Wissenschaftsrat zu Karrierewegen : Professor werden – aber sicher

Der Wissenschaftsrat empfiehlt verlässlichere Laufbahnen für Professoren - und zusätzlich 7500 Stellen für Hochschullehrer. Mehr Dauerstellen sollten auch im Mittelbau geschaffen werden, etwa im Wissenschaftsmanagement.

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Ein Professor steht im Hörsaal vor Studierenden. Foto: dpa
Angekommen. Ein neuer akademischer Karriereweg, den der Wissenschaftsrat empfiehlt, sind Tenure-track-Stellen für...Foto: dpa

Laufbahnen in der Wissenschaft sollen verlässlicher werden. Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Universitäten nach seiner Sitzung in Dresden, mehr entfristete Stellen im Mittelbau zu schaffen. Außerdem soll die Zahl der Professuren erhöht werden. Zugleich soll bundesweit ein größerer Anteil von befristeten Professuren geschaffen werden, deren Inhaber aber nach positiver Evaluation regelhaft auf eine entfristete Professur gelangen sollen (tenure track). Es gehe darum, die Karrierewege an deutschen Universitäten „international nachvollziehbarer“ und „transparenter“ zu machen, sagte Manfred Prenzel, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats am Montag in Berlin.

Jahrzehntelang haben deutsche Universitäten entfristete Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau nur ungerne eingerichtet. Die Universität sollte sich über immer neue Nachwuchswissenschaftler und ihren Wettbewerb um eine Professur erneuern. Jetzt erklärt der Wissenschaftsrat, es werde durchaus zusätzliches „erfahrenes wissenschaftliches Personal in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen gebraucht“, es gebe schon jetzt überall „Daueraufgaben“, die aber von befristet Beschäftigten übernommen würden, sagte Prenzel.

Auf Dauerstellen helfen, "dass Institute funktionieren"

Zwei unterschiedliche Schwerpunkte für diese Stellen empfiehlt der Wissenschaftsrat: Ein Teil der entfristeten wissenschaftlichen Mitarbeiter solle eher im „Wissenschaftsmanagement“ arbeiten und dazu beitragen, „dass Institute funktionieren“, wie Prenzel erklärte, etwa, indem sie bei der Verwaltung der Drittmittel helfen. Der Schwerpunkt der anderen wissenschaftlichen Mitarbeiter läge in Forschung und Lehre. Weisungsbefugt wären wie gehabt die Professoren. Zur Zeit arbeiteten nach Berechnungen des Wissenschaftsrats über 23 000 wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter an Universitäten auf unbefristeten Stellen. Insgesamt gibt es an Universitäten etwa 158 000 wissenschaftliche Mitarbeiter, von denen die meisten nach ihrer Promotion die Uni verlassen.

Prenzel: Bafög-Mittel für tausende zusätzlicher Professuren

Die aktuell 26 000 Professuren an Universitäten würde der Wissenschaftsrat angesichts des seit Jahren anhaltenden Studierendenandrangs gerne substanziell aufstocken“, wie Prenzel sagte: um 7500. Zwar sei eine Empfehlung des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2008, zusätzlich 4000 Professuren zu schaffen, nie von der Politik erhört worden, gab Prenzel zu. Aber der Wissenschaftsrat setze nun auf die im Koalitionsvertrag versprochene bessere Grundfinanzierung der Hochschulen. Prenzel verwies auch auf die Entlastung der Länder durch den Bund, der wie berichtet den Bafög-Anteil der Länder mit übernehmen will, um den Ländern mehr Spielräume bei der Finanzierung von Schulen und Hochschulen zu verschaffen. Kostenneutral könnten bestehende A-15-Stellen aus dem Mittelbau in W-2-Stellen für Professoren umgewandelt werden.

Nach sechs Jahren Bewährung kommt die Entfristung

Eine größere Zahl von Professuren ist auch nötig, um den vom Wissenschaftsrat gewünschten Wandel bei den Karrierewegen umsetzen zu können. In zehn Jahren soll ein Fünftel aller Professoren auf einer befristeten Tenure-track-Stelle arbeiten – üblicherweise sechs Jahre lang. Nach positiver Evaluation gelangen diese Professoren auf eine entfristete Stelle, die immer schon für sie „hinterlegt“ ist. Um Hausberufungen zu verhindern, sollen die Nachwuchsforscher schon während der Postdoc-Phase, die in der Regel nicht länger als vier Jahre dauern soll, an einer anderen Institution als der berufenen geforscht haben, am besten im Ausland.

Die Juniorprofessur soll in dem neuen Modell aufgehen

Die Juniorprofessur soll in diesem Modell aufgehen, sagte Prenzel. Wissenschaftler aus dem Ausland, die sich für eine Laufbahn in Deutschland interessierten, sollten nicht von den vielen Variationen irritiert werden. Auch weise das Wort „Junior“ in die falsche Richtung. Die zukünftigen Professoren auf dem tenure track sollten „auf Augenhöhe“ forschen. Die Habilitation werde mit dem neuen Karriereweg wohl weiter entbehrlich, sagte Prenzel. Fächern, die daran festhielten, wolle der Wissenschaftsrat aber nicht hineinreden.

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