Pionier der High-End-Audiogeräte : Dieter Burmester im Alter von 69 Jahren gestorben

Er war der Schöpfer weltweit geschätzter Luxus-Audio-Geräte, Rockmusiker und einer der erfolgreichsten Berliner Unternehmer: Dieter Burmester ist vor wenigen Tagen im Alter von 69 Jahren gestorben.

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Dieter Burmester in Berlin-Schöneberg. Das Foto wurde 2011 vom Tagesspiegel-Fotografen Thilo Rückeis geschossen.
Dieter Burmester in Berlin-Schöneberg. Das Foto wurde 2011 vom Tagesspiegel-Fotografen Thilo Rückeis geschossen.Foto: Thilo Rückeis

Die Website zeigt ihn, wie ihn seine Freunde kannten: Schmaler als früher, nachdenklich, die E-Gitarre in der Hand. Das Foto gehört zu einem kurzen Nachruf, denn der Berliner Unternehmer Dieter Burmester, der Schöpfer der weltweit renommiertesten deutschen Audio-Geräte, ist tot. Gestorben am 15.August im Alter von nur 69 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit, wie es heißt.

Burmester – der Name ist nicht  unbedingt populär, denn dazu sind die Audio-Geräte mit dem charakteristischen Chromgehäuse schlicht zu teuer. Doch in Fachkreisen genießen sie einen legendären Ruf, belegen in Tests und Rankings permanent Spitzenplätze der Weltliga, definieren die Referenz ihrer Kategorie. Dieter Burmester starb, als es ihm gerade gelungen war, sogar noch ein neues Geschäftsfeld zu etablieren. Burmester Automotive, die Ausstattung von Luxusautos mit adäquaten Audioanlagen, hatte 2005 begonnen mit winzigen Stückzahlen für den Bugatti Veyron.

Rockmusik und Elektrotechnik

Doch das dabei gewonnene Wissen war zu wertvoll für die Nische: In den letzten Jahren lieferte er Audioanlagen für Porsche und Mercedes, war bei der Entwicklung der aktuellen S-Klasse von Anfang an dabei, um sogar die genauen Positionen der Lautsprecher von Anfang zu bestimmen und den maximal erreichbaren Klang zu schaffen. Der Traum für jeden Audio-Spezialisten: Den Raum ganz kontrollieren können, nicht von den zufälligen Eigenschaften, von Teppichen, Möbeln, Vorhängen abhängig sein.

Burmester, geboren in Österreich, kam schon im Alter von sechs Monaten nach Deutschland. Er spielte schon als Schüler Bass in einer Rockband, studierte Elektrotechnik und machte sich mit einem Ingenieurbüro für Messtechnik und Computer-Interfaces selbstständig. Weil 1977 seine Hifi-Anlage ausfiel, baute er sich selbst einen neuen Verstärker, den dann auch Freunde haben wollten, und der rasch auch Testern auffiel.

Schnell kam der internationale Ruhm

Es war die Zeit, als japanische Großserien-Hersteller begannen, den Weltmarkt aufzurollen, und nach und nach die deutsche Konkurrenz auslöschten. Dieter Burmester wollte mehr, wollte besser und kleiner sein: 1978 gründete er sein Unternehmen und schaffte es mit seiner Mischung aus perfektem Klang, Innovation und zeitlosem Design rasch zu internationalem Ruhm. Gegenwärtig hat die Firma 50 Mitarbeiter, setzt einen höheren einstelligen Millionenbetrag um..

Die Marktnische für Anlagen, deren Preis bei etwa 25.000 Euro beginnt und leicht über 100.000 Euro hinausgehen kann, ist klein, aber umkämpft. Burmester behauptete Ruf und Qualität vor allem dadurch, dass er jedes Detail seiner Geräte selbst in Schöneberg entwickelte und – von Gehäusen und Schrauben abgesehen - auch in der Berliner Manufaktur herstellen ließ.

Versteckte sich nicht im Büro

100 Prozent Berlin – das war sein Stolz, und er konnte es sich leisten, die halbherzige Unterstützung der Stadt für solche leuchtkräftigen Unternehmen wie das seine zu kritisieren. Er selbst versteckte sich nicht im Labor, sondern war weltweit auf Achse, präsentierte, erläuterte, besuchte Fachredaktionen und legte sich für Fachmessen ins Zeug, die in einem von kleinen Firmen bestimmten Markt nicht leicht zu organisieren sind.

Kein Klischee in seinem Fall: Er war ein Rocker. Spielte auch in seinen geschäftlich erfolgreichsten Jahren Bass und Gitarre beispielsweise in der Amateurband „Past Perfect“, und wenn er den Burmester-Sound in der neuen S-Klasse vorführte, dann griff er zuerst zu Deep Purple: „Smoke on the water“.

Emotion ging ihm vor Analyse

Wenn bollernde Basslinien wie gemeißelt im Raum standen und natürlich klingende Stimmen die Existenz von Lautsprechern vergessen ließen, dann hatte er sein Ziel erreicht, Emotion ging ihm vor Analyse. Selbst in der Firma lagen einige seiner Gitarren, weil er immer auch genau wissen wollte, wie nahe der Klang der Geräte dem Original kommt.

Vor einigen Jahren ergab eine Umfrage, dass Burmester nach Montblanc das weltweit bekannteste deutsche Luxuslabel sei. Daran soll sich nichts ändern: Seine Witwe Marianne, so hieß es, werde die Firma mit den erprobten Mitarbeitern fortführen.

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