Antisemitismus und Homophobie in Schöneberg : Jüdischer Transsexueller angegriffen und ausgeraubt

Zwei offenbar arabischstämmige Jugendliche haben Mittwoch früh in Schöneberg einen Transsexuellen antisemitisch und homophob beleidigt, angegriffen und ausgeraubt. Nun ermittelt der Staatsschutz.

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Zwei offenbar arabischstämmige Jugendliche haben Mittwoch früh in Schöneberg einen transsexuellen Litauer antisemitisch und homophob beleidigt, angegriffen und ausgeraubt.
Die Tat geschah gegen 6.30 Uhr in der Meraner Straße. Dort betete der 30-Jährige nach eigenen Angaben „leise auf Hebräisch vor sich hin“, wie er der Polizei später zu Protokoll gab. Zwei Unbekannte hörten dies, nach Beschreibung des Opfers waren sie 17 bis 18 Jahre alt, dunkel gekleidet und sprachen arabisch. Sie schubsten den 30-jährigen Transsexuellen, der Frauenkleider trug, beleidigten ihn als „Schwule Judensau“ und entrissen ihm die Handtasche, in der auch sein litauischer Ausweis und die Geldbörse waren. Danach flüchteten die Täter in Richtung Bayerischer Platz.
Das Opfer, das in Moabit lebt und einen Freund in Schöneberg besucht haben soll, wurde bei dem Angriff leicht verletzt und begab sich selbst in ärztliche Behandlung. Seine Anzeige machte der Mann unter Alkoholeinfluss, Zeugen gibt es bislang nicht. Wie immer bei Fällen mit antisemitischer Tatmotivation ermittelt nun der Polizeiliche Staatsschutz. Eine Spur zu den Verdächtigen gibt es noch nicht.
Das gleiche gilt nach wie vor für die Attacke auf Rabbiner Daniel Alter, die im vergangenen Jahr international für Empörung sorgte: Im August 2012 war der 53-Jährige in Friedenau auf der Straße vor den Augen seiner damals sechsjährigen Tochter von mehreren Jugendlichen brutal attackiert worden. Auch hier sollen die Täter laut Zeugenangaben arabischstämmig gewesen sein. Doch der Fall konnte bislang nicht aufgeklärt werden, ebenso wie nachfolgende Vorfälle, bei denen sich mögliche antijüdisch motivierte Beleidigungen juristisch nicht nachwiesen ließen.

Hunderte demonstrieren gegen Antisemitismus
Wieder aus dem Krankenhaus entlassen: Rabbi Daniel Alter trägt noch sichtbare Blessuren.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
02.09.2012 14:02Wieder aus dem Krankenhaus entlassen: Rabbi Daniel Alter trägt noch sichtbare Blessuren.

So war es etwa im Fall des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen einen Mann, der Kramer bedroht haben soll, eingestellt. Weder habe eine strafbare Bedrohung noch ein antisemitischer Hintergrund nachgewiesen werden können, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Das heiße jedoch nicht, dass es kein antisemitisches Motiv gegeben haben könne, erklärte ein Sprecher unlängst.

Auch die Aufklärung einer Tat in Charlottenburg, bei der 13 Schülerinnen der jüdisch-orthodoxen Traditionsschule von vier anderen, laut Zeugen „arabisch aussehenden“ Schülerinnen beleidigt wurden, blieb bislang erfolglos. Die Täterinnen wurden nicht gefunden. Gar nicht erst angezeigt worden war der Fall eines Taxifahrers im Herbst vorigen Jahres, der sich geweigert haben soll, eine jüdische Familie in die Synagoge zu fahren. Das zuständige Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten verwarnte den Fahrer.

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