Neugeborenes aus dem 5. Stock geworfen : Mutter gesteht Tötung ihres Kindes

Sie hatte Angst vor ihrem Partner, hatte die Schwangerschaft verheimlicht. Nachdem sie das Baby im Badezimmer zur Welt gebracht hatte, warf sie es kurzerhand aus dem Fenster. Jetzt gestand sie die Tat.

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Die Mutter saß still auf der Anklagebank. Ihre Verteidigerin sollte verlesen, was sie zu sagen hat. „Ich hätte mir eine derart schlimme Tat nicht zugetraut“, ließ Ines T. am Donnerstag im Prozess wegen Totschlags erklären. „Aber der Vorwurf entspricht leider der Wahrheit.“ Die 41-jährige Ines T., die zwei Töchter hat und zwei Söhne gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben hatte, warf ihr fünftes Kind nach der heimlichen Geburt aus dem Fenster ihrer im fünften Stock gelegenen Wohnung. Angeblich aus Angst vor „Stress“ mit ihrem Partner. Sie hatte die Schwangerschaft verschwiegen.  

Ines T. ist eine kleine und unscheinbare Frau. Sie arbeitete als Aushilfskraft an einem Fließband und lebte mit der jüngeren Tochter, damals 15 Jahre alt, und ihrem 44-jährigen Partner in einer dreieinhalb Zimmer großen Wohnung am Spandauer Damm. Gemeinsam mit dem Mann und dem Mädchen hatte Ines T. am Abend des 19. November noch vor dem Fernseher gesessen. Gegen 22 Uhr ging sie ins Bad. Von den Wehen sei sie „ziemlich überrascht“ worden, erklärte sie nun. Sie hatte das Baby in einen Müllsack gesteckt und in den Innenhof geworfen. Ein Nachbar fand den toten Jungen. Die Spuren führten schnell zu Ines T.    

Fotos vom Tatort:

Ein Baby wurde aus dem fünften Stock geworfen - Bilder vom Tatort
20.11.2011: Aus dem fünften Stock dieses Wohnhauses in Charlottenburg wurde ein Neugeborenes geworfen. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
20.11.2011 13:4320.11.2011: Aus dem fünften Stock dieses Wohnhauses in Charlottenburg wurde ein Neugeborenes geworfen.

Sie wollte eigentlich in eine Klinik gehen. So hatte es die Mutter bei der Polizei geschildert. Die Ermittler wollten wissen, warum sie in der Wohnung geblieben ist. „Herr T. wusste doch nichts von der Schwangerschaft“, sagte sie. „So etwas sollte doch nicht mehr vorkommen.“ Das habe T., Vater der beiden zur Adoption freigegebenen Söhne, zum Ausdruck gebracht. Was sie befürchtet habe, fragten die Beamten. „Er ist auch ein bisschen schwierig“, sagte Ines T. und deutete an, dass der vorbestrafte Mann ihr gegenüber bereits gewalttätig geworden sei.

Ihre Gefühlslage bei der Tat fasste Ines T. in einem Verhör bei der Polizei mit einem Wort zusammen: „Beschissen.“ Sie demonstrierte, wie sie das Baby aus dem Fenster schmiss. Im Prozess gestand sie ohne Details. „Ich vermisse meine Mädchen“, erklärte die Mutter. Und sie lobte den Mann, der nichts von ihrem fünften Kind mitbekommen sollte. Er habe sich geändert, kümmerte sich jetzt. Sie hat ihn in der Haft geheiratet. Die Verhandlung geht am Mittwoch weiter.

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