Intensivtäter Ali D. vor Gericht : Kriminell seit der Kindheit

26.03.2013 20:11 UhrVon

Schon als Kind begann seine kriminelle Karriere, jetzt steht der 20-jährige Ali D. mal wieder als Räuber vor Gericht - obwohl ihn bereits mit 15 die kompromisslose Härte des Jugendgerichts traf.

Lehrer und Mitschüler erlebten ihn als unkontrolliert, beleidigend, aggressiv. Ali D. war etwa zehn Jahre alt, als seine kriminelle Karriere begann. Als 15-Jähriger musste er für zweieinhalb Jahre in Haft. Doch die Aussicht, erneut hinter Gittern zu landen, bremste ihn auch danach nicht. Ali D., inzwischen 20 Jahre alt und einer von derzeit 525 in Berlin registrierten Intensivtätern, sitzt seit Dienstag erneut als Räuber vor Gericht.

Kleinlaut wirkte er, gab die Überfälle auf zwei Bankkunden zu, bat die Opfer um Verzeihung und blickte dabei recht bedrückt. Warum er Pfefferspray hatte und einsetzte? „Ich weiß nicht“, sagte er. Plausibel schien das für ihn, der sich auf das „Abziehen“ spezialisiert hatte, nicht. Er kam bei den beiden Taten, um die es geht, jeweils von hinten und setzte Reizgas ein, sobald sich das Opfer umdrehte.

Als kriminelles Kind war er bereits im Blick der Polizei. Doch Verfahren mussten eingestellt werden, weil der Sohn einer syrischen Familie noch nicht strafmündig war. Er war 15 Jahre alt, als er erstmals vor einem Jugendgericht stand. Ihn traf kompromisslose Härte: Wegen Raubes in zwei Fällen und versuchten Raubes sowie Körperverletzung musste er für zwei Jahre und sechs Monate in Haft. Auf eine vorzeitige Entlassung können gerade

Jugendliche hoffen. Doch eine Chance auf eine Bewährung sah man nicht: Ali D. verbüßte die Strafe bis auf den letzten Tag. Für Intensivtäter wie ihn gibt es seit 2003 in Berlin eine eigene Abteilung bei der Staatsanwaltschaft. Ein Kernpunkt des Intensivtäterkonzepts ist, dass ein auffälliger junger Gewalttäter immer auf dieselben Polizisten und auf denselben Staatsanwalt triff. Die Behörden sollen so gut vernetzt sein, dass sie unheilvolle Tendenzen schnell erkennen und gegensteuern können. Der Erfolg aber blieb im Falle von Ali D. aus. Gegen ihn wurde im April 2012 und im Juli erneut Anzeige erstattet. Die Ermittlungen wegen dieser Taten liefen noch, als ihm nach Veröffentlichung von Videoaufzeichnungen auch die beiden Überfälle in Banken zugeordnet werden konnten.

Am 26. Mai traf es einen 24-jährigen Studenten in einer Kreuzberger Bankfiliale. „Mir sind die teuren Kopfhörer aufgefallen, außerdem brauchte ich Geld“, gab Ali D. zu. Mit einem Komplizen verfolgte er den Mann. Als dieser Geld abhob, griff D. an. Die Beute: 55 Euro, weiße Kopfhörer, ein iPhone. Am nächsten Tag überfielen sie einen jungen Mann in einer Sparkasse in Neukölln. D. ist auf Fotos gut zu erkennen: Sonnenbrille, Gel in den Haaren, die markanten weißen Kopfhörer um den Hals. Damit hatte er später in einem Fitnessstudio geprotzt. Als mit Videobildern nach den Räubern gefahndet wurde, konnte sich ein Kunde gut daran erinnern. Inzwischen ist gegen D. eine Strafe von weiteren zweieinhalb Jahren Gefängnis rechtskräftig geworden. Mit dem dritten Urteil wird am 5. April gerechnet.

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