mit einigen 100 000 Euro zudem bislang viel zu niedrig gewesen, dieser Nachteil gegenüber den Unis müsse ausgeglichen werden.

In der Wissenschafts-Runde wurde das Thema aber bewusst ausgespart, ist aus der Wissenschaftspolitik zu hören. Die geforderten Investitionen werden erst in der abschließenden großen Runde der Koalitionsverhandlungen diskutiert – gemeinsam mit dem entsprechenden Bedarf für die Schulen und in der Stadtentwicklung.

Sorgen bereitet FU-Präsident Alt und HU-Präsidentin Kunst auch die Lehrerbildung. Mit dem versprochenen Mittelzuwachs wäre es unmöglich, die Zahl der Absolventen pro Jahr von zuletzt vereinbarten 1300 auf jetzt verordnete 2000 zu steigern. Hier heißt es aus Verhandlungskreisen, diese Frage werde „der Knackpunkt“ in den Verhandlungen zu den Hochschulverträgen für die Jahre 2018 bis 2022 sein, die im kommenden Jahr beginnen sollen. Kunst bekräftigt dies. Schon die Raumfrage für zusätzliche Studierende sei ein Problem: „Wir können die ja schlecht auf die Flure setzen.“

Streit droht im das Promotionsrecht der Fachhochschulen

Handfester Streit droht, falls die Koalition tatsächlich das Promotionsrecht für die Fachhochschulen vorantreiben will. Sabine Kunst lehnt es jedenfalls ab, das Promotionsprivileg müsse bei den Unis bleiben. „Nötig und richtig“ seien aber mehr kooperative Promotionsformate. Die Berliner FHs würden im Bereich der angewandten Forschung „Tolles“ leisten: „Das können wir gemeinsam zur Promotion bringen.“

Für Fachhochschulvertreter Andreas Zaby ist die kooperative Promotion mit Universitäten zwar „der Königsweg“. Allerdings gehöre Berlin zu den Bundesländern, in denen das bislang „nicht gut funktioniert“, ebenso wenig wie die Schaffung gemeinsamer Promotionskollegs. Deshalb sei es folgerichtig, dass Fachhochschulen in Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein jetzt auch ein eigenständiges Promotionsrecht bekommen. „Wenn das jetzt auch in Berlin passiert, wären wir sehr froh“, sagte Zaby.

Seine Vorwürfe in Richtung der Universitäten kann TU-Präsident Thomsen allerdings nicht nachvollziehen. Die TU wolle selbstverständlich gemeinsame Promotionen mit FHs und führe diese auch schon seit Längerem durch. „Sollte es hier ein Kommunikationsdefizit geben, sollen sich die Fachhochschulen bei mir melden. Ich werde mich der Sache persönlich annehmen“, sagt Thomsen.

Sicher haben die Fachhochschulen schon eines: Die Zuwendung für ihr gemeinsames Institut für angewandte Forschung (IFAF) von derzeit zwei Millionen Euro im Jahr sollen verdoppelt werden.

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