Spandau: Viele Flüchtlingskinder erscheinen nicht zur Untersuchung : Willkommensklassen bleiben leer

Einige der 50 Willkommensklassen in Spandauer Schulen stehen leer oder sind nur mäßig frequentiert. Denn die Termine für die Voruntersuchung der Kinder werden oft nicht eingehalten.

Rainer W. During
In einem Teil der ehemaligen Kasernen an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße sind jetzt Flüchtlinge untergebracht.
In einem Teil der ehemaligen Kasernen an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße sind jetzt Flüchtlinge untergebracht.Foto: During

In verschiedenen Spandauer Schulen gibt es komplett ausgestattete Willkommensklassen für Flüchtlingskinder die bisher vergeblich auf Schüler warten. Das bestätigte Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) auf Anfrage. Grund sei eine unzulängliche Übermittlung der Termine für die zuvor notwendige Schuleignungsuntersuchung an die Flüchtlingsfamilien durch einige Heimbetreiber.

Maximal drei Wochen Wartezeit

Kürzlich hat Spandau die 50. Willkommensklasse eingerichtet. Für jede dieser Klassen, die jeweils zwölf Plätze haben, ist eine Lehrkraft abgestellt worden. Doch einige der Klassen – unter anderem in der Paul-Moor-Schule an der Adamstraße – stehen bisher leer. Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst hat die Wartezeit auf einen Untersuchungstermin inzwischen auf zwei bis maximal drei Wochen senken können, so Gesundheits- und Sozialstadtrat Frank Bewig (CDU). Rund 70 Kinder sind in den vergangenen beiden Monaten untersucht worden. Doch rund ein Drittel erscheint nicht zum vereinbarten Termin.

„Eine Menge Geld geht verloren"

Die Termine werden von der zuständigen Schule vereinbart und dann dem jeweiligen Heim zur Weitergabe an die Flüchtlingsfamilie mitgeteilt. Doch diese erfolgt oft zu spät oder überhaupt nicht, wie ehrenamtliche Helfer gegenüber dem Tagesspiegel bemängelten. Stadtrat Hanke bestätigt, dass es in einigen Einrichtungen derartige Probleme gibt. Dies sei doppelt ärgerlich, da durch die Nichtbelegung der Willkommensklassen auch „eine Menge Geld verloren geht“. Hier seien die Heimbetreiber gefordert, nachzubessern.

Eine der kritisierten Einrichtungen ist die ehemalige Kaserne an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße. Susan Hermenau, Sprecherin des Betreibers Prisod, kann sich die Vorwürfe allerdings nicht erklären. Zwei Sozialarbeiter würden sich ausschließlich um die Untersuchungen kümmern, oftmals werde hier auch noch eigenes Personal tätig, obwohl es dafür eigentlich nicht zuständig sei. Die Post mit den Terminen dürfe man nicht öffnen sondern händige sie den Flüchtlingsfamilien aus, weise diese auf die Bedeutung der Untersuchung hin und versuche, ihnen Dolmetscher als Begleitung zur Seite zu stellen.

Terminüberschneidungen und hohe Fluktuation

Manchmal gibt es Überschneidungen mit anderen Terminen beispielsweise beim LaGeSo oder die Betroffenen erkennen die Wichtigkeit nicht, so Hermenau. Ein weiteres Problem sei die Fluktuation. Bei durchschnittlich 300 Kindern unter den Bewohnern in der Schmidt-Knobelsdorf-Straße habe man bereits rund 500 Anträge auf Schulbesuch bearbeitet. Doch komme es immer wieder vor, dass Familien zum Untersuchungstermin überhaupt nicht mehr in Spandau sind. Gelegentlich gebe es auch Kommunikationsprobleme mit den ehrenamtlichen Helfern. Es sei wichtig, dass diese sich mit den hauptamtlich Tätigen abstimmen.