Unfalltod einer 19-Jährigen in Friedrichshain : Zwillinge erhalten Bewährungsstrafe

Ein Zwilling saß ohne Führerschein am Steuer eines Transporters, der andere auf dem Beifahrersitz, als mit dem Auto eine Abiturientin tödlich erfasst wurde. Im Prozess um den Unfall und weitere Straftaten legten die 20-Jährigen in Aussicht auf Bewährung Geständnisse ab.

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Ein Prozess im Strafgericht.
Ein Prozess im Strafgericht.Foto: dpa

Sie stand mit einem Begleiter an der Straße und winkte einem Taxi, als Anabell S. von einem Transporter erfasst und tödlich gegen einen Laternenmast geschleudert wurde. Knapp 16 Monate nach dem Unfalltod der Abiturientin ist der 20-jährige Fahrer des Transporters am Mittwoch zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen seinen mitangeklagten Zwillingsbruder, der als Beifahrer mitfuhr, verhängte das Berliner Landgericht wegen anderer Straftaten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Beide sollen zudem 150 Stunden Freizeitarbeit leisten.

Miriton C., der ohne Führerschein hinterm Steuer saß, sei zu schnell gefahren, hieß es im Urteil. „Bei angepasster Geschwindigkeit wäre es nicht zum Unfall gekommen“, sagte Richter Carsten Wolke. Die Zwillinge hatten sich den Transporter ohne Erlaubnis der Halterin genommen. Am Stralauer Platz in Friedrichshain sei Mirition C., der wie sein Bruder Egzon polizeibekannt ist, mit mindestens 62 km/h bei erlaubter Höchstgeschwindigkeit von 50 unterwegs gewesen.

Wie schnell sich das von Anabell S. herangewunkene Taxi nach rechts auf die Spur des Transporters bewegte, sei jedoch nicht eindeutig zu klären gewesen, so das Gericht. Zugunsten von Miriton C. sei davon auszugehen, dass der Taxifahrer „abrupt nach rechts zog und abbremste, um die Personen aufzunehmen“. Dadurch habe sich auch Miriton C. veranlasst gesehen, nach rechts zu ziehen.  

Die Zwillinge sorgten zunächst für Verwirrung um die Frage, wer fuhr. Egzon C., der einen Führerschein hat, trat zunächst in den Vordergrund. Er zeigte sich von empathieloser Seite. „Mir doch egal, wenn die auf die Straße laufen“, soll er damals erklärt haben. Die Richter hielten den Zwillingsbrüdern nun vor: „Man kümmerte sich eher um eigene Nichtbestrafung als um die Opfer.“

Das Gericht gehe aber nun davon aus, dass die Brüder ihr Fehlverhalten inzwischen erkannt haben, hieß es weiter. Die beiden Angeklagten hatten im Prozess das Angebot eines sogenannten Deals angenommen: Bewährungsstrafen bei umfassenden und glaubhaften Geständnissen. Die Nebenkläger waren hingegen enttäuscht, weil sich die  Zwillingsbrüder lediglich über ihre Verteidiger geäußert und nicht persönlich das Wort ergriffen hatten. Was in ihnen tatsächlich vorging, sei nicht deutlich geworden. „Die Eltern konnten nicht spüren, dass sie Reue empfinden“, sagte ihre Vertreterin.

Miriton C. wurde als Unfallfahrer der fahrlässigen Tötung sowie des Fahrens ohne Führerschein schuldig gesprochen. Zudem wurden er und sein Bruder wegen mehrerer anderer Straftaten zwischen Januar 2012 und Juli 2012 - darunter ein Handyraub - bestraft.

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