Berliner Schulen : Große Koalition für Numerus Clausus an Gymnasien

1000 Siebtklässlern droht das Scheitern am Gymnasium. CDU, Teile der SPD und auch Schulleiterverbände fordern einen Numerus Clausus. Zahlreiche Eltern haben die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder überschätzt.

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Weil zahlreichen Siebtklässlern das Scheitern droht, fordern Parteien und Schulleiterverbände einen Numerus Clausus für weiterführende Schulen.
Weil zahlreichen Siebtklässlern das Scheitern droht, fordern Parteien und Schulleiterverbände einen Numerus Clausus für...Foto: dpa

Die Diskussion um den Zugang zu den weiterführenden Schulen ist neu entbrannt. Angesichts der vielen ungeeigneten Schüler, die über das freie Elternwahlrecht und das Losverfahren in die Gymnasien aufgenommen werden mussten und jetzt im Probejahr zu scheitern drohen, wird die Forderung nach einem Numerus Clausus laut. Christdemokraten und Schulleiterverbände sind dafür, Teile der SPD ebenfalls. Grüne und Piraten wollen – ebenso wie Eltern und Schüler – keinen pauschalen NC, plädieren aber für eine Abschaffung des Losverfahrens.

Wie berichtet, haben sich schätzungsweise 1000 Familien bei der Wahl der Schule vertan, indem sie die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder überschätzt haben. In der Folge müssen sich viele Kinder darauf einstellen, dass sie ihr Gymnasium nach einem Jahr verlassen müssen. Der Verband der Oberstudiendirektoren und die GEW-Schulleitervereinigung sehen darin ihre Forderung bestätigt, höhere Hürden vor dem Gymnasium einzurichten. „Man sollte einen NC einführen und für Grenzfälle einen Eignungstest und Gespräche mit den Schulleitern ermöglichen“, empfiehlt auch CDU-Bildungsexperte Stefan Schlede.

In der SPD gehen die Meinungen auseinander. Die SPD-geführte Bildungsverwaltung erinnerte daran, dass das jetzige Aufnahmeverfahren „umfassend diskutiert“ worden sei. Berlin habe sich klar für das Elternwahlrecht entschieden. Auch der bildungspolitische SPD-Sprecher, Ilkin Özisik, möchte keinen NC, da die Grundschulnoten als Prognose nicht in allen Fällen zuverlässig seien. Viele Schüler könnten unter Umständen trotz schwächerer Vornoten das Gymnasium schaffen, weil es dort „mehr Ruhe und mehr Lernvorbilder“ gäbe. Es komme aber darauf an, dass die Gymnasien für die schwächeren Schüler Konzepte entwickelten.

Pankows SPD-Bildungsstadträtin Ljoba Zürn-Kasztantowicz plädiert für einen Mittelweg in Form eines „gemäßigten NC“, um den noch schwächeren Kindern den „großen Leidensweg“ zu ersparen. Auch die Piraten wollen angesichts der aktuellen Situation nicht alles so lassen, wie es ist. Bildungspolitiker Martin Delius könnte sich vorstellen, dass nicht nur die Noten der letzten beiden Grundschuljahre berücksichtigt werden, sondern auch noch Kriterien wie bürgerschaftliches Engagement. Das Losverfahren müsse aber „weg“, da es dem Ziel widerspreche, an Gymnasien leistungsstarke Schüler zusammenzubringen.

„Der Senat muss den Zugang zum Gymnasium reformieren“, fordert auch der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu. Seine Fraktion will weder Losverfahren noch Probejahr, sondern setzt auf eine gezieltere Förderung in Klasse 5 und 6. Mutlus klarem Nein zum NC schließt sich auch Landeselternsprecher Günter Peiritsch an. „Solange die Sekundarschulen keine gleichwertige Alternative sind, muss der Weg zum Gymnasium offen bleiben“, fordert er. Auch Landesschülersprecherin Beatrice Knörich möchte Schülern, die in der Grundschule vielleicht „faul“ waren, nicht automatisch den Weg zum Gymnasium abschneiden.

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