Digitale Bildung in Berlin : Noch sind 110 Schulen nicht mal breitbandfähig

Fünf Milliarden Euro will die Bundesbildungsministerin in die Zukunftsfähigkeit investieren. Wie nötig das ist, sieht man auch in Berlin.

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Mit Tablets können im Unterricht auch Schaubilder erstellt werden. Fehlendes W-Lan schränkt die Einsatzmöglichkeiten extrem ein. Foto: dpa
Mit Tablets können im Unterricht auch Schaubilder erstellt werden. Fehlendes W-Lan schränkt die Einsatzmöglichkeiten extrem ein.Foto: dpa

Das Ende der Kreidezeit liegt für Berlin in weiter Ferne: Vollständig mit Laptops und Whiteboards ausgestattete Schulen sind die Ausnahme. Dasselbe gilt für den Einsatz von Lernsoftware anstelle von Schulbüchern. Das soll anders werden: Mit Spannung erwarten die Schulen das Fünf-Milliarden-Programm "DigitalPakt#D", das Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Wochenende in Aussicht gestellt hat und das vor allem in eine bessere Infrastruktur fließen soll. Denn bislang scheitern auch ambitionierte Schulen schon daran, dass es keine verlässliche Internetverbindung gibt: „110 Schulstandorte sind nicht breitbandfähig“, teilte die Bildungsverwaltung am Montag auf Anfrage mit. Dies bedeutet, dass zunächst durch den Netzanbieter vor Ort ein Ausbau der Infrastruktur nötig wäre. Ein erhöhter Aufwand also.

 Berlin gehört zum Mittelmaß

Die Frage, wie viele Schulen schon komplett kreidefrei sind, konnte die Bildungsverwaltung mit Hinweis auf eine noch laufende „Statistikabfrage“ nicht beantworten. Dies gilt auch für die Frage, wie viele Schüler sich einen PC teilen: Bisher gibt es nur eine drei Jahre alte Erhebung, die das Verhältnis auf 1:5,4 bezifferte. Berlin gehört bundesweit zu den Schlusslichtern bei der Ausstattung mit transportablen Geräten, die Schüler im Unterricht benutzen können: Nur 40 Prozent der Schulen verfügen darüber, im Bundesschnitt sind es 74 Prozent. Digitale Medien werden nur von knapp 50 Prozent der Berliner Schulen mindestens einmal wöchentlich genutzt – das ist Mittelmaß, wie 2015 aus einer Studie der Deutschen Telekom Stiftung hervorging. Einzelheiten ihres Milliardenprogramm will die Bundesbildungsministerin am Mittwoch bekanntgeben.

„Ohne W-Lan kann man alles vergessen“

Zu den wenigen Schulen, die auf derartige Programme nicht gewartet, sondern sich schon im Jahr 2009 umgestellt haben, zählt das Biesdorfer Otto-Nagel-Gymnasium, wo jeder Schüler und Lehrer einen eigenen Laptop in der Schule nutzt. „Ohne W-Lan kann man alles vergessen“, sagt Schulleiter Lutz Seele. Der Lernmittelverein des Gymnasiums hat die notwendigen Anschlüsse finanziert und auch Laptops für jene Schüler beschafft, deren Eltern sich die Anschaffung nicht leisten konnten. Die Fortbildung der Lehrer findet schulintern statt und wird schwerpunktmäßig von den Schülern angeboten.

Der Vorsitzende der Deutsche Telekom Stiftung, Wolfgang Schuster, begrüßte am Montag den Vorstoß Wankas. Um die Bildungschancen zu verbessern, brauche man neben bestens ausgebildeten Lehrern und gesamtschulischen Medienkonzepten, die in den Lehrplänen verankert sind, "nicht zuletzt eine technischen Ausstattung, die den Einsatz digitaler Medien in den Schulen ermöglicht".

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