Schüler enthüllen Spandauer Spionagefälle : Geheime Türen in der Mauer

Auch in Spandau waren viele geheime Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit aktiv. Gymnasiasten haben mit der Jugendgeschichtswerkstatt neue Fälle aufgedeckt.

Rainer W. During
Die Kursteilnehmer forschten in Stasi-Unterlagen nach Spionen aus Spandau.
Die Kursteilnehmer forschten in Stasi-Unterlagen nach Spionen aus Spandau.Foto: Pohl/Jugendgeschichtswerkstatt

Offiziell gab es zu Mauerzeiten in Spandau nur einen Grenzübergang – den Kontrollpunkt Staaken im Verlauf der Heerstraße. Doch bei Nacht und Nebel taten sich gut getarnte Türen in der Mauer auf, die von geheimen Mitarbeitern (GMs) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit genutzt wurden, um unbemerkt zwischen West und Ost zu wechseln. Die Personenschleusen trugen Decknamen wie „Tanne“ und „Jagdsitz“ und befanden sich in abgelegenen Grenzabschnitten beispielsweise im Spandauer Stadtforst zwischen Eiskeller und Radeland.

Forschung in Stasi-Akten

Seit Jahren gehen Schülerinnen und Schüler des Spandauer Lily-Braun-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit der Jugendgeschichtswerkstatt der Vergangenheit des Grenzbezirks zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Mauerfall auf die Spur. Wiederholt forschten sie in diesem Zusammenhang auch in den Akten der Stasi-Behörde. Bereits im vergangenen Jahr resultierte daraus eine Ausstellung im Rathaus. Inzwischen haben die 24 Teilnehmer des Seminarkurses Geschichte 2014/15 mit Kursleiter Holger Meyer sowie Uwe Hofschläger und Charlotte Pohl von der Jugendgeschichtswerkstatt neue Fälle aufgedeckt, die unter dem Titel „Im Auftrag der Staatssicherheit – Spione in Spandau“ erstmals im Klubhaus Falkenhagener Feld in der Westerwaldstraße gezeigt werden.

Auf Schautafeln werden die einzelnen Fälle dargestellt.
Auf Schautafeln werden die einzelnen Fälle dargestellt.Foto: During

Da gibt es den ehemaligen Siemens-Prüftechniker Klaus-Detlef K., der 1983 bei einem Besuch in Ostberlin während eines Kneipenbummels zu tief ins Glas blickte und bei einem DDR-Bürger übernachtete, worauf sein Tagesvisum verfallen war. Bei der verspäteten Ausreise setzten ihn Vertreter der Staatssicherheit unter Druck, als GM „Weber“ besorgte er der Stasi unter anderem westliche Abhörtechnik. Dieter S. verschlief 1959 als 18jähriger betrunken den Ausstieg aus der S-Bahn in Staaken und wurde nach dem Grenzübertritt am Bahnhof Albrechtshof aufgelesen, wo ihn die Stasi ansprach und als GM „Bernd Winter“ britische Militäreinrichtungen und Spandauer Gaststätten wie das unmittelbar am der Mauer gelegene, Staakener „Grenzeck“ ausspionieren ließ. GM „Rabe“ dagegen war ein Ostberliner, der erwischt wurde, als er 1953 belastende Fotos von der Niederschlagung des Aufstandes am 17. Juni an westliche Agenten weiterleiten wollte. Die Stasi drehte ihn um und schickte ihn nach Spandau, wo es der junge Mann vom Medizinstudenten bis zum Oberarzt im Krankenhaus Havelhöhe brachte und auch seine spätere Ehefrau für die geheimdienstliche Tätigkeit anwarb.

Ausstellung bis 20. November

Diese und weitere Fälle dokumentiert die Ausstellung, die noch bis zum 20. November im Klubhaus in der Westerwaldstraße 13 gezeigt wird. Geöffnet ist dort montags bis freitags vor 9 bis 20 Uhr. Für 2016 plant der Leiter der Jugendgeschichtswerkstatt, Uwe Hofschläger, eine Kombination beider Spandauer Stasi-Ausstellungen in Falkensee.

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