Friedensburg-Schule in Charlottenburg : Den höchsten Schulpreis im Visier

Die Charlottenburger Friedensburg-Sekundarschule hat große Ziele: Sie will Deutschlands beste Schule werden. Unter den Top 20 ist sie als einzige Berliner Schule jetzt bereits gelandet.

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Paul Schuknecht, Schulleiter der Friedensburgschule
Paul Schuknecht, Schulleiter der FriedensburgschuleFoto: Susanne Vieth-Entus

Über 30 000 Schulen gibt es in Deutschland. Ziemlich mutig, eine der besten von ihnen sein zu wollen. Die Charlottenburger Friedensburg-Sekundarschule hat es gewagt, und ist inzwischen schon ziemlich weit gekommen: Unter 110 Bewerbern für den Deutschen Schulpreis ist sie als einzige Berliner Schule unter den Top 20 gelandet. Am Mittwoch und Donnerstag kam die Jury zu Besuch, die bis März entscheiden soll, ob die Friedensburg in die nächste Runde kommt – oder ob sie im Mai sogar zu den Siegern gehören wird, denen die Bundeskanzlerin einen Preis in die Hand drücken wird.

 „Disziplinarisch sind wir sehr klar“

Dass die Schule soweit gekommen ist, hat mit zwei Schlüsselerlebnissen zu tun. Das eine spielte sich vor sechs Jahren ab. Da prügelten sich zwei Mädchen auf dem Hof. „Das Schlimmste dabei war, dass 200 Schüler drumherum standen  und nicht einschritten“, erinnert sich Schulleiter Paul Schuknecht. Das war der Ausgangspunkt für die Wende zum Besseren: „Wir haben eine systematische Gewaltprävention angefangen“. Nach und nach wurde die ganze Schule innerlich umgebaut: Die Jahrgänge bekamen feste Etagen und Sozialpädagogen zugewiesen. „Die Schüler müssen wissen, wo sie hingehören“. Außerdem wurde strenger durchgegriffen. „Disziplinarisch sind wir sehr klar“, sagt Schuknecht dazu. „Ich zeige jede Gewalttat angezeigt“.

Die Kollegen waren erst ablehnend

Das andere Schlüsselerlebnis war eher ein Schlüsselgedanke, der vor drei Jahren von Schuknecht Besitz ergriff. Seine Schule war auf einem guten Weg, aber er fragte sich: „Was läuft noch in den nächsten drei Jahren – bis zu meiner Pensionierung?“ Er fand, es wäre gut, ein konkretes Ziel anzusteuern. Das Ziel lautete: Wir wollen so gut werden, dass wir den Schulpreis gewinnen können.

Anfangs hat sein Kollegium ungläubig reagiert, um nicht zu sagen: ablehnend. Aber dann kam ein Prozess in Gang, an dessen Ende „eine überwältigende Mehrheit das wollte“, sagt Schuknecht.

Den Schulpreis kann man nur gewinnen, wenn man sich auf bestimmte Ziele fokussiert und wenn man seine eigenen Stärken kennt. „Was zeichnet uns aus?“, war deshalb die zentrale Frage.

Die ganze Bandbreite

Drei Jahre später kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Wir glauben, dass wir eine außergewöhnliche Vielfalt haben“, sagt Schuknecht. Diese Vielfalt liegt nicht nur in den 70 Nationen, die seine Schüler verkörpern, sondern vor allem in der großen Leistungsspreizung: Da gibt es die ganze Bandbreite von den Flüchtlingsklassen über die praxisorientierten Gruppen und die Spanisch-Europaschulklassen bis hin zu den Spitzenabiturienten, die hier in der Goethestraße zur Schule gehen.

Das Andere, worauf die Schule stolz ist, sind die Angebote zur Berufsorientierung. „Früher war das ein Restgebiet“, sagt Schuknecht. Heute geht es „um die Tauglichkeit für die Welt da draußen“. Dass das Konzept funktioniert, sieht man auch daran, dass von seinen rund 200 Schülern pro Jahrgang nur eine Handvoll die Schule ohne Abschluss verlässt. Im Berliner Schnitt sind es fast zehn Prozent

„Eine wirklich moderne Schule“

Solche Zahlen sind wichtig für die Schulpreisjury, aber auch die Atmosphäre zählt sowie die Gespräche mit Lehrern und Eltern und die Art und Weise, wie die Schule ihre Ziele verfolgt. „Die Schule lebt das inklusive Modell schon vor“, lobte der Juryvorsitzende Roman Rösch am Ende des zweitägigen Schulbesuchs am Donnerstag. Auch die anderen Jurymitglieder äußerten sich wohlwollend. Er habe „eine wirklich moderne Schule gesehen“, befand der Schweizer Bildungswissenschaftler Kurt Reusser von der Universität Zürich. Ihn beeindruckte vor allem, wie es die Lehrer schaffen, in dieser Großstadt, „wo die Musik spielt“ alle Schüler zusammenzuhalten und dieser Vielfalt einen Rahmen zu geben.

"Die beste Schule, auf der ich je war": Moses Aulbach, 20, macht dieses Jahr auf der Friedensburg-Schule Abitur.
"Die beste Schule, auf der ich je war": Moses Aulbach, 20, macht dieses Jahr auf der Friedensburg-Schule Abitur.Foto: Susanne Vieth-Entus:

„Inzwischen kommen die Geschwisterkinder“

Und was halten die Schüler von ihrer Schule? Ein paar von ihnen stehen vorm Eingang. Dort, wo viele Schilder verkünden, dass die Schule zum „Netzwerk Ganztagschule“ gehört, zu den „Schulen ohne Rassismus“, dass sie sich an den EU-Partnerschaften im Comenius-Programm engagiert und für den naturwissenschaftlichen Unterricht. „Das ist die beste Schule, auf der ich je war“, sagt Moses Aulbach, der vorher auf zwei Gymnasien keine guten Erfahrungen gemacht hatte. Ja, er weiß noch, dass es früher Gewaltvorfälle gab. Aber das sei lange her. Inzwischen würden viele Familien auch die jüngeren Geschwister herschicken – wegen der guten Erfahrung der älteren. „Ich hatte hier eine schöne Schulzeit“, sagt der 20-Jährige, der im Sommer Abitur macht. Und dass Angela Merkel hier mal auf Schulbesuch war, hat er auch nicht vergessen.

Startschuss für die „Deutsche Schulakademie“

Damit alle Schulen, die das wünschen, Zugang zu den „Erfolgskonzepten der Deutschen Schulpreisträger“ bekommen, wurde jetzt die Deutsche Schulakademie gegründet. Sie ist eine gemeinnützige Tochter der Robert-Bosch-Stiftung, die zusammen mit der Heidehof-Stiftung den Deutschen Schulpreis vergibt. Geschäftsführer sind Roman Rösch, der von Anfang an für die Bosch-Stiftung den Deutschen Schulpreis  betreut hat, und Bildungsforscher Hans Anand Pant, der das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt Universität leitet.

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 vergeben. Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert, fünf weitere Schulen erhalten je 25.000 Euro.

 

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