• Freche und provokative Schüler: Ausbilder klagt über Zustände an Berliner Polizeiakademie

Freche und provokative Schüler : Ausbilder klagt über Zustände an Berliner Polizeiakademie

Ein Lehrer ärgert sich über Disziplinlosigkeit und Lernverweigerung an der Polizeiakademie. Die Vorwürfe betreffen vor allem Schüler mit Migrationshintergrund.

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Diszipliniert und wertschätzend sollen Polizisten sein - so steht es in der Spandauer Polizeiakademie an der Tafel. Das nehmen offenbar nicht alle Schüler ernst.
Diszipliniert und wertschätzend sollen Polizisten sein - so steht es in der Spandauer Polizeiakademie an der Tafel. Das nehmen...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Berliner Polizei beschäftigt eine Sprachnachricht, in der ein Ausbilder unhaltbare Zustände in der Spandauer Polizeiakademie anprangert. Die Nachricht, die unter anderem der Zeitung „Die Welt“ vorliegt, war laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf für einen befreundeten Kollegen des Ausbilders bestimmt. Darin erhebt der Mann schwere Vorwürfe vor allem gegen Polizeischüler mit Migrationshintergrund: „Der Klassenraum sah aus wie Sau, die Hälfte Araber und Türken, frech wie Sau. Dumm. Konnten sich nicht artikulieren.“ Weiterhin seien deutschen Polizeischülern „Schläge angedroht“ worden. Der Ausbilder zieht ein drastisches Fazit: „Das sind keine Kollegen, das ist der Feind. Das ist der Feind in unseren Reihen.“

"Sie fläzten sich 'rum, manche schliefen auch"

Nach den Worten von Thomas Neuendorf hat die Nachricht über Umwege Polizeipräsident Klaus Kandt erreicht. „Der Absender konnte identifiziert werden.“ Er sei kein hauptamtlicher Lehrer an der Akademie, sondern halte einzelne Unterrichtseinheiten ab. Der Polizeipräsident habe mit ihm ein Gespräch geführt, dabei habe der Mann erläutert, was konkret vorgefallen sei. Er habe von unmöglichem Benehmen der Schüler berichtet.

Diese hätten sich während des Unterrichts in der Schule rumgefläzt, sich ihren Kapuzenpulli über den Kopf gezogen oder ihr Basecap aufbehalten. Weiterhin sei getuschelt und aggressiv geschaut worden, einige hätten auch geschlafen. Dabei habe es sich nach Angaben des Ausbilders ausschließlich um Schüler mit Migrationshintergrund gehandelt.

Dass diese jedoch deutschen Polizeischülern Gewalt angedroht hätten, wie er in seiner Sprachnachricht behauptet hatte, konnte der Ausbilder im Gespräch mit dem Polizeipräsidenten allerdings nicht bestätigen. Trotzdem soll der Vorgang nun genau untersucht werden.

Wer sich wiederholt daneben benimmt, wird entlassen

„Die Polizeiakademie in Spandau wurde kontaktiert. Der Schulleiter wird mit dem Klassenlehrer sprechen und die Vorfälle analysieren“, sagte Neuendorf. Disziplinloses Verhalten werde bei der Polizei nicht toleriert. „Wenn Straftaten geschehen oder sich jemand wiederholt daneben benimmt, wird er entlassen."

Die geschilderten Polizeischüler sind zwischen 16 und 18 Jahren alt und haben die Ausbildung für den mittleren Dienst gerade begonnen. Laut Neuendorf gibt es beim Benehmen von Schulabgängern seit Jahren einen Abwärtstrend, und zwar unabhängig vom Migrationshintergrund. In vielen Fällen müssten grundlegende Umgangsformen erst erlernt werden.

2017 haben 1200 Polizeischüler ihre Ausbildung begonnen

Allein in der Spandauer Polizeiakademie haben dieses Jahr 1200 Polizeischüler ihre Ausbildung begonnen, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Die Anforderungen für die Ausbildung seien jedoch seit 2010 unverändert geblieben: „Es gibt umfangreiche Tests zur charakterlichen Eignung. Wir drücken kein Auge zu.“ Bei manchen trete das Fehlverhalten jedoch erst während der Ausbildung zutage, dann müsse man gegensteuern. Das betreffe auch die Sprache. Obwohl Deutschkenntnisse Einstellungsvoraussetzung sind, gebe es oft Nachholbedarf, sodass die Polizei den Schülern Sprachkurse anbietet.

Der Absender der Nachricht hat mit einer derartigen Resonanz wohl nicht gerechnet, als er sie per Whatsapp verschickte. „Das waren aus Frust getätigte Unmutsäußerungen, die nicht als Brandbrief gemeint waren“, so Neuendorf. Man habe mit ihm besprochen, dass solche Beschwerden direkt an die Vorgesetzten zu richten seien, damit Missstände behoben werden könnten.



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