Vom Opfer zum Täter : Taxifahrer wegen angeblicher Vergewaltigung vor Gericht

Vor zwei Jahren soll ein Taxifahrer zwei Frauen bedroht und zum Oralverkehr gezwungen haben. Eine der Frauen hatte den 48-Jährigen zuvor mit einem Messer attackiert. Der Prozess wurde bereits zum zweiten Mal vertagt.

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Wegen angeblicher Vergewaltigung muss sich ein 48-jähriger Taxifahrer vor dem Landgericht verantworten.
Wegen angeblicher Vergewaltigung muss sich ein 48-jähriger Taxifahrer vor dem Landgericht verantworten.Foto: dpa

Der Taxifahrer wurde in seinem Auto zum Opfer. Das steht fest. Doch drehte er kurz danach gegenüber den beiden Kundinnen, die nicht bezahlten wollten, den Spieß um und wurde zum Angreifer? Zwei Jahre nach der nächtlichen Tour zum S-Bahnhof Wannsee muss sich der 48-Jährige wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht verantworten. Kopfschüttelnd saß der Familienvater auf der Anklagebank und schwieg zunächst.

Zwei junge Frauen, 19 und 22 Jahre alt, hatten schwere Anschuldigungen gegen den türkischstämmigen Mann erhoben. Die Jüngere gab zu Protokoll, er habe sie mit einer Pistole aus seinem Handschuhfach bedroht und auf der Rückbank zum Oralverkehr gezwungen. Beide wollen massiv bedroht worden sein. Er werde 30 Kollegen rufen, die sie vergewaltigen würden, soll der Taxifahrer angekündigt und den Fahrpreis von 40 Euro auf 50, dann auf 200 Euro erhöht haben. Als die 22-Jährige die Polizei alarmieren wollte, habe er der Frau das Handy abgenommen.

19-Jährige bereits zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt

Ursprünglich aber war die Jüngere der Frauen zur Täterin geworden. „Wir hatten kein Geld, sie zog plötzlich ein Messer und griff den Taxifahrer an“, beschrieb die 22-Jährige. Ihre damalige Freundin ist wegen des räuberischen Angriffs bereits zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Taxifahrer war in dem Prozess Zeuge. Man glaubte ihm. Im August sollte dann die Verhandlung gegen ihn beginnen. Still saß er im Saal. Doch die Ältere der beiden Frauen ließ sich nicht blicken. Der Prozess platzte nach wenigen Minuten.

„Jede von uns sollte 100 Euro zahlen“, sagte nun die 22-Jährige. Ihre ehemalige Freundin habe ihr von einem sexuellen Übergriff im Auto erzählt. Zu dem Zeitpunkt habe sie vergeblich versucht, mit ihrer EC-Karte Geld abzuheben, so die Zeugin. Allerdings könne sie sich nicht an alle Details erinnern. Beim zweiten Anlauf war es die 19-Jährige, die nicht als Zeugin erschien. Sie meldete sich krank. Die Verhandlung um den ominösen Vorfall aber wird fortgesetzt.

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