Betrug : Pensionierte Polizisten kassierten 250.000 Euro

Ein 52-Jähriger Beamter gönnte sich einen zweijährigen Urlaub in Südafrika – mit Strandhaus und Safari. Mit gefälschten Attesten und Arztrechnungen erschlich er sich "eine Einnahmequelle" neben seinem Ruhestandsgeld.

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Idylle am Strand. Ein 52-Jähriger Beamter gönnte sich einen zweijährigen Urlaub in Südafrika.
Idylle am Strand. Ein 52-Jähriger Beamter gönnte sich einen zweijährigen Urlaub in Südafrika.Foto: dpa

Der Polizist genoss die Sonne Südafrikas. Ein Haus in Strandnähe hatten er und seine Frau gemietet. Die jüngste Tochter besuchte eine Privatschule. Sie flogen per Helikopter über Kapstadt, gingen auf Safari. Zwei Jahre gönnte sich der Beamte Thorsten S., 52 Jahre alt und bereits seit 18 Jahren Pensionär, diesen Urlaub. „Ich habe mir eine Einnahmequelle neben meinem Ruhestandsgeld erschlossen“, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Der Richter machte seinem Ärger Luft: „Sie haben die Allgemeinheit beschissen und sich einen lauen Lenz gemacht.“

Eine unglaubliche, höchst kriminelle Geschichte. S. und sein früherer Kollege Dietmar K., 51 Jahre alt und seit 20 Jahren pensioniert, betrogen das Landesverwaltungsamt. Sie reichten gefälschte Atteste und Arztrechnungen ein, um Beihilfezahlungen zu erschleichen. 140 Taten von Ende 2005 bis März 2011, 84 davon sollen auf das Konto des Hauptangeklagten S. gegangen sein. Laut Anklage betrug der Schaden 250.000 Euro. Er hatte auch eine seiner Töchter in den dreisten Schwindel verwickelt. Die 22-jährige Polizeibeamtin auf Probe soll in einigen Fällen im Auftrag des Vaters Beihilfen beantragt haben, als er in Südafrika lebte.

„Das hat sich so aus einer gewissen Situation ergeben“, ließ Thorsten S. über seinen Verteidiger erklären. Es sei nicht von langer Hand geplant gewesen. „Es war so leicht“, nuschelte der seit neun Monaten inhaftierte Frühpensionär später und klagte über seine nun alles andere als komfortable Lage. 500.000 Euro Schulden habe er. „Alles weg, nicht einmal eine EC-Karte habe ich.“ Aber noch bezieht er eine Pension: 2200 Euro monatlich sowie eine zusätzliche Dienstrente von 1000 Euro. Er sei 1994 nach einem Verkehrsunfall nicht mehr dienstfähig gewesen. Zuletzt war der Polizeiobermeister in einem Spezialeinsatzkommando.

Bei der kriminellen „Selbstversorgung“ allerdings konnte Thorsten S. jede Menge Energie aufbringen. Er ging zu einem Bekannten, der in der Werbebranche tätig ist und exzellente Ausdrucke herstellen konnte. Therapiesitzungen oder Atteste – die Fälschungen waren, so der Staatsanwalt, schwer zu erkennen. Zudem waren S. und K. auch tatsächlich häufig in Behandlung. Als Konsequenz auch aus diesem Verfahren sei das System optimiert worden, sagte der Ankläger. „Das, was hier lief, ist nicht mehr möglich.“

Die Gier siegte offensichtlich auch bei Dietmar K. über den Verstand. Er habe S., mit dem er vor vielen Jahren in einer Einsatzbereitschaft war, auf einer Feier von Polizisten getroffen. „Er hat mich dann gefragt“, sagte der Angeklagte, der mit 31 Jahren und 2200 Euro monatlich in Frühpension gegangen ist. Ihm werden 50 Taten zur Last gelegt. „Zwei Drittel dieser Gelder behielt S.“, sagte der Polizeiobermeister. Thorsten S. habe erklärt, er müsse auch eine Ärztin und einen Physiotherapeuten entlohnen. Ob die Genannten tatsächlich Teil des Beihilfe-Betrugssystems waren, ist Angaben zufolge aber fraglich.

Der Richter fragte, ob die Frühpensionäre auch ehrliche Arbeit erwögen. „Wie wäre es mit einer Bürotätigkeit?“, schlug er S. vor. Der stöhnte: „Ist nicht machbar für mich.“ Die Bandscheibe, das Knie. Dann berichtete K. von „Blockierungen in der Wirbelsäule“. Das Gericht hat S. eine Strafe von maximal viereinhalb und K. bis zu dreieinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt. Dann wäre es vorbei mit den Pensionen. Wie er sich die Zukunft vorstellt? Dietmar K. kleinlaut: „Ich sehe, dass ich dann arbeiten muss.“

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