Urteil : Vater muss für zwei Ohrfeigen 800 Euro zahlen

Ein 46-Jähriger schlug seine kleine Tochter, als sie auf dem Wochenmarkt verschwand. Er wurde wegen Körperverletzung verurteilt.

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Ein stolzer Vater sei er, sagte der Angeklagte. Seine Tochter habe „die Priorität“ in seinem Leben. Keiner im Saal bezweifelte das. Doch auf einem Wochenmarkt hatte der 46-Jährige die Nerven verloren. Weil das damals vierjährige Mädchen plötzlich verschwunden und er in Panik war, weil sie dann ihm die Schuld an ihren Alleingang gab. „Ich habe ihr eine geknallt“, gab er zu. Er bedauere das. Für das Verfahren, das durch einen Passanten ins Rollen gekommen war, hatte der Vater aber wenig Verständnis.

Sein Blick ging an jenem Tag im Juli 2008 über Tomaten, Salat und Gurken, als Nina (Namen geändert) von seiner Seite wich. Es war eine Sache von Sekunden. „Ich lief hysterisch über den Markt, schrie und suchte sie“, sagte der Angeklagte. In der Nähe seines Fahrzeugs sah er die Kleine. Unbekümmert meinte sie: „Du hast doch gesagt, dass ich zum Auto gehen soll.“ Da holte Gunnar Z. aus. Diese Schelle gab er zu. Ein anderer Besucher des Marktes auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz aber will mehr beobachtet haben: „Er setzte das Kind ins Auto, es schrie, er holte wieder aus.“

Der Zeuge ist 32 Jahre alt. Ein Bankkaufmann mit türkischen Wurzeln. Er sprach am Auto den Vater an: „Jetzt reicht es!“ Gunnar Z. reagierte gereizt: „Misch dich nicht ein!“ Der Markt sei voll gewesen, sagte der Zeuge. „Andere Menschen schritten aber nicht ein – das ist wohl Wegguck-Mentalität.“ Er rief die Polizei. Von der Anzeige wurde auch das zuständige Jugendamt informiert. Bis dahin war die Familie dort nicht bekannt. Der Vater wurde vorgeladen. Er sagte, er sei voller Angst um seine Tochter gewesen, habe die Kontrolle verloren und sie das erste Mal geschlagen.

„Der Fall ist weit weg von dem, was hier sonst verhandelt wird“, argumentierte der Verteidiger. Z. sei in einem emotionalen Ausnahmezustand gewesen. „Es gibt kein Züchtigungsrecht von Eltern“, hielt die Anklägerin dagegen. Seit dem Jahr 2000 ist auch die einzelne Ohrfeige verboten. Der Richter war überzeugt, dass der Vater seinem Kind mindestens zwei Schellen verpasste. Die zweite, weil es sich nicht anschnallen lassen wollte und schrie. Wegen Körperverletzung wurde Z. zu einer Geldstrafe von 800 Euro (40 Tagessätze zu je 20 Euro) verurteilt.

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