Berliner Senat plant neues Sprachförderkonzept : An 33 Schulen gibt es kaum noch deutsche Muttersprachler

Entmischung an den Schulen schreitet voran. Neukölln und Mitte besonders betroffen.

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In Willkommensklassen steht die Sprachförderung im Vordergrund. Dafür werden gut ausgebildete Lehrer gebraucht.
In Willkommensklassen steht die Sprachförderung im Vordergrund. Dafür werden gut ausgebildete Lehrer gebraucht.Foto: picture alliance / dpa

Die Bildungsverwaltung arbeitet an einem neuen Konzept für die Sprachförderung. Dies sei notwendig wegen der wachsenden Zahl von Flüchtlingskindern, die aus den Willkommensklassen in die Regelklassen wechseln, teilte Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) auf Anfrage der grünen Bildungsexpertin Stefanie Remlinger mit. Die Rede ist nicht von zusätzlichem Personal, sondern nur von einer „Veränderung“ in der Ressourcenzumessung, wie Rackles sich ausdrückt. Diese Veränderung soll 2017/18 greifen, wenn auch der neue Rahmenplan umgesetzt werden soll. Er verpflichtet die Lehrer dazu, in allen Fächern „Sprachbildung“ zu betreiben.

Neukölln führt die Statistik an

Remlinger hatte auch gefragt, wie sich die Anteile der Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) in den Schulen entwickelt haben. Demnach gibt es im laufenden Schuljahr 33 Schulen – darunter 23 Grundschulen, sechs Sekundarschulen und drei Gymnasien – mit über 90 Prozent Migrantenanteil (2013/14: 31 Schulen). Diese Schulen befinden sich ausschließlich in Neukölln (15), Mitte (10), Friedrichshain-Kreuzberg (5) und Tempelhof-Schöneberg (3). In 128 Schulen liegt der Anteil zwischen 60 und 90 Prozent (2013/14: 117 Schulen). Darunter sind auch 15 Schulen in Reinickendorf, 14 in Charlottenburg-Wilmersdorf und 13 in Tempelhof-Schöneberg.

Die Bildungsverwaltung schreibt vor, dass Schulen mit mehr als 40 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache ein Sprachbildungskonzept vorlegen müssen. An jeder vierten dieser insgesamt knapp 300 Schulen ist dies Konzept allerdings noch nicht fertig, wie die Anfrage Remlingers ergab.

An 15 Schulen gibt es fast nur noch Hartz-IV-Empfänger

Von 14 auf 15 ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Schulen gestiegen, in denen über 90 Prozent der Familien von staatlichen Transferleistungen leben. Dies betrifft aktuell fünf Schulen in Neukölln, vier in Mitte, drei in Friedrichshain-Kreuzberg und je eine in Reinickendorf, Tempelhof–Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf. An 134 Schulen liegt der Anteil der Familien, die nicht für sich allein sorgen können, bei 60 bis 90 Prozent, an 151 Schulen bei 40 bis 60 Prozent.

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